Geographifche Lehrmittel.
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leiflen fie an der Hand eines tüchtigen Lehrers in der Schule mehr, als die feinften
und genaueften Zeichnungen, die, in der Schule ausgeführt, wenn durch nichts
Anderes, fo fchon durch die lange Zeit, welche fie erfordern, ihren wahren didak-
tifchen Werth wefentlich herabftimmen. Die gröfste Verbreitung aber hat das
Lehrbuch der Geographie für höhere Unterrichtsanftalten von Dr. H.
A. Daniel und desfelben Verfaffers Leitfaden für den Unterricht in
der Geographie. Seit dem Tode des Autors beforgt die Herausgabe beider
Bücher Profeffor Dr. A. Kirchhoff. Vom „Lehrbuch- ift im Jahre 1873 die vier-
unddreifsigfle, vom „Leitfaden“ vor Kurzem die fechsundachtzigfle Auflage
erfchienen. Daniel fleht in der geographifchen Literatur durch fein grofses
W erk : Handbuch der Geographie und durch fein : D eutfchland nach
feinen phyfifchen und politifchen Verhältniffen in der vorderften
Reihe der neueren Geographen. Seine Schulbücher zeichnen fich vor vielen
anderen durch Einfachheit und durch Vermeidung des die Ueberfichtlichkeit
ftörenden Details an Zahlen und Daten aus.
Sachfen. Die Unterrichtsabtheilung des Königreiches Sachfen hat für
unfere fpecielle Aufgabe quantitativ viel weniger geboten, als die meiflen
anderen Staaten, welche überhaupt in diefer Gruppe vertreten waren; dagegen
hat die Qualität der ausgeflellten Artikel unfere Aufmerkfamkeit und unfer
Intereffe in einem Grade gefeffelt, wie diefs fonft bei keinem einzigen Lande der
Fall gewefen. Schon in der Anordnung und in der regelrechten Katalogifirung
des Materiales hat es fich muflerhaft gezeigt.
Das Königreich Sachfen, wie überhaupt die Mehrzahl der fogenannten
fächfifchen Länder, find von jeher in Bezug auf den Unterricht in gleicher Linie
neben den beften Staaten, wenn nicht vollends an der Spitze derfelben geltanden.
Die königlich fächfifche Regierung hat auch in den neueften Gefetzen und Regu
lativen, welche das öffentliche Unterrichtsleben betreffen, bewiefen, dafs fie ftets
den intellektuellen und ethifchen Forderungen der Zeit und ihrer Wiffenfchaft
gerecht zu werden verfteht.
Bezüglich der Vo 1 k sf c h u 1 e datirt das neuefte Gefetz vom 26. April 1873.
Nach demfelben umfafst diefe Kategorie von Lehranflalten : aj die einfache,
die mittlere und die höhere Volksfchule ; bJ die Fortbildttngs - (Sonntags
oder Abend-) Schule.
Zu den wefentlichen Gegenftänden des Unterrichtes in der Volksfchule
gehören unter Anderem auch: Gefchichte, Erdkunde, Naturgefchichte
und N aturl eh re. Aus einzelnen Schulprogrammen und Jahresberichten ift als
allgemeines Charakteriftikon zu entnehmen, dafs dem geographifchen Unterrichte
durch den naturgefchichtlichen vorgearbeitet werden foll, dafs ferner in
jeder Hinficht auf die Anfchau 1 i chk e it hingewirkt wird. Der geographifche
Unterricht beginnt mit: Himmelsgegenden, Auf- und Untergang der Sonne, die
verfchiedenen Geftaltungen des heimatlichen Bodens , Betrachtung des Globus,
Deutfchland und Europa im Umrifs, ausgeführte geographifche Bilder über Land
und Leute aus dem fächfifchen Vaterlande. Auf diefer Grundlage fchreitet er fort
zur Behandlung weiterer geographifcher Begriffe und der aufsereuropäifchen
Länder und hält fodann, je nach den Abftufungen der Claffen, feft an der concen-
trifchen Methode.
Die jüngfte ausführliche Lehrordnung für die Schullehrer-Semi
nare, in welchen die Volksfchul-Lehrer herangebildet werden, datirt vom 14. Juli
1873. Als Lehrziel des Seminarcurfes wird bezüglich der Geographie beftimmt:
Die Bekanntfchaft mit den Hauptlehren der phyfikalifchen und mathematifchen
Geographie, überfichtliche Kenntnifs der geographifchen Verhältniffe aller Länder,
fpeciell Europas und insbefondere Deutfchlands, fowie der mit Europa in Verkehr
flehenden Länder in völliger Unabhängigkeit von Globus und Karte.
Auf die einzelnen Claffen, beziehungsweife Gruppen, ift der Unterrichtsfloff ver