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Full text : Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelschule (Gruppe XXVI, Section 2 und 3), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr  Erasmus  Schwab.

Die  Anzahl  der  in  einer  Volksfchule  bei  achtjähriger  Schulpflicht  anzuwen
denden  Gröfsennummern  („Modelle“)  fchwankt,  wie  die  Ausftellung  zeigte,  in
verfchiedenen  Landen,  auch  wohl  je  nach  Stadt  und  Dorf,  zwifchen  3  bis  12.
Nett  und  überfichtlich  ift  es,  wenn  man  bei  allen  Bänken  eine  und  diefelbe  Dimenfion
  des  Tifches  anwendet,  fo  dafs  nur  die  Differenz,  die  Höhe  und  Tiefe  des
Sitzes,  endlich  nur  die  Höhe  und  Tiefe  der  Lehnen  verfchieden  ifl.  (Siehe
Olmützer  Bank.)
Oefterreich  hatte  zur  Ausftellung  viel  von  Bänken  eingefendet,  und  zwar
meift  Brauchbares.  Nicht  vertreten  war  die  Marburger  Schulbank  (aus  Steiermark). ­
  Sie  ift  zweifitzig  mit  einer  verfchiebbaren  Tafelplatte,  das  Sitzbrett  ift  der
Länge  nach  zweifach  gefchlitzt,  um  das  Erhitzen  der  Sitztheile  zu  vermeiden  ;  die
Lehne  ift  fortlaufend  und  hat  hinter  jedem  Sitze  eine  Aushöhlung.
Wer  die  aufserordentliche  Mannigfaltigkeit  unferer  Cultur-  und  pecuniären
Verhältniffe  im  Auge  behält,  wird  von  der  Schulbank  in  Oefterreich  Ungarn  im
Vorhinein  fagen  :  Eines  fchickt  fleh  nicht  für  Alle.*  Der  Werth  der  zweifltzigen
Bank  wird  in  Oefterreich  mit  rafchem  Blicke  erkannt  und  in  der  Praxis  wird  fleh
die  Schulbankfrage  in  Oefterreich  wohl  fo  geftalten:  1.  Gemeinden,  welche  Einficht
  und  Opferwilligkeit  befltzen,  werden  die  Kunze’fche  Bank,  in  einer  Form,
welche  der  Olmützer  Modification  entfpricht,  wählen,  alfo  zweifitzig  (und  nur  in
zwingenden  Fällen  dreifltzig)  wenn  fle  fleh  nicht  entfchliefsen,  jedem  Kinde  einen
Seffel  zum  Bankpulte  zu  ftellen.  2.  Ihnen  zunächft  ftehen  jene  Gemeinden,  welche
die  zweifitzige  Buchner’fche,  in  der  Schreibeftellung  gearbeitete,  wählen.  3.
Aermere  Gemeinden  werden  fleh  für  Bänke  mit  geringer  Diftanz  entfeheiden,  oder
mit  am  Tifchbrette  haftenden  Scharniere,  bei  welchen  beiden  Arten  von  Bänken  die
Lehne  durch  die  fchräge  Wand  des  Pultes  der  nächften  Bank  erfetzt  wird.  Wo
das  Sitzbrett  nicht  ausgehöhlt  ift,  wird  wenigftens  das  Sitzbret  vorne  abgerundet
werden  und  rückwärts  einen  Zoll  tiefer  ftehen  als  vorne.
Auch  das  Privathaus,  welches  durch  fchlechte  Arbeitstifche  und  Stühle
fleh  in  der  Regel  gegen  das  Kind  noch  mehr  verfündigt  als  die  Schule,  wird  die
wohlthätige  Rückwirkung  der  Bankreform  erfahren  und  —  wie  in  Deutfchland
und  Holland  —  für  die  Kinder  richtige  Arbeitspulte  nach  Kunze’s  Syftem  arbeiten
laffen.  Solche  Pulte  waren  bereits  in  der  Ausftellung  auch  aus  Oefterreich  vertreten. ­
  Sachfen  hatte  fle  verftellbar  eingefchickt.  (Bahfe  und  Händel.)
Andere  Subfellien.  Am  vollftändigften  war  die  Subfellienfrage  in
der  öfterreichifchen  Mufterfchule  gelöft,  welche  nicht  weniger  als  vier  Arten  der
Beftuhlung  zu  verfchiedenen  Zwecken  vorführte.  Aufser  den  Bänken  im  Schulzimmer ­
  waren  nämlich  Seffel  für  den  Lehrer  im  Schulzimmer  und  in  der  Wohnung
vorhanden;  ferner  Seffel  für  die  Mädchen  in  der  weiblichen  Arbeitsfchule,  endlich ­
  Sitze  in  der  Schulwerkftatt,  beftimmt  für  beide  Gefchlechter  der  Schulkinder.
Der  Sitz  an  dem  Seffel  des  Lehrers  war  aus  fchmalen,  von  einander
abftehenden  Leiflen  gefügt,  nicht  horizontal,  fondern  nach  rückwärts  abfallend,
die  Lehne  in  einem  Winkel  von  100  Grad  abgefchrägt.  DiefeSeffel  wurden  allgemein ­
  als  für  Erwachfene  fehr  bequem  befunden.
In  der  weiblichen  Arbeitsfchule  ftanden  Seffel  in  drei  Dimenftonen;
das  Sitzbrett  war  zweckmäfsig  durchbrochen,  die  Stützen  der  Lehne  in  einem
Winkel  von  105  Grad  gebaut  und  oben  mit  einer  nach  rückwärts  ausgebogenen
Leifte  verbunden,  fo  dafs  arbeitende  Mädchen  beim  Anlehnen  in  den  nöthigen
Paufen  behaglich  ausruhen  könnten.
Die  Seffel  in  der  Schulwerkftatt  endlich  waren  nach  dem  landläufigen
Modell  des  Schufterfchemels  gebaut,  in  drei  Dimenfionen.  Der  Sitz  war  nicht
flach,  fondern  gehöhlt,  die  Füfse  befriedigten  durch  ihre  Geftalt  den  Schönheitsflnn.

*  Die  erfle  und  noch  immer  die  einzige  auf  öfterreichifchem  Boden  gefchriebene
Monographie  über  die  Schulbank  ift  „die  Olmützer  Schulbank“  von  J.  Schober.  Wien  1873.
Pichler’fche  Buchhandlung  mit  drei  Tafeln,  Abbildungen  und  einer  Mafstabelle.  Preis
•okr.  öfterr.  Währung.
            
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