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Dr. Jofef Bayer.
eine gewiffe akademifche Richtung im Münchener Sinne, freilich formal-kalt und
ziemlich abgeftanden, dahin verpflanzt und diefe nicht eben fruchtbaren Einflüße
fcheinen noch immer nachzuwirken. Es hat fleh dort eine matte, hiftorifirende
Richtung feftgefetzt, die zwifchen energifchem Naturalismus und höherem Stil fo
akademifch in der Mitte hängt und fchwebt; felbft tüchtige und edel angelegte
Taiente, wie Carl Swoboda, von dem „Die befiegten Mailänder vor Kaifer Bar-
baroffa“ ausgeftellt waren, konnten fleh davon nicht recht frei machen. Einen
eigenthümlicheren Weg fchlug fpäter Jof. M. T re nk w al d ein, obgleich er aus
ähnlichen Schuleinflüffen feine künftlerifche Herkunft leitet. Sein grofses Bild:
„Leopold des Glorreichen Rückkehr vom Kreuzzuge“, welches fleh jetzt im Belve
dere befindet, hat eine Menge äufserft fein empfundener Einzelheiten, während es
auf den eigentlich hiftorifch-dramatifchen Zug, auf die zufammenfaffende Einheit des
Eindruckes faft ausdrücklich verzichtet. Es ift ein echtes Hiftorienbild der roman-
tifchen Gattung, von einer mehr in erzählender Art fleh ausbreitenden Compofltion,
diefichin derliebevollften Ausführung der einzelnen Epifoden mit finnigem Behagen
ergeht. Sonft bleibt von den Prager Malern nicht viel zu berichten. Em. Lauffer
fchlug mit dem Bilde „Graf Eberhard der Greiner, der feinen Urenkel nach der
Schlacht bei Difflingen begrüfst“ (im Kaiferpavillon ausgeftellt) in die akademifch-
hiftorifirende Hauptrichtung der Prager Schule, aber nicht ohne namhaftes Talent
und eine gewiffe Frifche und Kräftigkeit des Vortrages. Von dem der Kunft leider
durch den Tod entriffenen, trefflichen Porträtmaler Johann Brandeis fahen wir
ein vorzügliches, fcharf bezeichnetes Bildnifs. Guido Man es hat ein anziehendes
Talent fürs Genre, das fonft in der Prager Schule fehr wenig gepflegt wird; ebenfo
Vidlor B arvi tius. Jof. H e 11 ich malt nach einer langweiligen, aber erbaulichen
Schablone, die ihm für Stil gilt, religiöfe Hiftorien; etwas Aebnliches, wie diefer in
feinen Kreuzwegbildern, thut auchAnton Jedlitzka in feinen „Werken derBarm-
herzigkeit.“ Fr. Sequens (gegenwärtig in Rom) hat fleh, wie wieder feine letzte
„Verkündigung Maria’s“ zeigt, faft unrettbar in die Vorbilder Fiefole’s und der
älteren Sienefen verfchaut.
Eine ftarke Neigung zur Gefchichtsmalerei, mehr von nationalen Inftinöten,
als einem künftlerifchen Programm ausgehend, finden wir fowohl bei den Polen
als bei den Ungarn. Jene werden nicht müde, ihr politifch zerftücktes Vaterland
im Bilde wenigftens als Ganzes wieder herzuftellen, den Ruhm und die fchweren
Leidenszeiten desfelben mit aller vergegenwärtigenden Kraft der Farbe und der
ausdrucksvollen Charakteriftik neu auferftehen zu laffen; bei ihren magyarifchen
Nachbarn, deren nationale Landespolitik ebenfo in ihrem ftark ausgeprägten,
fpecial hiftorifchen Bewufstfein wurzelt, nimmt diefer Cultus der gefchichtlichen
Erinnerungen, wie eine malerifche Feftfeier der politifchen Verjüngung Ungarns,
fogar einen officiellen Charakter an: fo insbefondere in dem Compendium der
ungarifchen Gefchichte in Bildern, das Lotz und. Th an für das Treppenhaus des
Nationalmufeums entworfen haben und welches gerade von Attila bis auf Koffuth
hinabreicht. Künftlerifch fleht aber die hiftorifche Elegie der Polen jedenfalls
höher als der nationale Gefchichtspanegyricus der Magyaren, aus deffen bildlicher
Darftellung man förmlich die Eljenrufe herausfehreien hört. Wie quantitativ-ftark
aufser jenen fehr tüchtig und achtenswerth, wenn auch etwas conventionell gezeich
neten Stiegenhaus-Compofitionen die Recapitulation der Landesgefchichte in der
ungarifchen Kunft fonft noch vertreten ift, zeigt fchon ein flüchtiger Blick in den
Katalog. Da wäre z. B. das Bild : „Tölöki im Schlöffe Arva, feinen Sohn zur Flucht
drängend“ von B. Szekely; „Ladislaus Pofthumus unter Cilly’s Bevormundung“
von demfelben; „Nach der Marchfelder Schlacht“ von Moriz Than; „Die letzten
Momente der Veile Szigeth“ von Fr. Weber; „Gabriel Bethlen unter feinen
Gelehrten“ und „GeorgDozfa, der Freiheitsmärtyrer“ von V. Madaräsz. Allent
halben fehlt es da an der künftlerifchen Sichtung und Auslefe des Gegenftandes,
ebenfo an derdramatifchenConcentration des bedeutfamen Momentes. Das ftofflich-
patriotifche Intereffe ift durchaus entfeheidend: Alles erfcheint ohne Unterfchied