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Full text : Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelschule (Gruppe XXVI, Section 2 und 3), officieller Ausstellungs-Bericht

Schulbauten  und  Einrichtungen.

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doch  konnte  es  durch  die  höchft  einfachen  Vorhänge,  die  von  unten  nach  oben
bewegt  wurden,  beinahe  fo  gut,  aber  weit  wohlfeiler  regulirt  werden,  als  im  amerikanifchen
  Schulhaufe.
Die  Ventilation  ging  weit  über  das,  was  Amerika  bot,  hinaus  und  fie
erftreckte  fich  nicht  blos  auf  das  Schulzimmer,  fondern  auch  aufVorhaus,  Kleiderkammer ­
  und  Aborte.  Sie  wirkte  nicht  mit  unzureichenden  Palliativen,  fondern
fafste  die  Aufgabe  an  der  Wurzel,  indem  nicht  nur  gezeigt  wurde,  wo  und  durch
welche  einfachen  und  kräftigen  Mittel  im  Sommer,  durch  welche  anderen  Canäle
im  Winter  die  frifche  Luft  in  das  Schulzimmer  einftrömen,  fondern  auch  wie  die
verdorbene  Luft  über  das  Dach  des  Haufes  hinweggeleitet  werden  foll.
Der  Aborte  waren,  obfchon  die  Schule  nur  für  60  Kinder  beftimmt  ift,  mit
Rückficht  auf  das  Bedürfnifs  und  die  Forderungen  des  Anftandes  drei  mit  zwei
getrennten  Zugängen  für  Knaben,  für  Mädchen  und  für  kleine  Kinder.
Nicht  blos  das  war  ins  Auge  gefafst,  was  fchädliche  Einflüße  abzuhalten
beftimmt  ift  (fiehe  die  Subfellien),  fondern  auch  was  pofitiv  und  diredl  die  Gefundheit
  und  Jugendblüthe  fördern  foll  (z.  B.  Schulgarten,  Turnplätze,  Arbeitsfchule
u.  f.  w.).  Die  ärztliche  Welt  hat  auch  dem  öfterreichifchen  Schulhaufe  in  Bezug
auf  die  Schulhygiene  den  erften  Platz  eingeräumt.
In  bautechnifcher  Beziehung  hatte  diefes  Schulhaus  das  Auffallende,
dafs  das  Schulzimmer  in  das  obere  Stockwerk  verlegt  war.  Wenn  die  Frage,  ob
in  der  einclaffigen  Volksfchule  die  Lehrerwohnung  hinauf  oder  hinab  zu  verlegen
fei,  heute  noch  eine  ftrittige  ift  und  nach  Land  und  Ort  verfchieden  beantwortet
werden  dürfte,  fo  hatten  die  Erbauer  für  ihren  Vorgang  fehr  gewichtige  Gründe.
Sie  folgten  dabei  nicht  blos  dem  Volksinftinöle  vieler  öfterreichifcher  Lande,
welcher  das  Edlere  in  das  obere  Stockwerk  verfetzt.  Dem  öfterreichifchen  Landvolke ­
  follte  hier  zugleich  gezeigt  werden,  wie  man  ein  fchönes  und  zweckmäfsiges
Wohnhaus  herftellt.  Keine  Gemeinde  aber  würde  ein  fo  fchönes,  luftiges  und
geräumigesStiegenhaus  bauen,  wenn  die  Lehrerwohnung  in  den  oberen,  fchönften
Theil  des  Plaufes  verlegt  werden  follte.  Auch  find  jene  Gründe,  welche  bei  einer
grofsen  Schule  zwingen,  die  Lehrerwohnungen  in  die  oberen  Stockwerke  zu  verlegen, ­
  für  eine  kleine  Schule  faft  nicht  vorhanden.
Vergleicht  man  die  öfterreichifche  Mufterfchule  für  Landgemeinden  mit
den  übrigen  Schulhäufern  der  Weltausftellung,  fo  fpringen  überrafchende  Unterfchiede
  in  die  Augen,  welche  fich  in  Bezug  auf  Entftehung,  Zweck  und  Folgen
kund  geben.
Während  die  übrigen  Schulhäufer  Regierungsunternehmungen  bildeten,
war  die  öfterreichifche  Schule  ein  Privatunternehmen  nach  Anregung  und  Ausführung ­
  (wenn  auch  der  Staat  zuletzt  mit  Geldmitteln  unterftützend  eintrat),  eine
That  der  Gemeinnützigkeit  und  des  Patriotismus  öfterreichifcher  Bürger,  deren
Namen  zum  gröfsten  Theil  nirgends  in  die  Oeffentlichkeit  gekommen  find.  Die
anderen  Schulhäufer  waren  offenbar  von  langer  Hand  vorbereitet  und  wurden'
(wie  das  fchwedifche)  mit  dem  Aufgebote  der  beften  dem  Staate  dienftbaren
Organe  eingerichtet.  Die  Idee  der  öfterreichifchen  Schule  entfprang  im  letzten
Augenblicke,  unabhängig  von  der  Regierung,  welche  fich  jedes  Einflußes  auf  die
Geftaltung  diefer  Schule  enthielt,  wie  denn  andererfeits  in  dem  Comite  fich  kein
Volks-Schulmann  befand.  Während  die  übrigen  Schulhäufer  ein  blos  mehr  oder
minder  verfchönertes  Bild  der  Wirklichkeit  ihres  Landes  zu  bieten  bemüht  waren,
oder  wenigftens  zu  bieten  vorgaben,  wollte  das  Comite  der  Schulfreunde  einen
Ausftellungsgegenftand  fchaffen,  welcher  den  Geift  des  neuen  öfterreichifchen
Schulgefetzes  wiederfpiegelt;  aber  während  es  ein  theoretifch  geläutertes  Ideal
zu  verkörpern  fuchte,  Hellte  es  fich  zugleich  auf  einen  eminent  praktifchenBoden,
indem  es  ein  greifbares  und  in  Bezug  auf  den  Koftenpunkt  erreichbares  Mufter
hinftellte.
Während  die  übrigen  Schulhäufer  fich  doch  zunächft  damit  begnügten,
Schulzimmer,  Einrichtung  und  Lehrmittel  vorzuführen,  fich  alfo  auf  den  eigent-
            
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