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Dr. Alois Pokorny.
aber wegen ihrer Seltenheit oder Kleinheit oder wegen der Schwierigkeit der
Aufbewahrung beim Unterrichte wenig benützt werden können. Hier hat die
Induftrie noch ein weites dankbares Gebiet zur Ausbeute, da zweifelsohne bei
dem gegenwärtigen Fortfehritte der Technik und bei hinreichender Nachfrage
die verfchiedenartigften Obj e a e der drei Reiche fich im Modell darftellen liefsen
während gegenwärtig nur verhältnifsmäfsig wenige Naturkörper, die gleichfam
von felbft zur plaftifchen Nachbildung einladen, als Anfchauungsmittel für den
Unterricht, und zwar noch in fehr befchränktem Mafse angewendet werden. Das
Materiale der Modelle richtet fich theils nach der Natur der darzuftellenden
Gegenftände, theils hängt es von der Wahl des Verfertigers ab, fo dafs Modelle
desfelben Gegenftandes aus fehr verfchiedenen Stoffen dargeftellt werden. Zur
bequemeren Ueberficht werden hier die ausgeftellten Modelle nach den drei
Hauptrichtungen des naturgefchichtlichen Unterrichtes gruppirt.
Modelle zum Unterrichte aus der Mineralogie und Geologie.
Unter diefen find die Kryftallmodelle die gewöhnlichften. Die
geometrifche Regelnaäfsigkeit diefer Körper erleichtert ihre Nachbildung. Da
nun die natürlichen Kryftalle meift nicht vollftändig ausgebildet, überdiefs in der
Regel feiten und klein find, fo find für das theoretifche Studium der Mineralogie
Kryftallmodelle äufserft erwünfeht und diefs umfomehr, als plaftifche Nachbil
dungen den Anfänger rafcher in den Stand fetzen, fich in den Kryftallgeftalten zu
orientiren, als es durch Zeichnungen möglich ift.
Bei den Kryftallmodellen fnd, wie bei den Abbildungen, zweierlei
Gefichtspunkte zu unterfcheiden. Die einen dienen hauptfächlich dem Selbft-
unterrichte; fie find daher klein, aber oft fo präcis ausgeführt, dafs fie Winkel-
meffungen geftatten. Die andere Art folcher Modelle dient zum Maffenunterrichte
in der Schule und hat daher entfprechend grofse Dimenfionen. Die Weltausftel-
lung bot verfchiedene Beifpiele von beiden.
KleineKryftallmodelle werden am gewöhnlichften aus Holz, feltener
aus Gyps, Schwefel, Maffe, Cartonpapier, Glas und dergl. dargeftellt. So befte-
chend namentlich Kryftallmodelle aus maffivem Glas (felbft Imitationen aus Berg-
kryftall kamen vor) auf den erften Blick erfcheinen, fo find fie doch in ihren Abmef-
fungen feiten fo genau als gute Holzmodelle, und die letzteren defshalb, fowie der
Billigkeit wegen vorzuziehen. Nachbildungen aus Cartonpapier eignen fich
befonders als belehrende Uebung für Schüler; ebenfo die meift ziemlich rohen
Nachbildungen aus Gyps oder anderen plaftifchen Maffen. Immer dürften aber
für den Selbftunterricht und namentlich, wo es fich umDarftellung zahlreicher und
complicirterer Formen handelt, gute Holzmodelle den Vorzug verdienen. Eine
fehr präcis und nett ausgeführte und achfengerecht aufgeftellte Sammlung folcher
Kryftallmodelle aus Birnbaumholz (120 Stück, angefertigt von Becker) hat das
Leopoldftädter Real- und Obergymnafium in Wien zur Anficht gebracht.
Ungleich wichtiger für die Schule find die grofsen Kryftallmodelle
aus Pappe (Carton), Glas oder Draht und felbft Horn. Maffive Modelle eignen
fich fchon wegen der Schwere minder ; folche Modelle müffen daher immer hohl
angefertigt werden. Das gewöhnlichfte und einfachfte Material dazu ift Pappen
deckel ; doch geben folche Modelle nur die äufsere Form, die Geftaltung und
Gruppirung der Flächen, geftatten aber keinen Einblick in die inneren Abmeffun-.
gen. Mit Recht werden daher diefe plumpen, wenig brauchbaren Modelle in
neuerer Zeit vernachläffigt, wie denn auf der Ausfüllung nur wenige Proben da
von mehr zu fehen waren. Die gröfste Sammlung brachte noch die bergaka-
demifche M i n e r a 1 i e n - N i e d e r 1 ag e in Freiburg in Sachfen. Eigen-
thtimlich waren die Kryftallmodelle aus durchfichtigem Horn mit durchgezogenen
Achfen von A. Preller, Kammmacher und Modelleur in Hof (Baiern).
Weit inftrucfiiver find die hohlen Modelle aus zufammengeklebten Glas
flächen. Die weitaus gröfste und fchönfte Sammlung diefer Art ftellte Dr. Lang-