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Full text: Russland, officieller Ausstellungs-Bericht

Rufsland. 
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Durch diefe unfelige Bauart wird nun auch den Feuersbrünften aufser- 
ordentlich Vorfchub geleiftet, und die fchreckliche Verwüftung, welche diefe Land 
plage — fo können wir fie in der That nennen — in Rufsland anrichtet, ift haupt 
sächlich diefem Umftande zuzufchreiben. 
Eine zweite Schwierigkeit ift auch der Mangel an Weide-Grundftücken, 
wenn auch in diefer Richtung wenigftens vorübergehend durch die gemeinfchaft- 
liche Rudelweide Abhilfe gefchafft werden könnte, bis die Vertheilung und der 
fucceffive Anbau der Wohnungen nächft dem einzelnen Grundftücke beendet ift. 
Gemeinfchaftliche Weideflächen bringen überhaupt weit weniger jene Uebelflände 
mit fleh, die bei gemeinfchaftlichen Aeckern ganz unvermeidlich und von fo 
fchädlichem Einfluffe find. 
Es ift ferner noch darauf hinzuweifen, dafs die fortwährende Theilung 
der einzelnen Grundftücke unter die Mitglieder einer Familie, die dadurch 
herbeigeführte continuirliche Verminderung des Viehftandes und die dadurch 
fleh verfchlechternde Bearbeitung der Terrains von beklagenswerthen Fol 
gen find. 
So finden wir beifpielsweife in den Aufzeichnungen der Commifflon, dafs 
eineFamilie feinerzeit, fo lange die Wirthfchaft in Einer Hand war, fechzig Pferde 
befafs und die Produktion bedeutend gröfser war, als gegenwärtig, wo diefe 
Wirthfchaft unter fechs Perfonen getheilt ift. Der Viehftand wurde durch diefe 
Theilung fo verringert, dafs gegenwärtig nur ein einziger von den Eigenthümern 
zwei Pferde hält. 
Wir fehen fomit ein fehr gefährliches Proletariat entftehen und in gleicher 
Weife die Gefahr für eine Abnahme des abfoluten Erträgniffes der Ländereien 
herannahen. 
Die Art und Weife der Gemeindeverwaltung ift auch seitens der Commifflon 
Gegenftand ernfter Bedenken gewefen. 
Wenn man ins Auge fafst, dafs keinerlei Organ behufs Controle und 
Gegeneinflufs vorhanden ift, fo läfst fleh wohl denken, dafs auf diefe Weife die 
ärgften Mifsbräuche gang und gebe werden und das ftrikte Verfolgen eines höheren 
Zieles uni einer intelligenten Wirthfchaft abfolut unmöglich wird. 
Es kann diefes Syftem um fo verhängnisvoller werden, als der Bildungs 
grad des ruffifchen Landvolkes, wenn auch die Tendenz zum Befferen nicht abge 
leugnet werden kann, de fakto doch noch ein fehr zurückgebliebener, befferungs- 
bedürftiger ift. 
Die Commifflon hat conftatirt, dafs der Wunfch zum Lernen und zum Ver 
trautwerden mit der allgemeinen Wiffenfchaft felbft bei den Bauern ein reger 
ift, und dafs diefem Wunfche nur der Mangel an guten Lehrern entgegenfteht ; 
denn diejenigen, welche mit halb vollendeter Bildung aus den Seminarien kommen, 
leiften nur wenig, und die Lehrer aus den pädagogifchen Inftituten, die bedeutend 
fähiger und zuverläffiger find, können leider noch nicht in genügender Anzahl 
befchafft werden. Erfreulich bleibt es immerhin, dafs man nun eine ganz gefunde 
Strömung in diefer Richtung conftatiren kann. 
Weiters hat die Commiffion auch darauf aufmerkfam gemacht, dafs es 
wefentlich geboten erfcheint, die Zahl der eingehaltenen Feiertage auf ein Minimum 
herabzufetzen. 
Abgefehen davon, dafs eine zu grofse Anzahl von Feiertagen an und für 
fleh fchon volkswirthfchaftlich einen Verluft und eine Einbufse herbeiführt, fo wird 
aufserdem dem ruffifchen Landvolk bei dem Mangel an geiftiger Befchäftigung 
während der freien Zeit nur Gelegenheit gegeben, niedrigen Leidenfchaften, 
namentlich dem Trünke zu fröhnen, und kann defshalb der Wunfch der Commiffion, 
die Feiertage auf ein Minimum zu befchränken, nur die gröfste Anerkennung 
finden. 
Wir kommen hier zu einem Thema, das für die Fortbildung des ruffifchen 
Landvolkes von gröfster Wichtigkeit ift.
	        
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