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Full text : Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelschule (Gruppe XXVI, Section 2 und 3), officieller Ausstellungs-Bericht

Schulbauten  und  Einrichtungen.

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fpannhohes  Lefepult,  aus  einem  Stück  Pappendeckel  gefchnitten,  welches  zufammengelegt
  von  den  Kindern  in  dem  nächftbehen  Schulbuche  zur  Schule  getragen
werden  kann,  wird  nämlich  mit  einigen  Handgriffen  vorgerichtet  und  beim  Lefen
auf  das  Pultbret  gehellt.  Ein  folches  Pult  koftet  elegant  5  kr.  öfterreichifcher
Währung  (1  Silbergrofchen),  einfach  3  kr.
Einige  aus  Deutfchland  und  der  Schweiz  ausgeflellte  Bänke  enthielten ­
  im  Einzelnen  fmnreiche  Gedanken  (fo  z.  B.  hatten  einige  Bänke  ein  Pultbret, ­
  deffen  vorderer  Theil  umzufchlagen  und  unten  mit  einem  Nähkiffen  für
weibliche  Arbeiten  verfehen  war).  Doch  erfchienen  die  meiden  derfelben  fo  complicirt
  und  andere  hatten  fonfl  fo  Unpraktifches  an  fich,  dafs  ihre  Befprechung
hier  keinen  Platz  finden  kann  Die  franzöfifchen  Bänke  von  Bapteroffes
hatten  den  Nachtheil  des  fortlaufenden  Pultes  und  eines  zu  kleinen  (lfolirten)
Sitzes;  der  Sitz  war  übrigens  an  den  Boden  geichrauht  und  die  „Dirtanz“  zu
grofs.  Auch  Portugal  hatte  trotz  der  breiten  Tifchplatte  keine  Bank,  welche
als  Mufler  empfohlen  werden  könnte.  Rufsland  hatte  unter  die  Arbeiten  der
Schulwerkflatt  eines  Lehrerfeminars  in  Finnland  einige  Miniaturmodelle  von
Schulbänken  ausgeflellt,  die  ganz  gut  waren,  aber  keinen  Schlufs  auf  deren  Einführung ­
  in  die  Wirklichkeit  gehafteten.
Gönnt  man  dem  ruhigen  Urtheile  Raum,  erwägt  man  die  Kohen  der  Bank
und  bedenkt  man  die  riefige  Gröfse  der  Schulzimmer,  welche  durch  die  einfitzigen
  Pulte  bei  einer  grofsen  Schülerzahl  nothwendig  würde,  fo  hellen  fich  für
die  Schulen  Europas  die  einfitzigen  Pulte  wohl  nur  als  ein  theoretifches  Ideal
heraus.  Als  die  behen  praktifchen  Ideale  drängen  fich  aber  allmälig  die  zweifitzigen
  Bänke  auf,  welche  —  und  das  ih  mitentfcheidend  —  diefelben  Dienhe
leihen,  wie  die  einfitzigen  Pulte.  Zweifitzige  Bänke  waren  auf  der  Ausheilung
in  gröfserer  Anzahl  vorhanden,  fo  z.  B.  aus  Baiern,  Sachfen,  der  Schweiz,  Portugal ­
  u  f.  w.  Man  kann  diefelben,  wo  man  aus  Sparfamkeitsrückfichten  weder  das
Pult  beweglich  macht,  noch  bewegliche  Sitze  anbringt,  in  der  Schreibehellung
arbeiten  laffen,  das  heifst,  die  Dihanz  mufs  dann  in  Unterclaffen  minus  I  Zoll  fein
(mit  anderen  Worten,  der  Tifchrand  mufs  mindehens  1  Zoll  fein)  und  in  Oberclaffen
  gleich  Null.  Ueberdiefs  mühen  zum  Zwecke  des  befferen  Ein-  und  Austrittes ­
  alle  einander  zugewendeten  Ecken  an  Pult  und  Bank  gut  abgerundet,
müffen  die  feitlichen  Tifchhützen  hark  ausgefchweift  fein  und  mufs  endlich  die
Sitzbank  um  4  Zoll  (10  Centimeter)  kürzer  gehalten  werden  als  das  Tifchbret.
(Solche  Bänke  find  in  der  Schweiz  nicht  feiten.)
Haben  die  Bänke  jedoch  mehr  als  2  Sitze,  fo  ih  die  Bank  nur  dann  vollkommen ­
  entfprechend,  wenn  das  Pult  oder  der  Sitz  verfchiebbar  gemacht  wird.
Man  hat  wohl  auch  da  und  dort  Verfuche  angehellt,  eine  längere  Sitzbank  verfchiebbar ­
  zu  machen;  doch  waren  die  Ergebniffe  nicht  befonders  glücklich.
Bänke,  deren  Sitze  fich  zurückklappen  laffen,  wie  die  Sperrfitze  in  den
Theatern,  waren  aus  Nordamerika,  Schweden,  vom  Lehrer  Kaifer  in  München,
endlich  aus  Oeherreich  ausgehellt.
Seit  Kunze’s  Erfindung  der  getheilten  Tafelplatte  find  die  Scharniere  zum
Aufklappen  und  theilweifen  Umklappen  der  Tafelplatte  allerdings  ein  überwundener ­
  Standpunkt  geworden;  allein,  wo  ältere  mehrfitzige  Bänke  zeitgemäfs
umgehaltet  werden  follen,  dort  ih  die  Anwendung  von  Scharnieren  zum  Umklappen ­
  von  Tifch  oder  Bank  nicht  zu  umgehen.
Die  Ausheilung  hat  Subfellien  zu  Tage  gefördert,  deren  Pultbreter  ganz
zum  Hinaufklappen  waren,  oder  theilweife  zum  Umklappen  (z.  B  H  a  w  e  s  in
Norwich).  Letztere  haben  fämmtlich  das  Bedenken  wachgerufen,  dafs  die  beiden
Theile  nicht  lange  in  einer  Ebene  liegen  werden;  das  Widerfinnige  der  erheren
liegt  auf  der  Hand.
Man  hat  neueher  Zeit  Bänke  conhruirt,  deren  Theile  fich  fah  fämmtlich
mit  Schraubenvorrichtungen  bewegen  und  für  gröfsere,  wie  für  kleinere  Kinder
herrichten  laffen;  die  Erfahrung  mufs  lehren,  ob  fie  auch  Fertigkeit  behalten.
            
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