Die Malerei.
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riftifchen; der „Fangetanz der Eingebornen in der dänifchen Colonie Godthaab“
von Carl Rasmuffen gehört da höchflens zu dem Abfonderlichen. Sehr anzie
hend durch ergötzlichen Humor, wie durch treffliche technifche Behandlung
waren die Genrebilder Profeffor Carl Bloch’s; zunächfl das am Kochherd einge-
fchlafene, vom Feuei-fchein beleuchtete Dienftmädchen, fein „Fifcherknabe“
und drei fehr luftige Capucinaden: „Der taube Mönch“, „der Capuciner mit
Zahnfehmerzen“ und „der Frater Küchenmeifter, der Hühner rupft“. Die Marine,
fowie die Fjord- und Küdenlandfchaft war durch C. Sörenfen, A. Melbye,
G. Libert, G. Groth, Chr. Eckardt fehr flattlich vertreten; einen Blick
in Scenerie und Volksthum von Island gewährte Profeffor H. Schiött („Ein
Sagalefer in einer isländifchen Bauernflube“, ,.Anflcht von Tingewalle“), fügte
aber freilich in dem Bilde „Braga und Idun“ etwas conventioneile nordifche
Mythologie hinzu.
Eine weitere Probe derfelben wurde uns in der fchwedifc heil Abt hei-
lung fdie nebenbei bemerkt nur 43 Bilder enthielt) gleich in grofsem Format
in M. Winge’s Gemälde „Der Kampf Thor’s mit dem Riefen** geboten. Es ift
kaum möglich, die nordifchen Götter aus den Nebeln, in die ihre Geflalten längfl
zel'floffen find, in beflimmten künftlerifch brauchbaren Umriffen wieder hervorzu
holen. Ein Verfuch diefer Art führte höchflens zu einem kalten und leeren, deco-
rativen Phantafieflücke wie eben hier. Graf Georg v. Rofen in Stockholm treibt,
wie es fcheint, mit Vorliebe fchwedifche Specialgefchichte im Bild; von ihm war
ein „König Erich XIV.“ in einer nicht klar geflellten Situation, und „Herr Thiire
Jenffon, vom Reichstage zu Wefteräs zurückkehrend.“ Pecht fall diefs in dem erft
genannten Bilde, der wahnfinnige König folle von einem Geiftlichen zur Unter
fchreibung einer Abdication genöthigt werden ; A. W. Ambros fand darin die Verwei
gerung der Unterzeichnung eines Todesurtheiles Ich habe mir weiter nicht die
Mühe einer beflimmten Anficht über die Situation des Bildes genommen; nur die
Verrücktheit des Königs, fowie die Unzuläffigkeit des fo gefafsten Moments für
die richtig erwogene künftlerifche Darfteilung möchte ich keinen Augenblick
bezweifeln. Ein Genrebild von Fagerlin, dann drei folche von Jernberg
(„Markttag“, „Vorbereitungen zum Feflmahle“, „12 Uhr“) waren von frifcher und
erfreulicher Wirkung; ein heiteres und charakteriflifches Volksbild aus heimat
lichem Land war aber insbefondere „Eine Plochzeit in Blekinge“ von Nord en-
b erg, der gleich den beiden zuletzt genannten Künfllern in Düffeldorf lebt.
Die hervorragenden Landfehafter unter den Schweden, den Genremaler
A. Ti de man d, welcher als Profeffor in Düffeldorf wirkt, dann die Landfchafts-
maler aus der norwegifchen Kunflgenoffenfchaft dafelbfl habe ich bereits an
anderer Stelle mit der Malerei des deutfehen Reiches mitbefprochen ; dorthin
gehören auch diefe Künfller nicht nur der Schule und Richtung nach, fondern
in mehreren Fällen auch durch einen langjährigen Wirkungskreis. So leben von
den 29 Malern, die zufammen mit 69 Bildern die norwegifche Abtheilung
befchickten, nur 12 in der Heimath; und zwar in Chrifliania: Eckersbero-,
v. H anno, Morten Müller, Amaldus Ni e 1 fe n , Ed. Sk a ri, J. Thurmann,
Chr. Wexelfen; in Bergen: A. A s k e w o 1 d , Frants B o e , A. Rasmuffen,
J. Lofling; inStavanger: Be netter.
In Düffeldorf verweilen allein zehn von den Norwegern, die ausgefleflt
haben: A. Tidemand, L. Munthe, N. B. Möller, A. Normann,
K. Lorck, Jacob Schive, Herrn. Schaue he, Vinc. Lerche (der das
Aquarell hiit einer Reihe trefflicher Architekturdudien aus dem Drontheimer
Dom, der Marienkirche in Bergen, dem Dom von Roeskilde u. f. w. vertrat),
Sophus Jacobfen und E. Bo dom; in Karlsruhe finden wir aufser Profeffor
II. Gude noch Johann Nielfen, Frithjof Smith, Otto Sin ding, And.
Difen; in München lebt Knud Baade, in Paris der Schlachtenmaler
P. N. Arbo. Es ergibt fich aus diefer einfachen Zufammenflellung von felbfl,
dafs wir die norwegifche Kund aufser Lande, und zwar zunächd in Düffeldorf
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