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Jofef Land.
Die Ländergrenzen find auf dem Boden der gegenwärtigen Culturwelt
nicht mehl wie im Alterthume unwegfame Gebirgszüge, Meere oder Wüften • die
Limen, welche die Diplomatie auf dem Erdglobus zieht, fallen nicht immer mit
jenen zufammen, welche einheitliche Völkerftämme oder Nationen umgrenzen;
uberdtefs umfchhefst durch den Auffchwung der Verkehrsmittel, denen kein Berg
zu hoch kein Meer zu weit ift, alle Völker das Band der geiftigen Verbrüderung
o dafs Wiffenfchaften und Kunfte heute weniger nationalpolitifchen, als vielmehr
kosmopolitifchen Intereffen zu dienen berufen find. Die Zeit ift um, in der Völker
die Kunft ihr charaktenfirendes Eigenthum nennen konnten; den Nationen der
Gegenwart fehlt dazu einerfeits jede tiefere religiöfe Begeifterung und anderer-
-eits die nothwendigeIfolirtheit. Diefes Aufgehcn in gemeinfchaftlichen Tendenzen
nahm wohl feinen Anfang fchon in der RenailTance, war aber zur Zeit noch in
Itahen, feiner Geburtsftatte, zu fehr unter dem Schirme des Katholicismus, als
dafs ein nachhaltiges Echo in den anderen Culturländern erklungen wäre: erft als
- ie geiftigen Freiheitskampfe auf deutfchem Boden fich vollzogen hatten, erft als
' 16 K “ nft . bcb den 1 erlrru ngen der Barockperiode entwand, konnte fie allerwärts
vorurtheilslofer einem gemeinfchaftlichen Ziele zufteuern.
■ i. D * e Ideenwelt ift eine gröfsere geworden; die Phantafie der Künftler ift
volle P r aU A e ?rr!- gC o^ ne Kleife g ebunden: ne ben einem Schatze glanz-
ollei Poefien fteht ihr die Gefchichte mit ihren reichen Bildern und das unmittel
bare Leben der Gegenwart zu Gebote, Motive zur Darftellung zu wählen. Das
Schaffen folgt der individuellen Infpiration; die Kunftproducfte find die reinen
Reflexe des Empfindens und die Natur, der Urquell alles Schönen, ift zum alleini
gen Vorbilde der Darftellung geworden.
Die Ku “ ft lft von diefem Standpunkte aus wohl wieder der Spiegel des
Kunft e !’r ,Ug deS f ei a alte D rS r des Manni g fa <*^ Was das Nationale in der
viimft betrifft, fo ift es mehr das Perfonliche, Individuelle des Schaffenden, welches
allerdings von Zonen und Sprachftämmen abhängt und in Bezug auf das Stoffliche
und auch auf die Formgebung gewiffe Charakteriftiken innerhalb beftimmter Terri
torien zeigt: keineswegs aber ift es von der Zukunft mehr zu erwarten, dafs irgend-
ordnen wTrd^ ausfchllefsIlch f,cb Politifchen oder religiöfen Zwecken unter-
Steuern wir alfo der vollen Freiheit in Bezug auf das Stoffliche entgegen
und fetzen als unbedingte Nothwendigkeit diefer Freiheit den Realismus in der
JiT S T e T VOraUS ’ n - ift r 65 die wichti g fte Frage für die Gegenwart, in der fich
liefe Umfchwung vollzieht; welchen Einflufs hat der Classicismus (hier in der
aftik), von dem zu Anfänge diefes Jahrhunderts ausgegangen wurde, auf diePro-
duetionen bis zur Gegenwart genommen, welcher Nachklang ift bei den Haupt-
N^tunmchT den D ? utfc J* en ' Franzofen und Italienern) in der unmittelbaren
1 w ?? T h Wahrnehmfaar ’ und welche Charakteriftiken treten in Bezug
derVorwurfe bei den einzelnen Nationen und im Allgemeinen
Qi , F*ie Weltausftellung 1873 illuftrirte in umfaffender Weife den gegenwärtigen
Stand der Anfchauungeir und die befiel,enden Tendenzen. Der Berichterftatter
iat denn feine Aufgabe von dem oben bezeichneten Standpunkte aus aufcefafst
und verflicht im Nachftehenden ein Bild des Schaffens der Gegenwart in der
Sculptur zur Beantwortung jener Fragen zu geben. Die Maffe des Vorhandenen
nefs es wohl nicht zu, bei dem gemeffenen Raume hier jedes Einzelne der Be-
prechung zu unterziehen ; es wird jedoch genügen, die wichtigften charakterifiren-
den Weike in näherer Beleuchtung hervorgehoben zu haben.
W T Forauszufchicken ift hier nur eine kurze Bemerkung über die Art und
W eife der Aufhellung der Sculpturen auf der Aufteilung felbft. Sie, als die
.delfte unter den Kunften , als die Blüthe menfchlichen Schaffens und jedweder
haugkei , die uns über das reale Alltagsgefchäft zu idealen Kreifen emporhebt,
hatte doch be, einem internationalen Fefte, wie es in nie dagewefenem Glanze