Naturgefchichtliche Lehrmittel.
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Reihe anatomifcher Unterrichtsmodelle für Schulen vor. Für den Unterricht an
Mittelfchulen dürften fich aber doch als das hefte und b i 11 i g ft e' Lehrmittel die
bekannten vielverbreiteten Gypsmodelle empfehlen, die unter Leitung des Pro-
feffors Dr. Bock in Leipzig als plaftifch-anthropologifche Lehrmittel für Schulen
ausgegeben werden und vom Bildhauer G. Sieger in Gyps gebildet und von A
Goldfufs mit Oelfarbe gemalt find. — Specialrichtungen verfolgen die von
U. B aur aus München ausgeftellten Wachspräparate vom Pferde und die patho-
logifchen Präparate aus Papier-mache (Becken) von C. F. Fleifchmann aus
Nürnberg; defsgleichen die äufserft effe&vollen und fchönen anatomifch-chirur-
gifchen Wachsmodelle von Jules V. J. Tal rieh, anatomifchem Modelleur an der
medicinifchen Facultät in Paris.
Nicht unerwähnt kann am Schluffe bleiben, dafs in Oefterreich-Ungarn
welches in Bezug auf naturgefchichtliche Modelle auffallend hinter denLeiftungen
des Auslandes zurückbleibt, der Verfuch gemacht wurde, die plaftifch-anato-
mifchen Modelle des Menfchen durch fchichtenartig übereinander liegende flache
Zeichnungen zu erfetzen. Hieher gehört eine zerlegbare menfchliche Geftalt aus
Lifenbiech, von der Oberrealfchule in L ei tomy fehl ausgeftellt, und ein
ähnliches Modell aus Papier von Dr. L. Aränyi aus Budapeft. Doch können
diefe Flachmodelle mit den plaftifchen Darftellungen in keiner Weife wirkfam
concurriren.
Sammlungen von Naturkörpern.
So wichtige Unterftützungsmittel des naturgefchichtlichen Unterrichtes
Abbildungen und Modelle find, fo können fie doch in der Regel die Natur felbft
nicht vollftändig erfetzen. Sie werden in allen Fällen von Nutzen fein, wo es
unmöglich oder fchwer ift, die Naturkörper beim Unterrichte zu benützen, oder
wo es fich um Eigenfchaften und Verhältniffe der Naturkörper handelt, die fich
namentlich beim Maffenunterrichte an diefen nur fchwer demonftriren Iaffen. In
der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle aber wird der Lehrer dennoch es vor
ziehen, den Schüler aus unmittelbarer Anfchauung der Naturobjedle felbft feine
Kenntniffe fchöpfen und erweitern zu Iaffen, wie fchon Linnd in feinem berühm
ten Ausfpruche: „Herbarium (natura) praeftat omni icone u , die unmittelbare
Anfchauung und Unterfuchung der Naturprodukte allen künftlichenNachbildungen
mit Recht vorzog.
Der naturgefchichtliche Unterricht kann defshalb paffender Sammlungen
nicht entbehren und es werden Naturalienfammlungen von den kleinen Hand-
fammlungen für Schüler und Elementarfchulen angefangen bis zu den grofsen
Nationalmufeen aufwärts zu den wichtigften Lehrbehelfen der Naturgefchichte
gehören.
Es kann unmöglich Aufgabe des Berichtes fein, das gelammte natur-
hiftorifche Material der Weltausftellung als Lehrmittel gleichmäfsig in Betracht
zu ziehen. Die immenfen Naturfchätze, die hier als Rohprodu&e ihrer technifchen
mduftriellen und commerciellen Wichtigkeit wegen aufgefpeichert waren haben
allerdings zugleich ihre didaktifch inftruiftive Seite. Doch tritt diefe hier nicht
fo deutlich hervor, wie bei den eigentlichen naturgefchichtlichen Sammlungen,
welche behufs des Unterrichtes und des Studiums der Naturkörper eigens an
gelegt wurden. Der Bericht wird fich daher zunächft auf naturgefchichtliche
Schul- undMufealfammlungen zu befchränken haben. Unter diefen find
wieder die allgemeinen, alle drei Reiche umfaffenden Sammlungen für den erften
Elementarunterricht zu unterfcheiden von den höheren Stufen des Unterrichtes
entfprechenden Specialfammlungen, welche felbft wieder am paffendften nach
den drei Reichen unterfchieden werden können.
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