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Full text : Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr.  Jofef  Bayer.

in  contraflirende  Beziehung  geftellt.  Die  Compofition  des  Bildes  redet  überhaupt
keine  andere  Sprache,  als  die  des  Contraftes.  Es  ift  diefs  eines  der  wichtigften
Ausdrucksmittel  der  Kunft,  aber  er  darf  nicht  allein  für  (ich  fprechen  und  mufs  (ich
einer  höheren,  zufammenfaffenden  Wirkung  unterordnen.  Ich  habe  hier  aus
meiner  Empfindung  heraus  ziemlich  viel  gegen  das  Bild  eingewendet,  aber  doch
wird  man  mir  zugeflehen,  dafs  man  nur  mit  dem  wirklich  Hervorragenden  auch
im  Widerfpruch  fich  fo  eingehend  befchäftigt.  Es  bezeichnet  das  ungemein  wirkfame
  Bild  jedenfalls  einen  Höhepunkt  des  coloriftifchen  Vermögens  der  deutfchen
Malerei  und  hat  auch  fonft  eine  Rhythmik  der  Anordnung  und  einen  harmonifchen
P  lufs  der  Linien,  wie  man  fie  aufser  Piloty  bei  den  Meiflern  der  abfoluten  Farbe
äufserfl  feiten  zu  finden  pflegt.
Die  Stoffe  die  fonft  aus  der  römifchen  Gefchichte  gemalt  zu  werden  pflegen,  bewegen ­
  fleh  um  Nero  und  die  erftenChriften  herum.  Den  Elfteren  hat  eben  auch
Piloty  feit  jenem  bekannten  Bilde,  wo  er  ihn  nach  dem  Brande  die  Strafsen  Roms
durchfchreiten  läfst,  unferen  Ateliers  näher  gebracht  und  nun  wird  jener  höchfte
Repräfentant  des  Cäfarenwahnfinns  bald  gemalt,  bald  poetifch  dargeftellt  wie  von
Rob.  Hammerling,  bald  gefpielt  wie  von  Cav.  Roffi.  Die  auffallende  Vorliebe  für
diefe  Geftalt  ift  charakteriftifch  für  die  extravaganten  Kunftgelüfle  unferer  Zeit.
Unfere  Coloriften  verfteigen  fich  dabei  nicht  fo  hoch:  etwas  Feuersbrunft,  einige
Palaftdirnen  und  Luftknaben  und  allenfalls  ein  bischen  Feuerfchein  und  Reflexe
auf  weifsen,  üppig  nackten  Leibern  —  das  meinen  fie,  wäre  im  Ganzen  recht  gut
für  die  Farbe.  Nicht  völlig  nach  diefem  Recepte,  aber  auch  nicht  höher  gefafst  ift
der  -Nero“  von  F.  Keller  in  Carlsruhe.  Der  Tyrann  kraut  einer  vor  ihm  fitzenden ­
  Dirne  in  den  Haaren,  während  eine  andere,  hinter  ihm  ftehend,  fich  mit  den
feinigen  zu  fchaften  gibt;  fo  fchaut  er  hinaus  über  das  brennende  Rom.  Indefs
fpielt  vorn  ein  nackter  Burfche,  der  fo  beiläufig  an  den  Satyr  Periboetes  mahnt,
die  Plöte.  Im  Ganzen  ift  wohl  das  Bild  von  vortrefflicher  Haltung  und  energifch
wirkender  Farbe.  Den  elften  Chriften  wendet  fich  wieder  Alb.  B  au  er  in  Weimar
zu.  Sein  wohlbekanntes,  vorzügliches  Bild  „Chriftliche  Märtyrer  werden  von
ihren  Angehörigen  zum  Begräbnifs  abgeholt“  ift  ein  werthvoller  Befitz  der
Gallerie  von  Düffeldorf.  Es  hier  noch  näher  zu  befprechen,  wäre  überflüffig;  nur
im  rafchen  Vorübergehen  werfen  wir  noch  einen  Blick  auf  das  mildfehöne  Antlitz
des  todten  Chriftenmädchens,  das  eben  aus  der  Arena  getragen  wird,  um  deffen
beruhigte  Schmerzenszüge  ein  Himmelstraum  von  Verklärung  und  Seligkeit
fchimmert.
Die  Maler  der  Gefchichts-Anekdote  befchäftigen  fich  noch  immer  mit
Vorliebe  mit  dem  Unglücke  fürftlicher  Frauen,  fchielenaber  bei  allem  fentimentalen
Antheile  an  demfelben  zugleich  nach  der  malerifchen  Wirkung  des  Coftümes.  Wenn
P  olingsby,  ein  englifcher  Künftler  aus  der  Piloty’fchen  Schule,  eine  Johanna
Gray  mit  warmer  Empfindung  malt,  fo  mag  diefs  aus  dem  nationalen  Intereffe
gerechtfertigt  fein.  Herterich’s  „Friedrich  mit  der  gebiffenen  Wange“  ift
dagegen  ein  Anekdotenbild  im  engften  Sinne  und  findet  fich  auch  als  ein  Stück
gemalter  Plausgefchichte  der  Erneftinifchen  Linie  im  Befitze  des  Herzogs  von
Coburg.  A.  Treidler’s  „Churfürftin  Elifabeth,  die  heimlich  das  Abendmahl  in
beiden  Geftalten  nimmt“,  ein  gut  gemaltes  Bild,  führt  uns  wieder  ebenfo  in  die
brandenburgifche  Familiengefchichte  hinüber.  Seitdem  Schiller  im  „Deutfchen
Mercur“  vom  Jahre  1788  die  Hiftorie  von  dem  Frühftücke  des  Herzogs  von  Alba
auf  dem  Schlöffe  von  Rudolftadt  in  fo  lebendiger  Weife  erzählt  hat,  lugt  die
Illuftrationsmaierei  nach  diefer  Scene  aus.  Zweimal  wurde  die  entfchloffene  Gräfin
Katharina  auf  unferer  Weltausftellung  wieder  verherrlicht,  durch  Fr.  Wiedemann ­
  in  München  und  Leop.  Löffler  in  Wien.  Nur  beiläufig  erwähne  ich  —
im  Uebergang  von  dem  blofen  hiftorifchen  Anekdotenbild  zu  dem  bedeutfamer
erfafsten  gefchichtlichen  Genrebild  —  der  beiden  Darftellungen  Luther’s  in
feiner  Familie,  dann  im  Kreife  der  Reformationsgenoffen,  mit  der  Bibelüberfetzung
  befchäftigt,  von  Spangenberg  in  Berlin.  Es  find  recht  wackere,  in  der
            
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