Naturgefchichtliche Lehrmittel.
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Zahlreich waren die Ausfüllungen landwirtschaftlich und forftwirthfchaft-
lich nützlicher und fchädlicher Thiere. Um nur einige der hervorragendften zu
nennen, möge hier der zoologifchen Objekte im fürftlich Schwarzenberg'-
fchen Pavillon, der k. k. privilegirten ö fl e r r e i c h i fch e n Staatseifen
bahn-Gefellfchaft, der Forftakademie zu Neufladt-Eberswalde in
Preufsen, der land- und forflwirthfchaftlidien Collectivausflellung des
Königreiches Böhmen u. f. f. gedacht werden. In Bezug auflnfektenfamm-
lungen wurden jedoch alle diefe Expofitionen weit von der Ausflellung Seiner
kaiferlichen Hoheit, Erzherzog Alb recht, in der öfllichen Agriculturhalle über
troffen. Hier war nämlich die in ihrer Art einzige e n tomo 1 o gif ch - b i o 1 o-
gifche Sammlung fchädlicher und nützlicher Infekten mit besonderer Rück
licht auf Land- und Forflwirthfchaft von Friedrich A. W a c h 11 ausgeftellt, eine
Sammlung, die fchon durch ihren Umfang, vor allem aber durch die Reichhaltig
keit und Auswahl der Objekte, ihre unvergleichlich fchöne Präparirung, das
Inftruktive der Metamorphofen, Aufenthaltsorte und Frafsflücke, fowie die Eleganz
der Ausflattung imponirte.
Das grofsartigfte zoologifche Mufeum der Weltausftellung war im Pavillon
der öflerreichifchen Handelsmarine zu feilen. Hier hatte die k. k. S e eb ehö r d e
und dasMufeo civico in Trieft die Nutzprodukte des adriatifchen Meeres
und ihre Feinde in äufserft vollftändiger und wirkfamer Weife zur Anfchauung
gebiacht. Dadurch, dafs diefe Thiere insgefammt trocken, in grofser Menge und
frei ausgeftellt waren, gewann die ganze Sammlung ein hohes, belehrendes Inter-
effe für das Publicum, während einzelne Vorkommniffe und Alterszuftände auch
den b achmann befriedigen mufsten. Selbftverftändlich waren die Fifche, von den
riefigen Haififchen bis zu den winzigen Sardinen, in guten geftopften Exemplaren
vorwiegend vertreten; aber nicht weniger auffallend waren die grofsen und
kleinen Krufter, die Kopffüfsler, die Schnecken, Mufcheln, Polypen und Radiaten
des Meeres ; fchon durch ihre Maffe, durch den eigenthümlichen localen Charakter
der Meeresfauna, den diefe Sammlung fo fchlagend zum Ausdrucke brachte,
wurde fie zu einem grofsen Anziehungspunkte der Ausftellung, befonders für die
zahlreichen Befucher derfelben, die noch nie Gelegenheit hatten, einen Fifchplatz
in einer Hafenftadt zu befuchen.
Noch wäre hier das immenfe zoologifche Material, welches die Weltaus
ftellung zerftreut in einzelnen Gruppen darbot, näher zu betrachten Wie bei den
botanifchen Objekten ift es auch hier wegen Fülle des Stoffes ganz unthunlieh,
ins Detail einzugehen und es mögen einige beifpielsweife Anführungen genügen,
um die Reichhaltigkeit der Weltausftellung in diefer Richtung einigermafsen dar
zulegen. Die gröfste Menge zoologifcher Objekte war theils in der II. Gruppe
(Land- und Forflwirthfchaft), theils in denNatur und Rohprodukten ferner Länder
und Colonien enthalten. Die II. Gruppe führte Gegenftände der Viehzucht, der
Jagd und Fifcherei vor. Durch Einbeziehung der land- und forftwirthfchaftlich
nützlichen und fchädlichen Thiere wurde Gelegenheit zu kleineren und gröfseren
Sammlungen geboten, wie deren einzelne bereits angeführt wurden. Gröfsere
Sammlungen von Nutzprodukten des Fifchfanges enthielt noch der norwegifche
und nordamerikanifche Fifchereipavillon. Pelzthiere und Charakterthiere waren
in einzelnen Exemplaren mitunter in fehr natürlicher und effektvoller Haltung und
Gruppirung in den verfchiedenften Theilen der Ausftellung zu finden. Am meiften
zoologifche Ausbeute boten aber ferne Länder: Brafilien mit feiner glänzen
den, bunten Vogel- und Infektenwelt und dem darauf fich gründenden originellen
Feder-und Käferfchmuck; Indien mit den Jagdtrophäen feines Grofswildes;
das Cap land mit feinen Straufsenfedern, Büffelhörnern, Nashörnern, Elephanten-
zähnen und Giraffenknochen ; endlich Auftralien und Neufeeland mit der
ganzen Eigentümlichkeit feiner Thierwelt. Als Glanzpunkt derfelben mufs die
Ausftellung der Skelete der Riefenvögel (Moa) bezeichnet werden. Profeffor
Dr. F. v. Hochfletter in Wien beforgte die Aufftellung diefer höchft feltenen