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Full text: Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelschule (Gruppe XXVI, Section 2 und 3), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr. R. Perkmann. 
weniger ohne günftigen Einflufs fein, als alle darauf hinzielenden Bemühungen 
der wärmltenSympathien und der kräftigftenUnterftützung feitens der damaligen 
Regierung ficher fein durften. In der That wurde fchon in den erften Jahren der 
Regierung der Kaiferin MariaTherefia eine zeitgemäfse Organifation des gefamm- 
ten Schul- und Studienwefens in Angriff genommen. Welchen Aufblühens dasfelbe 
fähig war, wenn ihm die volle Freiheit einer natürlichen Entwicklung gegeben 
und auch gelaffen wurde, davon hat die medicinifche Wiffenfchaft und der Weltruf, 
deffen fich „die Wiener Schule“ feither zu rühmen berechtigt war, den glänzend- 
ften Beweis geliefert. Allein die übrigen Zweige und Abtheilungen des öffent 
lichen Unterrichtes hatten fich nicht lange jener Unabhängigkeit von culturfeind- 
lichen Elementen zu erfreuen, welche unbedingt nothwendig ift, wenn das geiftige 
und mit diefem auch das wahrhaft fittliche Leben eines Volkes wirklich gedeihen 
foll. Die verfchiedenen Verfuche und Vorfchläge, welche wiederholt von tüchtigen 
und vorurteilsfreien Männern gemacht wurden und die ganz geeignet fchier.en, 
den Anforderungen derZeit und des jeweiligen Standes der Wiffenfchaft zu ent- 
fprechen, fie fcheiterten jedesmal, früher oder fpäter an den offenen und geheimen 
Machinationen der Gegner einer vernunftgemäßen Erziehung des ganzen Volkes 
und einer wiffenfchaftlichen Bildung der Einzelnen. Nach allen den „Reforme n“, 
„R e v i fi on e n“ und „Reorganifationen“ oder wie die Entwürfe zur Hebung 
der Schule in Oefferreich geheifsen haben, war es fchliefslich immer nur die 
„Reaction“, welche zuletzt das Feld behauptet hat. Erft unfere Zeit verfpricht 
ihren eigenen, befferen Schöpfungen und Einrichtungen auf dem Gebiete des 
Unterrichtswefens auch dauernden Be ft and und ftetigen Fortfehritt. 
Durch die Schulordnung vom 1747 wurde die Geographie in den Unter 
richtsplan der Gymnafien aufgenommen. Sie follte urfprünglich nur in einem 
Curfe, in der „Poefie“ und da nur in Form einer „Synopfis“ gelehrt und gelernt 
werden, erhielt jedoch bald gebührende Erweiterungen Die allgemeine Schul 
ordnung vom Jahre 1774 beftimmte ferner, dafs auch in den Normal- und Haupt- 
fchulen „Etwas aus der Naturgefchichte und aus der Erdbefchreibung, 
befonders in Hinficht auf das Vaterland gelernt werden foll“. 
Von dem Geifte des therefianifch jofephinifchen Zeitalters durchweht war 
auch der Unterrichtsplan, welchen der Lehrer am Piariftengymnafium zu Wien, 
Pater F. J. Lang, noch im letzten Decennium des vorigen Jahrhundertes ausgear 
beitet hat. Ungeachtet einzelner Mängel, welche ihm anhafteten, bezeichnete 
diefer Entwurf einen wefentlichen Fortfehritt gegen früher und ein ernftliches 
Betreten des richtigen Weges, welcher, mit Fettigkeit eingehalten, zu ganz anderen 
Refultaten hätte führen müffen, als es auf der fpäter wirklich eingefchlagenen 
Bahn möglich fein konnte. Zeigt Pater Lang in der Gliederung des Gegenftandes 
eine gründliche, wiffenfchaftliche Beherrf hung des ganzen Lehrftoffes, fo bekundet 
er in der methodifchen Behandlung desfelben eine reiche didaktifche Erfahrung 
und den klaren Blick des tüchtigen Schulmannes. Er verlangt für die Geographie 
eine fe 1 b ft ft ä n d i g e Stellung neben den anderen Disciplinen des Gymnafiums 
und ftellt als Grundlage für alle ihre Zweige den p h y f i k a 1 i f c h e n Tlieil auf, 
Principien, welche die geographifche Wiffenfchaft heute mit nur noch ftärkerem 
Nachdrucke geltend macht, ohne dafs diefelbea bis jetzt fchon vollftändig und 
überall in die Praxis des Unterrichtes eingeführt wären. 
Die Zeitperiode, welche die für die Ausführung des Lang’fchen Planes 
nöthigen und günftigen Elemente in fich trug, war bereits abgelaufen und hatte 
die Geiftesrichtung in Oefterreich fich mittlerweile vom Grunde aus geändert. 
Nachdem er durch volle zehn Jahre imSchoofse einer eigens eingefetzten Studien- 
Rcvifionscommiffion geruht hatte, kam er im Jahre 1805 nach einfehneidenden 
Modificationen und Verftümmelungen wieder an das Tageslicht und wurde in 
diefer verkümmerten Geftalt fandtionirt. 
Wenn es möglich war, den Unterricht in der Geographie an den öfter- 
reichifchen Lehranftalten noch tiefer hinabzudrücken, fo gefchah diefs durch den
	        
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