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Full text: Russland, officieller Ausstellungs-Bericht

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Wilhelm von Lindheim. 
Schon der Laie kann beurtheilen, von welch’ eminenter Wichtigkeit für 
die Landwirthfchaft die Viehzuchtift. 
Es ift fchlechterdings unmöglich, dafs die Landwirthfchaft profperire und 
Fortfehritte mache, folange die Aufzucht des Nutzviehes und die Ausbeutung feiner 
Produdte nicht vorwärts geht, und man kann daher darauf als auf eine beunruhi 
gende Thatfache hinweifen, dafs, wie es fcheint, die Viehzucht Rückfchritte macht 
und die Racen felbft degeneriren. 
Wir haben bereits in den vorhergehenden Abfchnitten auf die Gründe auf- 
merkfam gemacht, die wohl die Urfache diefer betrübenden Thatfache find. 
Es foll nun in die Details eingegangen werden, und laffen wir zunächft 
in nachftehender Lifte die Variationen folgen, welche in den letzten zwanzig 
Jahren die Anzahl der Hausthiere in Rufsland gehabt hat. 
Racen 
Jahre Ochfen Pferde Schafe Schweine 
Taufende von Köpfen 
1851 20.962 16.155 37-027 8.594 
1856 21.351 15.585 40705 8.806 
1861 20.708 15.063 42.479 9.092 
1866 21.634 I579I 44-263 9.313 
1871 21.604 15.542 44.841 9.404 
Wie man hieraus fieht, hat das Rindvieh eine kleine Zunahme erfahren 
die indeffen aufser Verhältnifs fleht mit der Zunahme der Bevölkerung während 
derfelben Epoche; die Anzahl der Pferde hat abgenommen und die des Kleinviehes 
zugenommen. 
Es erfcheint uns aus diefen Thatfachen, dafs die Wirthfchaft extenfiv zuge 
nommen, und erinnern wir in diefer Richtung an das, was wir über die Ausbeutung 
des Bodens früher gefagt. 
Bezüglich der Aufzucht des Rindviehes in Rußland kann man von drei 
Regionen fprechen: von der nördlichen, die fich gegen Süden bis zur Zone der 
fchwarzen Erde erftreckt, von der der fchwarzen Erde und von der der Steppen 
im Südoften und in den Gouvernements jenfeits der Wolga. Im Norden wird 
das Vieh hauptfächlich wegen der Milch und des Düngers, den es producirt 
gehalten. 
In der Gegend der fchwarzen Erde haben dagegen Milchwirthfchaft 
und Dünger nur eine relative Bedeutung; das Hornvieh ift hauptfächlich 
als Zugvieh gefchätzt, und ein Theil davon wird zum Schlachten beftimmt. 
In der dritten Zone endlich, wo Heerden von aufserordentlicher Zahl in 
Freiheit in den Steppen weiden, wird das Vieh durch die Nomaden gehalten, und 
verforgt diefe Zone die beiden Hauptftädte und die gröfseren Orte von Central 
Rufsland mit Schlachtvieh. , 
Die verfchiedenen Racen des Viehes variiren hauptfächlich bezüglich des 
Gewichtes an Fleifch, das fie produciren. 
Der Steppenochfe wiegt, gefchlachtet und abgezogen, etwa 13 bis 15 Pud- 
der von Cholmogory erreicht ein Gewicht von 17 Pud; das Thier der zweiten 
Zone variirt zwifchen 16 bis 20, das des Nordens endlich zwifchen 6 bis 12 Pud 
Im Grunde genommen bedeuten diefe Gewichte fehr wenig, wenn man 
dagegen die Zahlen vergleicht, welche die englifche und fchweizerifche Viehzucht 
liefert. (Wie bekannt, ift in England das Gewicht von 40 und in der Schweiz das 
von 30 Pud ein normales.) 
In der Periode von 1861 bis 1871 hat fich in den Zahlen des Viehbeftandes 
mehrerer Gouvernements eine ftarke Verringerung gezeigt. 
Wir wollen hier die vergleichende Lifte anführen, welche den Beftand der 
Jahre 1861 und 1871 vor Augen führt:
	        
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