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Full text : Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelschule (Gruppe XXVI, Section 2 und 3), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr.  Erasmus  Schwab.

Volksfeinde,  aus  dem  prachtvollften  nordifchen  Nadelholze  gearbeitet,  gaben
durch  ihre  freundliche,  lichte  Farbe  in  dem  architektonifch  gedachten  Schulzimmer ­
  einen  reizenden  Anblick  und  verliehen  dem  ganzen  Objedle  etwas  Vornehmes. ­
  Jedes  Subfellium  hatte  eine  fchliefsbare  Pultlade,  deren  Tafelplatte  in
die  Schreibftellung  vorzufchieben  war;  vorn  befand  fich  ein  fenkrechter  Rahmen
zum  Einfchieben  der  Schiefertafel  des  Schulkindes.  Durch  Einfchieben  eines
Stiftes  in  Löcher,  welche  die  durchbohrten  Träger  des  Sitzes  hatten,  wurde  der
Sitz  verftellbar  gemacht.  So  ungemein  anziehend  diefes  elegante  Pult  neuefter
Erfindung  war,  fo  gibt  es  doch  einiges  zu  bedenken.  Einmal  ift  der  Sitz  horizontal
und  nicht  ausgehöhlt,  fo  dafs  durch  langes  Sitzen  ein  ftarker  Druck  auf  die  Schenkel ­
  ausgeübt  wird;  dann  ift  die  Lehne  durchweg  fchräg,  nicht  gewölbt.  Eine
folche  Lehne  ift  wohl  trefflich  zum  Ausruhen  für  Erwachfene,  welche  längere
Zeit  gerade  gefeffen  find  ;  doch  bedarf  das  zarte  Rückgrat  des  Kindes  einer  belferen
Unterftützung.  Das  fühlte  man  auch  in  Schweden  und  hat  darum  eine  Art
Schlummerrolle  aus  elaftifchem  Stoffe  an  die  Lehne  gehängt,  damit  diefelbe  das
leifte,  was  fie  eben  —  nicht  vollftändig  leiftet.  Ferner  ift  die  Tafelplatte,  damit
man  in  das  Pult  gelangen  könne,  aus  zwei  Theilen  zufammengefetzt,  welche  durch
eiferne  Bänder  verbunden  find.  Die  Folge  davon  ift,  dafs,  weil  Holz-  und  Eifenverbindung
  nicht  maffiv  fein  können,  einer  der  beiden  Holztheile  mit  der  Zeit
fich  leicht  wirft,  was  auf  das  Schreiben  und  Zeichnen  Hörend  wirkt.  Endlich  ift
überall  ein  Fufsbrett  da,  was  vom  fünften  Schuljahre  an  zu  vermeiden  ift.  Ein
folches  Pult  koftet  ohne  Transport  8  fl.  50  kr.  öfterreichifcher  Währung  in
Schweden.  Andere  interelfante  Pulte  waren  von  Dr.  Sandberg  da.
Das  fchwedifche  Pult  und  der  amerikanifche  Einzelfitz,  beide  gegenwärtig
noch  nicht  weit  über  das  Experiment  hinaus,  imponirten  dem  Laien  ungemein
und  hatten  das  grofse  Verdient!,  Taufende  von  Männern  und  Frauen  zum  Nachdenken ­
  über  die  Nützlichkeit  der  Schulfubfellien  anzuregen.
Schlicht  und  anfpruchslos  gab  fich  die  Olmützer  zweifitzige  Bank
in  der  öfterreichifchen  Mufterfchule.  aus  weichem  Holz  gearbeitet  und  braun
gebeizt.  Je  9  Banknunmrern  bauten  fich  hintereinander  die  Sitze  auf;  zwifchen
den  4  Reihen  Bänke  waren  3  fchmale  Längsgänge  für  den  Lehrer  offen.  Jedes
Kind  nimmt  in  einer  folchen  Bank  einen  Eckfitz  ein  und  hat  alle  Vortheile  eines
Einzelfitzes,  ohne  dafs  es  verwöhnt  und  felbftfüchtig  wird;  das  kleinfte  Kind
hat  feinen  Sitz  und  fein  Tifchchen  fo  breit,  als  das  gröfste  in  der  letzten  Bank,
was  ein  Bild  harmonifcher  Ordnung  gibt  und  die  Bank  fehr  geeignet  zum  Zeichnen
macht.  Das  Sitzbret  ift  gehöhlt,  die  Einzeln-Kreuzlehne  gibt  eine  Unterftützung
auch  beim  Schreiben,  die  Tafelplatte  läfst  fich  leicht  in  die  Schreibeftellung  und
zurückfchieben.  Das  Fufsbret  ift  entgegen  der  Originalbank  Kunze’s  (welche
z.  B  in  der  Unterrichtsabtheilung  des  deutfchen  Reiches  als  1-,  2  ,  3,  4fitzige
Bank  ausgeftellt  war)  bei  den  Bänken  für  gröfsere  Kinder  weggefallen,  was  die
Bank  wohlfeiler  und  einfacher  machen  hilft.  Eine  folche  Bank  koftet  (in  Olrnütz)
9  fl.  oft.  W.  Sie  mufs  ftark  im  Holze  fein,  damit  fie  nicht  wackelig  werde.  Die
Olmützer  Bank  gewinnt  täglich  mehr  an  Boden;  fie  ift  bereits  in  Gemeinden
nahezu  aller  öfterreichifch-ungarifchen  Lande  eingeführt;  Modelle  wurden  nach
Deutfchland  und  der  Schweiz  begehrt.
Einigen  Aerzten  gefiel  ein  englifches  Subfellium,  nach  dem  Augenarzt
Liebreich  in  London  von  dem  Optiker  Callagham  gearbeitet,  welches  auf  eifernem
Geftelle  eine  nicht  zu  guteBank,  aber  dafür  ein  Pultbret  hat,  welches  zum  Schreiben ­
  in  einem  Winkel  von  20  Grad  gebaut  ift,  während  der  vordere  Theil  des
Tafelbretes  in  einem  ftarken  Scharnier  zurückgefchlagen  werden  kann  und  dann
ein  Lefepult  conftruirt  in  einem  Winkel  von  45  Grad  darftellt.  Diefe  maffiv
gebaute  Bank  war  fozufagen  durchfichtig,  da  vorn  kein  fenkrechtes  Pultbret
angebracht  ift.  Einer  allgemeinen  Verbreitung  ftünde  der  hohe  Preis  entgegen,
während  die  Regulirung  des  Sehwinkels  fich  lächerlich  wohlfeil  durch  eine  patentirte
  Erfindung  des  öfterreichifchen  Profeffors  Fialkowski  vornehmen  läfst.  Ein
            
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