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Oberbau.
tet hat, und der, wie bei jeder anderen grossen, werkthätigen Sache,
zuvor entflammen musste, um in plastischer Form jenes Anschau
ung»- und Erfahrungsobject zu bieten, dessen ein exactes Wissen
niemals entrathen kann.
Wenn demnach auch Deutschland durch Scheffler uns in
der Werkthätigkeit voranging, so lag dies vor Allem in der
materiellen Macht, einen Gedanken plastisch zu gestalten, beziehent
lich in dem Abgänge dieser Macht bei unseren genannten beiden
(Jollegen — den Ruhm geistigen Antheiles besitzt aber Oesterreich
trotzdem, und wie man über die Förderung der Talente bei uns
aneh denken mag, zu gleichem Maasse.
Der erste und der massgebendste Grund, weswegen wir in
Oesterreich, die wir im Baue des Semmering, des Brenner nnd der
1 usteithalbahn, wie in der Schaffung der Semmeringlocomotive
Zeugniss unserer geistigen Kraft abgelegt haben und die wir in den
Lehrmitteln des Eisenbahnwesens immer mit an der Spitze der
ganzen Genossenschaft zu marschiren g'ewohnt sind, uns diesmal
in einer wichtigen Sache etwas verspäten, dieser Grund liegt aus
schliesslich im materiellen Hemmschuhe. Der Holzreichthum
unseres Vaterlandes, also der billige Preis der Bahnschwellen (an Ort
und Stelle der Bahnanlage) einerseits — und die Armuth an geseg
netem \ orkommen von Kohle und Eisen an einer und derselben
Ei densteile, die Iransportschwierigkeiten bei uns und unsere Armuth
an materiellem Capital, also die verhältnissmässige Theuerung
des Eisens (an Ort und Stelie der Bahnanlage) andererseits,
diese Thatsachen haben bei uns noch nicht das rohe Bediirfniss,
jene Allgewalt des Wogendranges eintreten lassen, wie es nament
lich in Deutschland, in Frankreich und in Belgien schon auf-
tritt und wie es dem thatsächlichen Werden jeder grossen Sache,
dem l msatze einer Idee in die Werkthätigkeit, vorhergehen muss.
Ein zweiter Grund unserer Verspätung in der maassgebenden
Einführung eisernen Oberbaues liegt in der Thatsache, dass wir in
Berücksichtigung der finanziellen Lage unserer österreichischen
Eisenbahnen zuvor nach der zunä chst liegenden Verbesserung des
alten Oberbaues, nämlich nach der Einführung der Bessemerschiene
greifen mussten. Und dieser Zugriff, unterstützt durch die Führer
schaft eines unserer Meister, durch „Tunner“; diese richtige