18
Jofef Langl.
Giebelfiguren der Mafchinenhalle, „Zeus, Aeolus, Pluto und Neptun“ von J. Sil
bernagel ausgeführt.
Von ungarifcher Plaftik, wenn überhaupt davon die Rede fein darf, mögen
nur die Arbeiten J. Engel’s Erwähnung finden und darunter die Gruppe
„Achilles und Penthefilea“ (in der Rotunde) als Beftes und in der Compofition
als gelungen bezeichnet werden ; die Arbeiten, die in der Kunfthalle etc. aus
geftellt waren, boten wohl wenig des Bemerkenswerthen.
Die franzöfifche Sculptur.
Es ift eine auffallende Erfcheinung, dafs fich in der franzöfifchen Plaftik
der Umfchwung zum Realismus keineswegs in fo fchlagender Weife vollzog als
in der Malerei, und dafs felbft bis heute noch die meiften Bildner der idealen
Formgebung mit Vorliebe ergeben find, obfchon fie in ihren Vorwürfen weniger
den hohen Ernft der Antike anftreben, fondern einerfeits mehr das Naive, Rei
zende — andererfeits aber das Effe&volle, Auffallende auffuchen. Mit Bofio, dem
Zeitgenoffen Canova’s, trat die Sculptur in Frankreich aus der wüften Zeit des
Rococo in ein edleres Gewand und fuchte in dem Anlehnen an die Antike den
Formen mafsvollere Eleganz abzugewinnen und der Compofition beflimmte
Schönheitsprincipien zu Grunde zu legen. Bofio’s Einfiufs auf feine Zeit war von
hoher Bedeutung; ein anfehnlicher Schülerkreis führte die Idealrichtung fort, die
wohl bei dem Genfer James Pradier befonders in der Darftellung weiblicher
Schönheit ihren gefeiertften Vertreter fand. Pradier’s Geftalten, wie „die
leichte Dichtung“, „der Frühling“ etc., wanderten in zahllofer Vervielfältigung
durch die Welt und verbreiteten den Ruhm des Meifters auch aufserhalb des
Landes feiner Thätigkeit; noch auf der Weltausftellung 1873 begegneten uns an
zahlreichen Orten (befonders bei den Erzgiefsern) feine poefievollen, edlen
Figuren.
In Jean Pierre David d’Angers und feiner Schule brach fich dann zuerft
der Realismus Bahn; die Feffeln der antiken Formgebung wurden mit aller Ent-
fchiedenheit abgeworfen, es wurde zum wirklichen Leben, zurNatur zurückgekehrt.
Das Auftreten des Realismus in der Sculptur war aber weit weniger
oppofitionell als in der Malerei, wo durch Courbet Delacroix, Delaroche etc.
ein hitziger Parteikampf mit den Vertretern der älteren Richtung eines David,
Ingres etc. heraufbefchworen ward.
Es dürfte kaum ein zweiter Künftler David (d’Angers) an Vielfeitigkeit
der Schöpfuugsgabe und an Produdtionskraft zur Seite zu Hellen fein. Auf allen
Gebieten der Darftellung: der Gefchichte, des Religiöfen, der Allegorie, fowie
im Porträte begegnen wir ihn in gleicher Höhe der Vollendung und finden
uns ftets von der Wahrheit des vorgeführten Gegenftandes gefeffelt; freilich
kümmerte er fich oft wenig um die Grenzen des Plaftifchen und griff nicht feiten
übermüthig nach Effectmitteln, die fich der Wefenheit der Sculptur nicht mehr
unterordneten — fo befonders in feinen Reliefcompofitionen — immerhin aber
war feine reiche Thätigkeit (bis 1855) für die gegenwärtige franzöfifche Plaftik
von höchfter Bedeutung. Seine Nachfolger kehrten zwar mehr oder minder
wieder zur idealen Formgebung zurück, aber die Geftaltung war durch das
Berückfichtigen der feineren Affedte, die einmal der Natur entlehnt in der Plaftik
Eingang gefunden hatten, aus den trockenen Schemen und der Hohlheit der
früheren Afterclaflicität herausgetreten und der Reiz des Lebens pulfirte wieder
in den Formen.
Wohl ift aber zu beachten, dafs felbft dort, wo die franzöfifche Plaftik im
reinften Realismus auftritt, fie nie in den Vorwürfen trivial wie bei den Italienern
wird; eines gewiffen Adels entbehrt fie felbft in der Darftellung mehr genre-
hafter Sujets nicht, und darf wohl nur anDuret’s, Rude’s, Hebert’s und
J ouffroy’s Geftalten erinnert werden, um diefs beftätigt zu finden.