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Dr. R Perkmann.
hung und Ergänzung der auf unferem Planeten befindlichen
Körper dargelegt werden foll. Es find hiebei vornehmlich die Wir
kungen des Waffers in geologifcher Hinficht zu berückfichtigen, und ift die
Architektonik der Erdrinde, die geologifche Entwicklung des Erdkörpers und
die geographifche Verbreitung der Pflanzen und Thiere darzulegen.“ Nach dem
fpeciellen Lehrplane wird in der vierten Claffe, bei zwei wöchentlichen Unter-
richtsftunden, vorgetragen: Allgemeine Begriffe der Geologie. Verbreitung
der Thiere und Pflanzen mit Rücklicht auf die phyfikalifchen Lebensbedin
gungen.
Endlich beflimmt die Verordnung, dafs beim Unterricht inderPhyfik
auf die Begründung der meteorologifchen Erfcheinungen und auf die mathema-
tifche Geographie überall Rückficht zu nehmen fei.
Seit der Neugeflaltung des Unterrichtswefens und feit der Aufhebung des
Schulbücherzwanges hat fleh auch bezüglich der Lehrbücher für Geographie
eine reiche Literatur in Oefterreich entfaltet. Ein Theil davon war in der Aus-
Heilung vertreten. Die Mehrzahl, namentlich die meiflen von den älteren Werken
haben fleh von einer langgewohnten Schablone noch nicht loszumachen vermocht;
fie behandeln überwiegend die choro- und topographifche Seite, wobei nicht
feiten durch eine für die betreffenden Lehrflufen zu grofse Anhäufung von Details
und flatiflifchen Daten das eigentliche Bedeutungsvolle getrübt und dasfelbe vor
den noch ungeübten Augen des Schülers durch weniger Bedeutendes in den
Hintergrund gedrängt wird. Von der vielfach noch herrfchenden Unficherheit in
der Auswahl oder von dem Mangel an geeigneten Lehrbüchern für die einzelnen
Lehrflufen mag unter Anderem als ein fprechendes Anzeichen dienen, dafs ein
bekannter, bereits in vierzehnter Auflage erfchienener „Leitfaden“ in allen Claffen
an Gymnafien und Realfchulen, aber auch an Lehrer-Bildungsanftalten und felbft
an Bürgerfchulen verwendet wird. Aehnliches war der Fall mit einem noch 1873
in einundzwanzigfler Auflage erfchienenem „Lehrbuche der Geographie“, welches
erfl jetzt mehr und mehr zurückgedrängt wird durch zeitgemäfsere Arbeiten. In
den neueren Lehrbüchern ift jedoch vielfach ein entfcheidender Fortfehritt wahr-
zunehmen, der noch um fo bedeutungsvoller erfcheint, wenn man auf die Stellung
zurückblickt, welche die Geographie und der geographifche Unterricht noch
bis vor kurzer Zeit an öfterreichifchen Lehranftalten einzunehmen verurtheilt
gewefen ift.
In den unteren Claffen der Volksfchule foll das Verftändni’fs für geographi
fche Aufgaben durch den An fc hauungsunter rieht vorbereitet werden.
In den nächften Claffen vertreten noch die Lefebücher die Stelle der eigent
lichen Lehrbücher. Die Ausflellung hat mehrere derfelben enthalten. Das
„Sprach- und Lefebuch für Volksfchulen“ vom k k. Schulbücher-
Verlag. Die zahlreichen Erzählungen von wunderbaren Dingen, welche die frü
heren officiellen Lefebücher ausfüllten, find nun gröfstentheils aus denfelben
verfchwunden und haben naturgemäfsen Darftellungen Platz gemacht. Das
angeführte Buch enthält einen eigenen Abfchnitt für einfache und kurze Schil
derungen aus der Natur- und Erdkunde; es befpricht die gewöhnlichften Erfchei
nungen des Tages und des Jahres und gibt eine gedrängte Skizze von Oefterreich-
Ungarn, von der Donau, von den Alpen, von den Gletfchern. Für jede Claffe der
Volks- und Bürgerfchule ein eigenes Lefebuch hat der Bürgerfchuldirecftor und
k. k. Volksfchul-Infpedtor in Wien, Franz Mair, herausgegeben unter dem Titel:
Lefebuch für die Volks- und Bürgerfchulen Oefterreich s. (Wien,
bei Sallmayer und Comp.) In den unteren Claffen ift das gleiche Buch für Knaben
und Mädchen; von der vierten Claffe an aber find eigene Lefebücher für die
Knaben- und eigene für die Mädchenfchule. Sie enthalten gut gewählte Lefe-
ftücke über Natur-, Länder- und Völkerkunde, mit paffenden Skizzen und mono-
graphifchen Schilderungen, wobei befonders Oefterreich, dann Deutfchland
berückfichtigt find. Ferner find Vorgelegen heben Bände des Lefebuch es