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Full text : Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Die  Malerei.

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niren,  wie  es  früher  bei  den  fchwächlichen  Nachzüglern  der  ftiliftifchen  Richtung
der  Brauch  war.  Einen  bezeichnendenPinfelftrich  voll  Beftimmtheit  und  deutlichei
Energie  führt  da  der  ältere  Berliner  AdolfMenzel,  immer  mit  der  Abficht  auf  das
Auszudrückende,  nicht  auf  die  finnliche  Wirkung  der  färbe.  Freilich  gibt  es  von
da  herab  auch  manche  Abftufungen  bis  ins  Trockene,  vor  dem  nur  eine  fo  bedeutende ­
  künftlerifche  Perfönlichkeit  glücklich  zu  bewahren  vermag.
Nach  diefen  allgemeinen  Bemerkungen  wäre  es  an  der  Zeit,  auf  die  ein
zelnen  Gattungen  und  die  Pflege,  deren  fie  fich  gegenwärtig  in  der  deutfchen
Malerei  erfreuen,  in  Kürze  einzugehen.
Aus  herkömmlichem  Refpebl  beginnt  man  gewöhnlich  mit  der  1  e  li  g  1  ö  e  n
Hiftorie,  die  auf  dem  geräufchvollen  Felle  der  Arbeit  und  Induftrie  freilich  ein
etwas  allzu  feierlicher  und  fremder  Galt  war.  Adalbert  Begas  aus  Beilin  biachte
„eine  Mutter  mit  demKinde“  in  edlem  claffifchen  Gefchmack  gemalt,  obgleich  dei
Madonnencharakter  da  etwas  zweifelhaft  ift;  Erich  Correns  in  München  zeigt
in  feiner  „heilige  Familie“  viel  Anmuth  und  Feinheit  der  Empfindung,  und  Cai
Müller  in  Düffeldorf  hat  in  feiner  „Ruhe  auf  der  Flucht  nach  Egypten“  die
Innigkeit  Fiefole’s  und  der  Sienefen  ohne  jede  nazarenifche  Affedlation  unfeiem
Verfländniffe  glücklich  nahe  gebracht.  Ein  jugendlicher  Johannes  der  Täufei  von
Ferdinand  Schaus  in  Berlin  erinnert  nicht  eben  zu  feinem  Schaden  ftaik  an
Murillo;  das  Bild  „Noli  me  tangere“  von  Bernhard  Plockhorft  in  Beilin,  fc  ion
von  früheren  Ausftellungen  bekannt,  ift  edel,  aber  wohl  etwas  zu  modern  empfunc  en.
Sehr  würdevoll  vertritt  das  alte  Teflament  ein  „Abraham  mit  den  drei  Engeln
von  Ne  he.  „Das  letzte  Abendmahl“  von  Eduard  von  Gebhardt  in  Düffeldoi  .
ein  fonfl  fehr  wackeres  Bild,  macht  dagegen  ganz  den  Eindruck,  als  ob  dei  Künftler
  den  hiftorifchen  Jefus  flatt  des  mythifchen  Chriftus  im  Kreife  feiner  Jüngei
hätte  malen  wollen.  Auch  diefen  ift  jeder  ideale  Reflex  benommen,  den  dei
Heiligenfehein  und  die  Tradition  über  ihre  Typen  verbreitet  hat.
Ein  Verfuch  folcher  Art,  die  heiligen  Stoffe  ins  Nüchterne  und  Reahltifche
hinüberzuführen,  nachdem  die  Kraft,  fie  in  idealem  Sinne  weiter  zu  geflalten  ausgegangen
  ift,  fcheint  mir  verfehlt.  Für  dieKunft  find  die  durch  Jahrhunderte  duichgebildeten
  Typen  des  chriftlichen  Geftaltenkreifes,  die  fortgefetzte  malenfche  Arbeit
an  diefen  Idealen,  an  der  fleh  die  gröfsten  Künftler  betheiligt  haben,  die  nachite
unleugbare  Thatfache.  Kann  man  in  diefer  Richtung  weiter  empfinden  unc  jene
Geflalten  neu  zur  Anfchauung  bringen,  nun  fo  male  man  fie  getroft  aufs  Neue  ,  wenn
nicht  —  fo  künftle  und  rücke  man  nicht  an  diefem  traditionell  gefchloffenen  x-iei  e.
Ich  fage  diefs  keineswegs  aus  religiöfem  Standpunkte,  der  mir  perfönlich  ganz  fern
fteht,  fondern  rein  in  künftlerifchem  Sinne.  Wie  fleh  das  Chriftusideal  und  dieApofteltypen
  bis  auf  Leonardo  daVinci’s  Abendmahl  und  die  Tapeten  Raphael  s  hinab
entwickelt  haben,  das  wiffen  wir  genau  :  es  find  Geftalten,  die  nicht  blos  ein  g  äu
biger  Wahn,  fondern  künftlerifche  Begeifterung  erzeugte,  Geftalten,  die,  um  ein
Goethe’fches  Wort  hier  anzuführen,  „ewig  find,  weil  fie  find*.  Von  dem  wirklichen
Jefus  und  den  wirklichen  Jüngern  haben  wir  ohne  Vermittlung  jener  Kunfttradition
abfolut  keine  plaftifche  Vorftellung  ;  die  heiligen  Gefchichten  fo  etwa  im  Sinne  des
modernen  hiftorifchen  Genres  verfinnlichen  zu  wollen,  führt  wieder  zu  einer
realiftifchen  Fidlion,  die  noch  weit  mehr  in  der  Luft  hängt,  als  alle  Heiligenmalerei ­
  felbft  mit  dem  fchwülftigften  Wolkenapparate.  Es  ift  ganz  dasfelbe,  als  ob
ein  griechifcher  Bildhauer  verflicht  hätte,  die  Götter  des  Olymps  nach  der  euhemeriftifchen
  Auffaffung  der  Mythen  als  ordinäre  Menfchen  darzuftellen.
Von  gröfserem  Intereffe,  als  wir  es  der  religiöfen  Hiftoiie  entgegen  rin
gen,  von  einem  Intereffe,  in  welches  fleh  auch  der  fcharfe  Reiz  der  Streittrage
mit  einmifcht,  ift  für  uns  allerdings  die  profane'Gefchichtsmalerei,  dei
wir  uns  jetzt  zuwenden.
Diefe  Gattung  hat  auch  fo  ihre  kleine  Gefchichte  für  fich,  namentlich  was
die  hiftorifchen  Stoffe  betrifft,  die  an  die  jeweilige  Tagesordnung  des  Malens
            
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