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MAK

Full text : Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Dr.  Jofef  Bayer.

zunächft  mit  der  Arbeit  der  Fault,  mit  der  Handhabung  der  Ruderftange  ihre
Tage  verbringen,  ein  naiver  Idealismus  aufblitzt  und  fich  mit  unmittelbarer  finnlicher
  Gewalt  ihrer  Gemüther  bemächtigt.  Einen  nicht  fo  vollftändigen  pädagogifchen
  Erfolg  hat  fchon  jener  junge  Geiftliche  bei  feinem  Religionsunterrichte.  Es
find  freilich  lömifche  Rangen,  die  er  in  die  Lehre  nimmt;  die  heilige  Stadt
erzeugt  ein  pfiffigeres  Knabengefchlecht.  Der  erbauliche  Einflufs  des  frommen
Lehrers  reicht  nur  in  die  nächfle  Nähe;  weiter  hinten  emancipirt  fich  der  knabenhafte ­
  Muthwille  immer  ungebundener,  obgleich  man  den  Burfchen  dabei  nicht  im
Geringflen  gram  werden  kann.  Ein  Bild  von  feinflem  pfychologifchen  Reize  ift  die
Beichtfcene  in  der  Sacriftei,  wo  eine  junge  Dame  offenbar  fehr  verlegen  und  zerknirfcht
  einem  geiftlichen  Herrn  entgegentritt,  dem  diefe  Art  von  confidentiellen
Mittheilungen  aus  fchönem  Munde  nichts  Neues  zu  fein  fcheint;  eine  ganze  kleine
Gefchichte  liegt  in  dem  Bilde,  das  fo  köfllich  aus  der  Beichte  fchwatzt.  Die
„Domherren  im  Chor“,  die  eben  mit  dem  Rauchfaffe  feierlich  beräuchert  werden,
find  aber  vor  Allem  ein  Meiflerflück  feiner,  fchlau  beobachtender  Charakteriftik.
Eine  bezeichnendere  Elite  höchfl  individueller'clericaler  Cbarakterköpfe  aus  der
höheren  Hierarchie  kann  man  nicht  wieder  beifammen  fehen.  Und  bei  alledem  ift
der  Maler  keineswegs  ein  Satiriker;  die  fcharf  angefchaute  Wirklichkeit  trägt
ihre  leife  Ironie  in  fich  felbft,  welche  der  Darfteller  in  dem  fpiegeltreuen  Bilde
auffängt,  ohne  fie  mit  Abficht  zuzufchärfen.  Man  fühlt  wohl  den  leichten,  fchmunzelnden
  Zug  heraus,  mit  dem  er  feine  Geflalten  im  bezeichnenden  Momente
erfafst  und  fixirt;  aber  nirgends  überfchreitet  feine  helle  und  beftimmte  Auffaffung
die  Grenze  der  Objektivität.  Und  mit  diefer  Klarheit  und  fonnigen  Weichheit  der
malerifchen  Anfchauung  vereinigt  fich  eine  durchgebildete  Aquarelltechnik,
welche  bei  längerer  Schau  immer  neuen  Genufs  gewährt.
Neben  dem  durchaus  natürlichen  Paffiny  treten  die  forcirten,  wenn  auch
coloriftifch  fehr  verdienftlichen  Bilder  Charles-H  e  r  b  ft  h  off  e  r’s  nicht  in  das
günftigfte  Licht.  Franzöfifcher  Einflufs  ift  in  der  Wahl  und  Behandlung  der
Gegenftände,  wie  in  der  auf  einen  Ärmlichen  Farbenreiz  berechneten  Technik
wohl  zu  erkennen;  wer  aber  im  Sinne  der  Franzofen  wagt  und  fpeculirt,  mufs
noch  kühner  und  refoluter  wagen,  um  gleich  ihnen  eine  blendende  und  finnbethörende
  Wirkung  zu  erzielen.  Eine  Scene  des  tollften  religiöfen  Paroxismus,  wie
die  auf  dem  „Friedhof  von  St.  Medard  in  Paris“  darzuflellen,  ift  fchon  an  fich  ein
wunderlich  gewähltes  Thema;  zudem  erftarren  hier  die  Aeufserungen  des  feitfamen
  Wahnflnnes  in  blofse  Attitüden  bei  höchft  fauberer  coloriltifcher  Behandlung, ­
  ftatt  fich  in  ein  fmnlich  ergreifendes  Bild  von  wirklicher,  aufgewühlter
Leidenfchaftlichkeit  aufzulöfen.  Entblöfste  Brüfte,  herausgewälzte  Augen  und
halbunmögliche  Stellungen  allein  thun  es  nicht.  Die  anderen,  kleineren  Bilder,
wie  „Die  Herausforderung“,  „Eine  Plünderungsfcene“,  „Ein  Duell“  erinnern
ftark  an  die  franzöfifchen  Rococomaler;  es  find  doch  eigentlich  blofse  manierirte
  technifche  Probleme  ohne  felbftftändige  Empfindung,  die  uns  fofort  kalt
laffen.  Da  wurde  uns  denn  gleich  wieder  recht  behaglich  deutfch  zu  Muthe,
wenn  wir  neben  diefer  franzöfirenden  Experimentalmalerei  Kurzbauer’s
wohlbekanntes  Bild  „Die  ereilten  Flüchtlinge“  aus  unferer  Belvederegallerie
betrachteten;  das  ift  fo  ganz  ein  mit  liebenswürdiger  Laune  und  fchalkhafter
Beobachtung  vorgetragenes  Gefchichtchen  im  allerbeften  Sinne  des  Münchner
Genres.  Es  wäre  zu  bedauern,  wenn  die  Wiener  Genrekunft  der  Mode  und
dem  Luxus,  fowie  den  Gelüflen  reicher  Kunftliebhaber  nachziehend,  fich  ihren
deutfchen  Charaktei  entwinden  liefse,  und  auf  der  Suche  nach  dem  Pikanten
dasjenige,  was  unferer  Gemüthsart  gemafs  ift,  aus  den  Augen  verlöre.  Dann
würde  die  Nuditätenmaleiei,  die  bereits  lange  im  beften  Zuge  ift,  bei  uns
immer  mehr  um  fich  greifen,  und  jene  Bacchantin,  wie  fie  Felix  nach  franzöfifcher ­
  Manier  ins  Grüne  gebettet,  ihre  immer  zahlreichere  nackte  Camaraderie
finden;  nebenbei  würde  die  blofse  Pikanterie,  wie  in  der  Schönen,  die  „auf
gefährlichen  Wegen“  wandelt,  von  Jofef  F  u  x,  die  gefchmackvolle  breitcoloriftifche
            
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