Schulbauten und Einrichtungen.
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Ueberzeugung auf, dafs fich die Ausfteller gar nicht die Aufgabe geftellt hatten, zu
zeigen, wie die fanitären Forderungen an die Schule in Nordamerika wirklich
befriedigt werden, oder wie fich diefe Fragen am betten löfen liefsen. Die Vor
richtung zum Bekämpfen des Schulftaubes konnte man nur fymbolifch oderkindifch
nennen. (Die viel angeftaunten Bänke werden in der Rubrik Subfellien befprochen.)
Aus dem „amerikanifchen Land-Schulhaufe“ konnte fomit der Befucher
fich kein untrügliches Bild holen dafür, wie man in Nordamerika das Schulhaus
baut und einrichtet, ebenfowenig ein verläfsliches Urtheil darüber bilden, wie
•dafelbft die meiften Land-Schulhäufer als bauliche Objedte gedacht ausfehen. Nicht
einmal die kleinfte Gemeinde Europas wäre im Stande, fich nach dem Modelle
diefe.s Ausftellungsobjedtes ihr Schulhaus zu bauen.
Doch auch die Ausftattung des „Schulhaufes“ mit Lehrmitteln war in vielen
Stücken eine ungenügende, denn viele Dinge, welche in europäifchen Schulen längft
gang und gäbe find, kennt Amerika noch gar nicht. Ahdererfeits berechtigten
manche der wenigen vorhandenen Lehrmittel zu fehr ernften Zweifeln daran, ob
man es der Mühe werth gefunden habe, den Europäern das Bild des wirklichen
pädagogifchen Apparates einer amerikanifchen Landfchule vorzuführen. *
Nicht abzuweifen war der betrübende Eindruck, dafs das amerikanilche
Volksfchulwefen noch grofse Lücken enthält, welche ausgefüllt werden müffen,
wenn die Jugend Amerikas einft in allen Stücken der Jugend jener europäifchen
Lande ebenbürtig fein foll, welche einft aus Schulen hervorgehen wird, welche
den von den Germanen ausgeftellten gleichen. In Schulen, welche im Geifte des
amerikanifchen Ausftellungsobjedles gebaut und eingerichtet werden, kann wohl
ein körperlich gefundes und verftändiges, wenn auch nicht ein befonders unter
richtetes Gefchlecht heranwachfen, niemals aber ein ideal gefinntes; Gefchmack
und Schönheitsfinn und Poefie des Kindeslebens finden in folchen Schulen keine
Stätte. Von einer harmonifchen Erziehung des Schulkindes kann keine Rede
fein. Dafs das hochbegabte nordamerikanifche Volk noch Manches in feinen
Schulen hat, was, um von Deutfchland zu fchweigen, beifpielsweife Oefterreich
bereits über Bord geworfen hat, dafs ihm gar Manches fehlt, Was die geläuterten
Ideale europäifcher Pädagogen und Schulfreunde iängft ins Leben gerufen haben
(z. B. die in volkswirthfchaftlicher und fittlicher Beziehung fo wichtige weibliche
Arbeitsfchule), das und Aehnliches erklärt fich aber zu Genüge daraus, dafs Nord
amerika noch keinen eigentlichen Lehre rftand befitzt, fondern dafs die
Befchäftigung mit demLehramte in der Regel fo lange dauert, bis fich eine lohnen
dere Befchäftigung findet. Mit dem Verftande allein kann man Schulen
nicht „einrichten“, auch fogar nicht mit gemeinnütziger Gefinnung, in
welcher ja Nordamerika unfterbliche Vorbilder erzeugt hat. Dazu gehört noch
obenan die liebevolle Vertiefung in einen Lebensberuf, den man als heilig aner
kennt, für den man eine gründliche, zeitgemäfse Vorbildung mitbringt, in dem
man fich weiterbildet, den man um Vortheil und Bequemlichkeit nicht auf
geben mag. So lange Nordamerika fich nicht einen Lehrerftand erzieht, durch
drangen von Pflichtgefühl, erfüllt, von echtem Lehrergeift, gefchult in rechtem
Lehrgeifte, fo lange wird es woh^-, wie bisher, auf dem Gebiete der Schulhygiene
Rühmliches leiften und mit feinen gröfseren Geldmitteln den Anftofs zu weiteren
Reformen geben können, es mag auch mit feinem Verftande und praktifchen
Gefchicke in Einzelheiten, welche die Schule angeben, Sinnreiches und Nach
ahmenswertes ausdenken: im grofsen Ganzen aber wird es — wenn nicht bald
eine Reformbewegung die Lehrer Nordamerikas erfafst — nicht zu den eigen!
liehen Bahnbrechern auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Erziehung der
Mallen fich erheben.
* Unter den Wandkarten prangte eine Karte des römifchen Reiches. Dergleichen wäre
erklärlich, wenn die Sage fich bewahrheitete, dafs einem amerikanifchen Buchhändler, der für
feine Sachen keinen Raum mehr im Hauptgebäude gefunden hatte, geftattet ward, die Karten
in — dem Land-Schulhaufe auszultellen.