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Full text: Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Die Sculptur. 
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Von belgifcher Plaftik machten lieh zunächft die Arbeiten Ch. A. F r a i k i n s 
bemerkbar. Seine Marmorgruppe „ein erftes Kind“ war mit viel Leben aufgefafst; 
nur drängte fich bei dem fchon an und für fich unplaftifchen Motive das Sinnliche 
etwas zu derb in den Vordergrund. Des Künfllers Biifte der Königin undD utr.ieux 
Bülte des Königs waren hübfeh modellirt, weiteres Intereffe boten fie nicht. 
Glänzend war von den Belgiern die Medailleurkunft in den Namen S a n d oz, Jacques 
und Charles Wiener und J. D a n f e vertreten. 
Von den Schweizer Plaltikern waren F. Schlöth aus Bafel (derzeit in Rom) 
und Rob. Dorer (Baden, Argau) mit bedeutenden Arbeiten auf der Ausltellung 
erfchienen. Von Schlöth ift zunächft das für Bafel beftimmte Jakobsdenkmal zu 
verzeichnen, welches in der Rotunde ausgeltellt war. Die fchlechte Beleuchtung, 
fowie die Hörende Umgebung vereitelten wohl einen ruhigen Totaleindruck des 
Werkes, wie es überhaupt ltets mifslich bleibt, fürs Freie beftimmte Plaftik im 
gefchloffenen Raume zu beurtheilen. 
So viel konnte jedoch wahrgenommen werden, dafs die äufserft lebendig 
componirten Figuren ihren Effedt nicht verfehlen werden; die Geftalten am 
Piedeftal dürften unferes Erachtens nur zu bewegt gehalten fein, und das Auge 
von der Hauptgeftalt, welche denn doch zunächft imponiren mufs, zu fehr ablenken. 
Ob die Wirkung nicht einheitlicher wäre, wenn die gigantifche Helvetia, flatt mit 
fliegender, in ruhiger Drapirung erfchiene, wollen wir hier blos berühren; zum 
Mindeften erreichte Dorer mit feinem „Genfer Nationaldenkmal“ in der ruhigen, 
würdevollen Auffaflung feiner Geftalten denfelben, wenn nicht noch gröfseren 
Effedt. Dorer’s Werk baute fich auch fchon vom Piedeftal an in fchöner Harmonie 
auf, und wäre dafür nur ein befferer Ort der Aufftellung (als in der Rotunde) 
wünfehenswerth gewefen. Von Schlöth ift dann noch ein Marmorrelief „Ganymed 
vom Adler in dem Olymp getragen“ als lebendig componirt und fleifsig durch 
geführt zu erwähnen; feine Marmorgruppe „Adam und Eva“ erhob fich jedoch 
nicht viel über akademifch ftilifirte Actftudien. Recht zart behandelt und gelun 
gen, in die Kreisform componirt. waren Rufs Marmorreliefs „die vier Tages 
zeiten“. 
Von Spanien, dem Heimatlande Murillo’s und Velasquez’s, wo heutzutage 
wohl die Kunft im tiefen Schlummer ruht, hatten nur zwei Bildner aus Barce 
lona, A V a 11 m i y a n a und R. N o b a s, ausgeltellt, und zwar erfterer einen fehr 
fchön gearbeiteten „Chriltus im Grabe“ (Marmor) und letzterer eine Charakter 
volle Büfte des Dichters des Don Quixote. 
Längft find die Hallen im Prater gefchloffen und in alle Welt zog wieder 
heimwärts oder ging dem Orte feiner Beftimnung zu, was fich zum internationalen 
Feite als Culturzeugnifs eingeftellt hatte. Rafch blättert die Zeit im Buche der 
Ereigniffe und fchlägt im Fluge in die Vergangenheit, was in der Zukunft verbor 
gen ruht. Manches Blatt fällt wohl der Vergeffenheit anheim, und manches erlebte 
Ereignifs ftreift fpäter in der Erinnerung nur einem Irrwifch gleich durch die 
Gedanken —werthlos dem Streben und Ringen unferes Daleins! Wohl Keinem 
von all’ den Taufenden, die im Sommer 1873 von Nah undT'ern nach den Paläften 
des Praters hinab gewandert, werden jedoch die Tage des dortigen Aufenthaltes 
fobald aus dem Gedächtniffe entfehwinden; das Riefenwerk, wie es in niedagewe- 
fener Pracht vor Augen lag, hat in feiner Grofsartigkeit und feinem Reichthume 
gewifs auf Jeden den unvergefslichften Eindruck gemacht. Theiltc fich das Intereffe 
auch zunächft in Fachgruppen und fuchte jeder vorerft das „Seine“ unter dem 
Ausgeftellten: in den Hallen der Kunft traf fich alle Welt und wird ihr Andenken 
allerorts am lebendigflen bleiben; fand doch ein Jeder in den mannigfachen 
Reflexen des Lebens und der Natur, was feinem Empfinden fympathifch war und 
die Funken wohlthuend entflammte, die das Leben fonft gebunden hält. 
Gleichgiltig wandeln wir oft an Dingen vorbei, die, von des Künftlers 
Hand dargeftellt, uns anregen und zum Nachdenken auffordern; felbft das Unbe
	        
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