Geographifche Lehrmittel.
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Bedeutung und augenfcheinlich nur ausgeftellt, um die Maffe zu vergröfsern. Ohne,
in diefer Hinficht, nach Vollftändigkeit geftrebt zu haben, hat der Bericht fich
zunächft, namentlich bei den drei genannten Staaten, an die officiellen Normen
gehalten, als der thatfächlich in Kraft beftehenden organifchen und breiten
Grundlage für den Unterricht; fodann hob er jene Ausftellungswerke, Lehrbücher
Lefebücher etc. hervor, welche den gefetzlichen Vorfchriften und den didakti-
fchen Anforderungen mehr oder weniger entfprechen oder in irgend einer Weife
felbft über die Gegenwart hinausreichen und bereits auf jenes Ziel hinweifen,
welches die Gefetzgebung fich erft noch anzueignen hat, um die jeweiligen Fort-
fchritte der Zeit und der Wiffenfchaft zu befriedigen.
Oeft erreich.
Durch die grofsen Entdeckungen während des XV. und XVI. Jahrhunderts
war die Erde gleichfam um ihre ganze andere Hälfte weiter geworden. Damit
erwachte das Bedürfnifs, diefe epochemachenden materiellen Eroberungen auch
für den geiftigen Befitz zu erwerben und dadurch den gefammten Erdkreis nicht
blos nach feiner Quantität, fondern auch nach feiner mannigfaltigen Qualität
kennen zu lernen. Den Entdeckungsfahrten folgten die den ganzen Planeten
umfaffenden Forfchungsreifen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, an welchen
namentlich Holländer, Dänen, Engländer, Deutfche, Franzofen und Rulfen den
regften Antheil genommen haben. Die Refultate diefer Arbeiten haben den
wiffenfchaftlichen Gefichtskreis insbefondere in den verfchiedenen Zweigen des
naturhiftorifchen, des phyfikalifchen und des geographifchen Gebietes rafch
erweitert und mit wahrer Lebenskraft jenen Baum der Erkenntnifs erfüllt, welcher
fich im Verlaufe einer verhältnifsmäfsig kurzen Zeit, Dank dem Sonnenftrahle der
aus den kirchlich-politifchen Kämpfen zur Freiheit erftandenen Vernunft zu der
grofsartigen Bliithe und Fruchtfülle entfaltet hat, die wir heute mit ungetrübter
Freudigkeit des Herzens an ihm bewundern können.
Es konnte nicht verfehlen, dafs diefe Leiflungen auch in Oefterreich den
mächtigften Wiederhall fanden und zu ähnlichen Unternehmungen anregten.
Während öfterreichifche Forfcher nach fremden Ländern und Welttheilen reiften
und eine wiffenfchaftliche Expedition unter Maria Therefia nach Indien fegelte,
fehen wir daheim eine beträchtliche Anzahl von Männern, darunter folche mit
weithin bekannten Namen und bleibenden fcientififchen Verdienften damit
befchäftigt, die natürlichen Verhältniffe des Vaterlandes nach den verfchieden-
ften Richtungen zu unterfuchen. Die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts ift
reich an wiffenfchaftlichen Erfcheinungen auf dem naturkundlichen und fpeciell
auf dem geographifchen Felde in Oefterreich. Befchränkte fich die Mehrzahl der-
felben auf den öfterreichifchen Staat, ja zumeift fogar nur auf einzelne Provinzen
oder Theile derfelben, waren fie alfo überwiegend chorographifchen und topo-
graphifchen Charakters, fo haben fie gleichwohl mit nur feltenen Ausnahmen auch
innerhalb diefer engeren Rahmen fchon alle jene Gefichtspunkte berückfichtiget,
welche überhaupt bei dem damaligen Stande der allgemeinen Erdkunde verfolgt
werden konnten und, welche die Grundlagen der heutigen geographifchen
Wiffenfchaft geworden find. Sie enthalten nicht nur rein landbefchreibende,
gefchichtliche, politifche und ftatiftifche Daten, fondern auch ethnographifche,
aftronomifche, phyfikalifche, klimatologifche, pflanzengeographifche und geogno-
ftifch-geologifche Partien, welche letzteren fich auch unter der Bezeichnung „unter-
irdifche Geographie“ zufammengefafst finden. Darunter befinden fich vielfach
Abhandlungen, welche lange Zeit, theilweife fogar bis auf den heutigen Tag werth
volle Fundgruben des erd- und naturkundlichen Willens geblieben find.
Eine folche Regfamkeit des geiftigen Strebens und Schaffens, begleitet
von dem Auffchwunge der fchönen Literatur und der philofophifeh-humaniftifchen
Studien in und aufser Oefterreich, konnte auf den öffentlichen Unterricht um fo