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Jofef Langl.
den Hoffnungslofen denken, da das Gefleht gar nichts fprach ! Einen Anlauf zur
feineren Charakterifirung nahm wohl L. P e r r e y in feinem „Geizigen“, doch kam
dabei der realiftifch gehaltene Kopf wieder mit den antikifirenden Formen des
übrigen Körpers in Widerfpruch. Der Harpagon fitzt zufammengekauert auf feinen
Geldfäcken, hält einen davon feft umklammert und blickt ängftlich nach der
Ferne. Der Zufall ftellte in die unmittelbare Nähe diefer Statue A, Noel’s
Relief „La morte“. Hier begegneten wir in eipem ergreifenden Bilde dem vollen
deten Realismus. Ein verblühtes Weib liegt todt auf dem Lager dahin geftreckt,
und eine häfsliche Alte neigt fich, fie an den Armen faffend, zu ihr herab
Wohin diefs Bild gehören mag? Der Tod bedarf in der Kund verföhnender
Motive; die Erinnerung an die Vergänglichkeit foll nicht in grauenhaften oder
gar häfslichen Bildern erregt werden; in wie edlen Gedanken feierten doch die
Griechen auf ihren Stelen das Andenken des Dahingefchiedenen; lebhaft erin
nerte E. Hebert’s „L’Oracle“ (Relief) an diefe fchlichten Scenen. Von Reliefs
fei noch Soldi’s reizend componirter „Akteon“ erwähnt und von Gruppen
Conny’s „Charitö fraternelle“ ; ein gefallener Athlet wird von feinem Bruder
theilnahmsvoll unterftützt— ein an und für fich etwas trockener Vorwurf, der auch
durch die kalte antike Behandlung der Form von diefer Seite kein Intereffe bot.
Von tief ergreifendem Eindrücke war jedoch die zwifchen den Mittelpfeilern
fitzende ganz verhüllte Geflalt von Cabel. Lag fchon in der ganzen Bewegung
etwas Myftifches, Schmerzverbergendes, fo fprach aber der wahrhaft claffifch
modellirte Kopf in feinem unvergleichlichen Ausdrucke — Alles, was die
Infchrift am Sockel für Frankreich bedeutete, nämlich „1871“.
In den kleineren Sälen der franzöfifchen Abtheilung (retour vom Nord- bis
zum Mittel Haupteingange) fanden wir fogleich im erden Saale zwei reizvolle weib
liche Figürchen, die, was anmuthige Bewegung und edle, liebevolle Durchführung
anbelangt, wohl ihres Gleichen dichten; es waren diefs J, Franceschi’s „Revei!“
— ein Mädchen vom Schlafe erwachend, das in holdfeliger Unfchuld zwei kofende
Täubchen betrachtet — und eine „Mufe“ von Aizelin; letzteres Figürchen war
auch in Bronce bei B a rb e d i e na e (in der Induftriehalle) ausgedellt. Aizelin’s
zartes Gefühl für weibliche Formen zeigte fich übrigens auch in eminenter Weife
an feiner Pfyche (Hauptfaal nebenan) und feiner Amazone (nördliche Vorhalle).
Cordier’s Arbeiten, die hier in bedeutender Anzahl ausgedellt waren,
miiffen allerdings als intereffant bezeichnet werden; ob des kündlerifchen Werthes
würden wir, befonders bei feinen „ Lampadaires“, einerFellah und einer Araberin
(aus Onyx und Bronce), einiges Bedenken tragen. Cordier id der ungedüme
Realid. der mit allen Mitteln (To mit dem vereinigen verfchiedenen Materiale (auf
den Effedl losgeht, fich aber dabei oft wenig um das Exadte der Form kümmert;
feine Draperien erinnern mitunter dark an die Barockzeit. Cordier holt feine
Modelle aus aller Welt zufammen und birgt wohl jeder feiner originellen Köpfe
eine intereffante Gefchichte, welchem Umdande er auch vorzugsweife feinen
Ruhm zu verdanken hat.
Bronce in verfchiedene Patina zu legen, id in der Pladik, um die Muffen
zu fondern, ein wohlerlaubtes Effeölmittel; hatten doch die Griechen felbd den
e llen Marmor in ähnlicher Abficht mit Farbe belegt und damit ihre Sculpturen
und die Architektur zu beleben gedieht. In der franzöfifchen Bronce-Indudrie
findet neueren Datums das „Polychrome“ in der Patina wieder feine befondere
Pflege und wird mit viel Glück auch an bedeutenderen Kunftobjedten angewendet.
So treffen wir am Ausgange unferer Wanderung noch ein Werk, welches zu den
vorzüglichden Arbeiten diefer Art auf der Ausftellung gehörte, nämlich R o c h e t’s
„Caffandra“ (ausgeführt im Atelier Chriftofle). Die Tochter des Priamus ftürzt,
von Ajax verfolgt, fchutzflehend zur Bildfäule der hehren Minerva. War die
Geftalt fchon an und für fich in der energifchen Bewegung im Gegenfatze zu der
ftarren Göttin von grofsartiger Wirkung, fo wurde diefe vornehmlich durch die
Sonderung der Hauptmaffen durch Gold und Silber) in der Patina noch in bril-