Die Malerei.
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den Vorhang im Opernhaufe und den decorativen Entwürfen für das Palais Gutt-
niann, dann Chriftian G r i e p e n k e r 1 mit der Aquarell-Studie feines Hochzeits
zuges des Pofeidon und der Amphitrite und vier Entwürfen zu den Wandmale
reien im Sitzungsfaale zu Athen fehl- bedeutfam vertreten.
Von den älteren Meiftern, an deren Namen fich bereits ein kunfthiftorifcher
Begriff knüpft, hatte fich Ed. Steinle unter den Aquarelliften eingefunden; er
erzählte uns in feiner Weife, mit finnig feiner Auffaffung die Gefchichte des Kauf
mannes von Venedig, aber mehr als ein naiv romantifches Märchen, wie als eine
malerifche Wiedergabe des Shakefpeare’fchen Stückes.
Dem hiftorifchen Stile, weniger was den Gegenftand, als die Art der Behand
lung betrifft, gehören nun auch die grofsen Bilder von Canon an, die fich jeden
falls den hervortretendften Kunfterfcheinungen der Weltausftellung anreihten. Er
ift ein Künftler von grofser, allerdings gefuchter Eigenthümlichkeit; man merkt
bei ihm fofort die Abficht, feine Bilder gleich als Galleriewerke von der Staffelei
herabzunehmen. So tritt denn Canon gewiffermafsen in eine nachträgliche Concur
renz mit den alten Meiftern und reproducirt mit kluger Berechnung der Wirkung
ihre Technik und Manier — freilich weniger in Rückficht darauf, wie fie unter dem
Pinfel wirklich entftanden ift, als wie fie nach der Hand ausfieht. Es hat denn auch,
wie Fr. Pecht bemerkt, das Colorit feiner fämmtlichen Bilder „etwas Gläfernes und
Gelbes, als ob ein dicker, alter Firnifs auf ihnen läge“. Ich halte diefe Richtung für
bedenklich, obgleich Canon mit einer ftark ausgeprägten künftlerifchen Individua
lität für fie einfteht. Das Berte, was man von den claffifchen Schöpfungen der älteren
Malerei fagen kann, ift diefs, fie fähen aus, als wären fie heute gemalt; für zweifel
hafter halte ich den Vorzug eines modernen Werkes, von dem man behauptet, es
fähe einem, venezianifchen oder flandrifchen Bilde frappant ähnlich, bis auf die zur
Täufchung mitgehörige Umbildung des Colorits durch die Zeit. Canon fchliefst fielt
übrigens nicht nur in der Technik, in dem Streben nach Kraft und Tiefe der Farbe
(doch ohne jene feiner empfundenen Vermittlungstöne, welche immerein Geheimnifs
der originellen Meifterfchaft bleiben) gewiffen claffifchen Vorbildern an — er thut
es auch in dem künftlerifchen Gedankenzuge, in der ganzen W^eife der Compofition.
So ift denn fein grofses Bild, „die Loge des heiligen Johannes“, welches einen
Ehrenplatz im Centralfaale einnahm und nun dem Belvedere angehört, etwa in der
Weife einer Santa converfazione oder eines religiöfen Ceremonienbildes aus der
beften italienifchen Kunftzeit zurechtgedacht. Erft bei näherer Betrachtung fehen
wir, dafs das vermeintliche Altarblatt eine moderne Aufklärungs-Idee mit den
Ausdrucksmitteln der alten religiöfen Kunftconvenienz fymbolifirt. Neuen Wein
giefst man nicht in alte Schläuche — der Spruch aus dem Evangelium gilt auch
hier. Ift ein moderner Inhalt malerifch auszudrücken, fo fei auch die künftleiifche
Ausdrucksweife, die Art der Symbolik, ebenfo der technifche Vortrag ein folcher,
dafs man es fühlt, der ganze Gegenftand des Bildes fei nach Stoff und Form aus
der modernen Empfindung frifch und urfprünglich emporgeftiegen. So wie Canon
das Bild gemalt hat, macht es trotz des würdig-ernften, feierlichen Aufbaues feiner
Compofition eher den Eindruck abfichtlich geiftreicher Täufchung, gleichfam eines
rationaliftifch gefälfehten Altarblattes — es wirkt mit einem Worte nicht über
zeugend, fowie auch den einzelnen, rein figurirenden Geftalten die innere Befeelung
fehlt. Zuletzt kommt man auf die Vermuthung, der Künftler fuche zu feinen tech-
nifchen Experimenten die Stoffe, nicht umgekehrt zu den Stoffen, die ihn erfüllen,
den entfprechend technifchen Ausdruck. Sein „Rüdenmeifter“, „Der Fifchmarkt“,
der „Page“ und die „Ffüchteträgerin“, die ebenfalls ausgeftellt waren — jedes diefer
Bilder geiftreich durchftudirt und von merkwürdiger, kühner Energie der tech
nifchen Behandlung — gehören, wie die geiftlichen Herren in der Loge St. Johannis
in diefelbe Gattung der mehr künftlichen, malerifchen Probleme.
Nur im Vorübergehen kann ich hier der fehrfpärlich vertretenen Gruppe der
böhmifchen Maler gedenken, die fich im Ausftellungsgedränge fo ziemlich
verlor. Chr. Rüben hat zu feiner Zeit, als er noch Akademiediredtor in Prag war,