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Dr. Alois Pokorny.
Allgemeine naturgefchichtliche Schulfammlungen für den
Elementarunterricht.
Bei diefen Sammlungen handelt es lieh nicht um Reichhaltigkeit, Selten
heit oder hohen Werth der Objetfle. Im Gegentheil foll eine gute Schulfammlung
möglichfl compendiös und leicht und billig herzuflellen fein. Eine gute, den
Zwecken des Unterrichtes entfprechende Auswahl und ein wahrhaft inftrudliver
Zufland der Objedle find hier die Hauptfache; der Unterricht auf diefer Stufe
braucht daher nicht viele und feltene, aber gut gewählte und inflrudtive Natur
körper. Solche Sammlungen werden in den meiflen Fällen am bellen vom Lehrer
dem Lehrfloffe entfprechend zufammengeftellt. Hierin liegt aber eine befondere
Schwierigkeit, da nicht jeder Lehrer Gelegenheit und Gefchick dazu befitzt ;
paffende naturgefchichtliche Sammlungen für die erfle Stufe des Unterrichtes
aber noch viel zu wenig Gegenftände eines regelmäfsigen Handels find. Daher
die auffallende Erfcheinung, dafs felbfl bei genügenden Geldmitteln die Schulen
feiten mit zweckentfprechenden Naturalienfammlungen verfehen find.
In einigen Ländern hat die Unterrichtsverwaltung felbfl diefen wichtigen
Gegenfland durch Zufammenftellung und Anempfehlung geeigneter natur-
gefchichtlicher Schulfammlungen gefördert. Obenan flehen in diefer Beziehung
D e u t f c h 1 an d und einige Canto ne der Schweiz. Aber auch aus O e fl er
reich-Ungarn, Schweden und Rufsland waren bemerkenswerthe Schul
fammlungen für die unterfle Stufe des naturgefchichtlichen Unterrichtes zu fehen.
So brachte das öfterreich ifche Mullerfc hui haus einzelne kleine
Sammlungen, die beflimmten Lefeflücken des Lefebuches angepafst find und
zu deren fachlichen Erläuterung dienen. „Was man in der Kohlengrube findet“,
„wie man Eifen gewinnt“, Tableaux von Nutz- und Giftpflanzen, Zufammen-
flellungen über Haus- und Nutzthiere und deren Produkte und dergl. find dem
kindlichen Alter ganz entfprechend, da fie anregend wirken und dem Verfländniffe
der Kleinen zugänglich find. Hier fo wie in der öflerreichifchen Unterrichts-
abtheilung find befonders einige gelungene Sammlungen diefer Art vonj. Grimme,
Volksfchul-Lehrer in Baden, fo wie deffen Infedten- und Mineralienfammlungen
hervorzuheben. Einzelne öflerreichifche Lehrer traten mit fchönen Special-
fammlungen auf; fo F.Dohnal aus Zborowitz in Mähren und K. Lula aus
Wittingau in Böhmen mit Tableaux zur Seidenzucht, A. Thuma aus Chrudim
(Böhmen) mit einem Tableau zur Bienenzucht, Oberlehrer J. W eiffel aus Wien
mit fchön getrockneten Pflanzen in ihren natürlichen Farben, L. Heiden in
WienmitKäferfammlungen,TherefiaK o 1 lm ann aus LinzmitVolksfchul-Herbarien
u. f. f. Der Lehrer der evangelifchen Volksfchule in Graz F. Kubin flellte eine
Anzahl hübfeh adjuflirter Herbarien in Odtavform aus, welche von den Schülern
felbfl angelegt wurden und nebft den getrockneten Pflanzen noch die gefchriebenen
Befchreibungen derfelben enthalten. Wenn nicht hiedurch zu viel Zeit einem
doch nur befchränkten Theile des Unterrichtes gewidmet wird, fo ifl diefs dort,
wo die Umflände es erlauben, eine für die Schüler recht lehrreiche und anregende
Befchäftigung.
Das königlich ungarifche Miniflerium für Cultus und Unterricht hatte unter
den Lehrmitteln für Volks- und Bürgerfchulen auch kleine naturgefchichtliche
Schulfammlungen, als Mineralien, Herbarien und Infedlenfammlungen ausgeflellt
und auch fonfl hatten Private für diefe Stufe Proben geliefert, wie Eger in Buda-
pefl -eine Mineralienfammlung für Bürgerfchulen und F. Eberhöch aus
Koronczo die Giftpflanzen Ungarns auf Quartblättern, wobei die getrocknete
Pflanze mit einem gedruckten Text in deutfeher und ungarifcher Sprache umgeben
ifl. Der Text enthält die Merkmale der Pflanze, die Symptome der Vergiftung
und die Mittel dagegen.
Eine Anzahl origineller Tableaux für den erflen Anfchauungsunterricht,
der die naturgefchichtliche und technologifche Seite einzelner Rohprodudle ver-