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Full text: Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Die Sculptur. 
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an der Wiener Akademie und gehört weitaus nicht zu jenen ftrengen, gegen die 
Natur unbarmherzigen Stiliften der deutfchen Schulen; leine neueren Werke 
belebt gerade im Fleifche ein ausgefprochener Realismus, der in der edlen Auf- 
faffung wohl die Antike zum Vorbilde nimmt, darunter aber das Leben der Natur 
nicht vergibt. Seine zwei ausgeftellten Reliefs „ein Centaur, wie er einen Kna 
ben Flöte blafen lehrt“ und „eine Centaurin, ein Mädchen tanzen lehrend“, 
mögen als Beftätigung des Ausgefagten dienen; auch fein reizend componirter 
„Bacchuszug“ fchliefst fich diefen Tendenzen an. 
C. Zumbufch war in der öfterreichifchen Plaftik nur mit einigen Por 
träten vertreten, darunter das des Grafen von Moltke (in Medaillonform) von 
trefflicher Wirkung. 
Von gröfseren Reliefcompofitionen war D. Wern er’s „Jagdauszug“ wohl 
das Belte unter dem Ausgeftellten. Werner ift zwar ein Hannoveraner, hat jedoch 
feine Thätigkeit nach Wien verlegt, fo dafs die Befprechung feines Werkes hier 
gerechtfertigt erfcheinen wird. Der lange Fries war auch, was bekanntlich wenigen 
Objedlen der Plaftik auf der Ausftellung zu Theil wurde, trefflich beleuchtet 
(durch Oberlicht im kleinen Eckfaale der Kunfthalle). Der figurenreiche malerifche 
Zug war in fchön abgewogene Gruppen gegliedert, die jedoch unter fich in lebens 
voller, dramatifcher Beziehung ftanden. Zeichnung und Vortrag (im griechifcheu 
Relieffchnitt) waren von mufterhafter Vollendung. 
In der Detailausführung konnten fich wohl J. Rössner’s Reliefs mit diefer 
Arbeit meffen, fo befonders, „wie Gretchen das Orakel fragt“; nur zwängte fich 
in der Compofition Manches „ins Relief“, was den natürlichen Flufs der Linien 
beeinträchtigte. 
Von monumentaler Plaftik und der Idealplaftik im grofsen Stile waren nur 
Entwürfe und Modelle in Gyps ausgeftellt. V. Pilz ift gegenwärtig für ernftere. 
gröfsere Aufgaben wohl der begabtefte unter den Plaftikern. Leider ift von feinen 
bedeutenderen Entwürfen bisher nichts zur Ausführung gekommen. Seine Skizze 
des Schwarzenberg-Reiterftandbildes, welches fchon zur Zeit der erften Con- 
currenz im Zauner’fchen Atelier als der gelungenfte unter den damals eingelaufenen 
Entwürfen bezeichnet wurde, ift es wohl trotz des Hähnel’fchen Werkes für ein 
Monument noch immer geblieben. 
In den anderen ausgeftellten Arbeiten, dem „ Auftriamonumente“, „Goethe 
und feine Zeit“, Kaifer Max“ etc. documentirte der Künftler überall feine vollfte 
Herrfchaft über die Maffen und bezeugte, dafs er oft dem complicirteften Motive 
die Tektonik des Ganzen anzuordnen verlieht. Als gewagt mufs nur die Idee mit 
den koloffalen allegorifchen Figuren an den Stufen des Piedestals bezeichnet 
werden; fie würden bei der Ausführung im Grofsen den Effedt des Hauptgegen- 
ftandes, der doch über Alles dominiren foll, gewifs im hohen Grade beein 
trächtigen. 
Weniger im Grofsartigen und EffedtWlen, dafür aber mit feinerem Gefühle 
für Linienfchönheit und anmuthvolle Würde begegnet A. Wagner in feinen 
Entwürfen. 
Wie zart der Künftler Formen zu behandeln weifs, davon gibt wohl fein 
reizendes Gänfemädchen auf dem Brunnen der Brandstätte genugfam Zeugnifs ; 
wie er Charaktere aufzufaffen verlieht — fein für das Künftlerhaus beftimmter 
„Michel Angelo“. 
Die verfchiedenen Entwürfe zu Denkmalen (Schiller, Goethe, Tegethoff) 
gehörten zu den vorzüglichften Arbeiten der Ausftellung. 
Wir fchliefsen hier die Leiftungen Pöninger’s an, unter denen das edel 
aufgefafste und bis ins Detail forgfältig durchgeführte Reiterbildnifs des Herzogs 
Carl Wilhelm von Braunfchweig als das gelungenfte Werk zu bezeichnen ift. 
Pöninger war lange Zeit in Fernkorn’s Atelier thätig und nachmals alleiniger 
Leiter der k. k. Erzgiefserei und ift fchon manches treffliche Werk aus feinen 
Händen hervorgegangen. 
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