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Full text: Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

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Jofef Langl. 
Giebelfiguren der Mafchinenhalle, „Zeus, Aeolus, Pluto und Neptun“ von J. Sil 
bernagel ausgeführt. 
Von ungarifcher Plaftik, wenn überhaupt davon die Rede fein darf, mögen 
nur die Arbeiten J. Engel’s Erwähnung finden und darunter die Gruppe 
„Achilles und Penthefilea“ (in der Rotunde) als Beftes und in der Compofition 
als gelungen bezeichnet werden ; die Arbeiten, die in der Kunfthalle etc. aus 
geftellt waren, boten wohl wenig des Bemerkenswerthen. 
Die franzöfifche Sculptur. 
Es ift eine auffallende Erfcheinung, dafs fich in der franzöfifchen Plaftik 
der Umfchwung zum Realismus keineswegs in fo fchlagender Weife vollzog als 
in der Malerei, und dafs felbft bis heute noch die meiften Bildner der idealen 
Formgebung mit Vorliebe ergeben find, obfchon fie in ihren Vorwürfen weniger 
den hohen Ernft der Antike anftreben, fondern einerfeits mehr das Naive, Rei 
zende — andererfeits aber das Effe&volle, Auffallende auffuchen. Mit Bofio, dem 
Zeitgenoffen Canova’s, trat die Sculptur in Frankreich aus der wüften Zeit des 
Rococo in ein edleres Gewand und fuchte in dem Anlehnen an die Antike den 
Formen mafsvollere Eleganz abzugewinnen und der Compofition beflimmte 
Schönheitsprincipien zu Grunde zu legen. Bofio’s Einfiufs auf feine Zeit war von 
hoher Bedeutung; ein anfehnlicher Schülerkreis führte die Idealrichtung fort, die 
wohl bei dem Genfer James Pradier befonders in der Darftellung weiblicher 
Schönheit ihren gefeiertften Vertreter fand. Pradier’s Geftalten, wie „die 
leichte Dichtung“, „der Frühling“ etc., wanderten in zahllofer Vervielfältigung 
durch die Welt und verbreiteten den Ruhm des Meifters auch aufserhalb des 
Landes feiner Thätigkeit; noch auf der Weltausftellung 1873 begegneten uns an 
zahlreichen Orten (befonders bei den Erzgiefsern) feine poefievollen, edlen 
Figuren. 
In Jean Pierre David d’Angers und feiner Schule brach fich dann zuerft 
der Realismus Bahn; die Feffeln der antiken Formgebung wurden mit aller Ent- 
fchiedenheit abgeworfen, es wurde zum wirklichen Leben, zurNatur zurückgekehrt. 
Das Auftreten des Realismus in der Sculptur war aber weit weniger 
oppofitionell als in der Malerei, wo durch Courbet Delacroix, Delaroche etc. 
ein hitziger Parteikampf mit den Vertretern der älteren Richtung eines David, 
Ingres etc. heraufbefchworen ward. 
Es dürfte kaum ein zweiter Künftler David (d’Angers) an Vielfeitigkeit 
der Schöpfuugsgabe und an Produdtionskraft zur Seite zu Hellen fein. Auf allen 
Gebieten der Darftellung: der Gefchichte, des Religiöfen, der Allegorie, fowie 
im Porträte begegnen wir ihn in gleicher Höhe der Vollendung und finden 
uns ftets von der Wahrheit des vorgeführten Gegenftandes gefeffelt; freilich 
kümmerte er fich oft wenig um die Grenzen des Plaftifchen und griff nicht feiten 
übermüthig nach Effectmitteln, die fich der Wefenheit der Sculptur nicht mehr 
unterordneten — fo befonders in feinen Reliefcompofitionen — immerhin aber 
war feine reiche Thätigkeit (bis 1855) für die gegenwärtige franzöfifche Plaftik 
von höchfter Bedeutung. Seine Nachfolger kehrten zwar mehr oder minder 
wieder zur idealen Formgebung zurück, aber die Geftaltung war durch das 
Berückfichtigen der feineren Affedte, die einmal der Natur entlehnt in der Plaftik 
Eingang gefunden hatten, aus den trockenen Schemen und der Hohlheit der 
früheren Afterclaflicität herausgetreten und der Reiz des Lebens pulfirte wieder 
in den Formen. 
Wohl ift aber zu beachten, dafs felbft dort, wo die franzöfifche Plaftik im 
reinften Realismus auftritt, fie nie in den Vorwürfen trivial wie bei den Italienern 
wird; eines gewiffen Adels entbehrt fie felbft in der Darftellung mehr genre- 
hafter Sujets nicht, und darf wohl nur anDuret’s, Rude’s, Hebert’s und 
J ouffroy’s Geftalten erinnert werden, um diefs beftätigt zu finden.
	        
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