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Full text : Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Die  Sculptur.

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Die  Barockzeit,  fo  fehr  fie  feit  den  Reformbeftrebungen  in  der  Kunfl  als
vergangen  zu  betrachten  ift,  klingt  denn  doch  noch  bei  einigen  franzöfifchen
Plaftikern  hie  und  da  in  deren  Werken  nach  und  erinnerte  darunter  der  begabte
J.  C1  e  fin  g  e  r  in  feinen  Marmorarbeiten  vielleicht  am  lebhafteren  an  den  Gefchmack
Ludwigs  XIV.  Seine  Gruppen  „Ariadne  auf  dem  Tiger“  und  „der  Raub  der  Jungfrau ­
  Europa“  fungirten  auf  der  Ausflellung  als  Spiegelbilder  der  Zeit  jener  hohlen,
nichtsfagenden  Decorationskunft.  Ungleich  anziehender  waren  dagegen  des
Kündlers  Broncen,  darunter  eine  „Tänzerin  mit  Cadagnetten“  von  leichter  graciöfer
  Bewegung  und  eleganteder  Durchführung.  Auch  feine  „Phryne  vor  dem
Areopag  hatte  bedeutende  Vorzüge.  Befondere  Erwähnung  verdienen  daran  die
an  den  Schmuckringen  angebrachten  imitirten,  von  Staig  er  in  Paris  gefchnittenen
Gemmen.
Wohl  näher  der  antiken  Formgebung,  aber  in  der  Conception  denn  doch
noch  mit  der  Geziertheit  des  vorigen  Jahrhundertes  kokettirend,  (landen  die
beiden  Bacchus-Gruppen  von  J.  Perraud  und  A.  Doublemard.  Des  letzteren ­
  „Erziehung  des  Bacchus“  —  ein  Satyr  läfst  den  jungen  Gott  des  Weines
Trauben  in  einem  Gefäfse  eintreten  —-  war  voll  des  ködlichften  Humors  ;  in  nicht
minder  heiterer  Laune  hatte  auch  Perraud  feinen  Vorwurf  aufgefafst,  wo  der
kleine  Bacchus  auf  den  Schultern  eines  Faun  fitzt  und  diefen  in  aller  Derbheit  an
feinem  langen  Ohre  zieht.
Noch  bleibt  uns  übrig,  aus  den  (Haupt-)  Sälen  der  Malerei  einige  Gruppen
zu  erwähnen,  in  welchen  den  Vorwürfen  nach  mehr  ruhiges,  tiefergreifendes
Empfinden  zum  Ausdrucke  zu  gelangen  hatte,  worin  freilich,  wie  fchon  angedeutet, ­
  die  franzöfifchen  Künftler  meid  zur  Maske  der  Antike  greifen  und  (ich  auf
die  blofse  Schönheit  der  Form  befchränken.  B.  Frifon’s  „premi&re  Impreffion“,
ein  junges  Mädchen  blickt  mit  ziemlich  unleferlichen  Gefühlen  ein  Bildnifs  an,
E.  Chatrouffe’s  „Source  et  Ruiffeau,  L.  Perrey’s  „L’innocence  et  Amour“,
Boiffeau’s  „La  fille  de  Celuta“,  um  ihr  Kind  weinend,  Barrias’  „La  fileufe
de  Megäre“  theilen  alle  die  Vorzüge  edelfler  Formvollendung,  aber  auch  jene
Nüchternheit  in  der  Gefühlsfprache.
Eine  Anzahl  hervorragender  Werke  der  franzöfifchen  Pladik  waren  in  der
nördlichen  Eingangs-Vorhalle  aufgedellt  und  infoferne  beffer  als  die  an  anderen
Orten  zu  geniefsen,  da  fie  doch  einigermafsen  ruhigeren  Hintergrund  befafsen
und  vom  Sonnenlichte  verfchont  blieben.
Die  Statue  „Mirabeau’s“  von  Trupheme  gehörte  zu  den  geidvolld  aufgefafsten
  Portraitdatuen,  die  ausgedellt  waren.  Durch  fchöne  Linien  zeichnen
fich  Trupheme’s  Werke,  die  wohl  zumeid  mehr  naiver  Natur  find,  alle  aus,  hier
offenbarte  aber  der  Kündler  auch  fein  Talent  im  Emden,  Energievollen  und
zeigte  befonders  in  der  Behandlung  derGewandung  aus  dem  vorigen  Jahrhundert,
die  für  die  Pladik  immer  etwas  Unerquickliches  bleibt,  feine  Meiderfchaft.  Von
grofsartiger  Wirkung  war  auch  Lepkre’s  „derbender  Spartaner  bei  den  1  hermopylen“
  ;  das  Zufammenbrechen  des  Heldenkörpers,  das  Schwinden  der  Kraft  war
in  dem  anatomifchen  Relief  mit  bewunderungswürdiger  Wahrheit  wiedergegeben  ;
defsgleichen  dand  der  Ausdruck  des  Kopfes  mit  dem  der  dargedellten  Momente
in  edler  Harmonie.  Minder  einheitlich  und  am  wenigden  „griechifch“  war  desfelben
  Kündlers  „Diogenes“,  der  in  feiner  affedlirten  Stellung  und  feinem  rein
gallifchen  Kopftypus  eher  an  einen  modernen  Gaukler  als  an  den  alten  Cyniker
erinnerte.
L’Hiolle’s  „Narcifs“  und  „Arion  auf  dem  Delphin“  können  in  Bezug  auf
exadle  Durchführung,  als  meiderhaft  bezeichnet  werden  ;  nur  mangelte  wieder
den  Köpfen  jedwedes  Leben;  befonders  auffallend,  ja  geradezu  enttäufchend
war  diefe  „Kälte“  im  Gefichtsausdrucke  bei  dem  in  fich  felbd  verliebten  Narcifs.
Wo  der  Kopf  nicht  fpricht,  bleibt  auch  die  Bewegung  der  Gedalt  dumm  und
mögen  die  Formen  noch  fo  virtuos  behandelt  fein;  diefem  begegneten  wir  auch
in  J.  Perraud’?  „Verzweifelndem“:  man  konnte  fich  nicht  in  diefer  Attitüde
            
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