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Full text: Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Die Malerei, 
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Fault bei den Bauern unter der Linde von Claudius Schraudolph j. in Mün 
chen; „Ueberfall Weifslingen’s durch Götz von Berlichingen“ von A. Wagner in 
München. 
Die Lifte ift kaum noch vollftändig. Wenn wir da eine Auslefe treffen, fo 
zeigen lieh da die gemalten Opernmotive als die leerften und ungünftigften ; fie 
haben den minderten geftaltbaren Fonds und fagen vielleicht defshalb den geftal- 
tungsunfähigen Malern am meiften zu: fo insbefondere die aus dem breiten 
Muhkbrei Richard Wagner’s herauffteigenden Figuren, auf die fich Th. Pixis ge 
worfen hat. Aeufserlich am wirkfamften und wohl auch am meiften lebensfähig ift 
jene Form des Illuftrationsbildes, die völlig in der genreartigen Auffaffung auf 
geht; Barth’s „Porzia und Baffanio“ gehört hieher, ein Bild, das ficli ganz in die 
Reihe des eoloriftifeh beliebten venetianifchen Coitumegenres ft eil t. Als humo 
riftifche Genrefigur mufs immer wieder der dicke Ritter Sir John herhalten , der 
nicht nur felbft witzig war, fondern auch der verfchuldende Anlafs zahllofer 
Malerwitze wurde. Grützner’s „Falftaff“ hat da alle Eigenfchaften eines popu 
lären Genrebildes, und in der Charakteriftik des Helden das richtige fchlemmer- 
hafte Behagen, während die für die Beleibtheit des Ritters fo unbehagliche Wafch 
korbsfeene bei Linde nfchmidt mehr mit geiftreichem Pinfel als mit vollem 
Humor vorgetragen ift. Zu einem altdeutfchen Genrebilde voll gemüthlichen Ge 
haltes und treffender Charakteriftik wufste Schraudolph d. j. die Bauernfcene 
aus Fauft’s Ofterfpaziergang zu beleben. Die Situation der Dichtung ift hier nur 
das anregende Motiv, das dann felbftftändig in malerifchem Sinne durchgebildet 
ift. Das ,.Gretchen M von M a x ift eine gemalte Vifion , als folche freilich viel zu 
farbendeutlich und körperlich, aber immer von ergreifendem Eindrücke. Das 
Gefpenftige liegt da im Ausdruck dem krankhaft Gequälten ziemlich nahe. Diefes 
Gretchen ift in malerifchem Sinne ganz eine Schwerter jener blinden Chriftin an 
der Pforte der Katakomben, die der Maler ebenfalls ausgeftellt hat. Uebrigens 
durchfchritt die Geftalt Gretchens faft alle Säle der Kunfthalle; feit Ary Schefer 
hat fie es der Illuftrationsluft der Maler angethan. 
Gabriel Max gefällt fich überhaupt in der Dämmerfphäre poetifcher Stirn 
mungen, mag nun die Anregung dazu literarifch entlehnt oder eine felbftftändige 
Eingebung fein. Er träumt und dichtet gern, aber doch immer als Maler, und 
wenn feine Phantafien ganz ins Bild hineinwachfen und in ihm Körper und Farbe 
bekommen, kann man fie fich wohl gefallen laffen. Ein überreizter Zug der 
Empfindung, ein Pulsfchlag der Phantafie, der nicht ganz normal ift, zeigt fich 
wohl überall; er geht den Bildern des Schmerzes, der Sehnfucht, felbft der Luft 
auf eigenen Wegen nach und verwechfelt wohl das Ungewöhnliche und Frappante 
manchmal mit dem Bedeutenden. Das Letztere hat trotz der ungeheuren Diftanz 
mit dem Alltäglichen und Gewöhnlichen das gemein, dafs es ebenfo natürlich 
und felbftverftändlich erfcheint, wenn es einmal in einem Kunftwerke erreicht und 
ausgefprochen ift. Gabriel M ax ift ein Maler der krankhaften und überreizten 
Exiftenzen, des fahlen, matten Teints, ob er fchon von frommem Martyrium oder 
der ermüdeten, weltlichen Sünde herrührt. Seine geblendete Chriftin, fein Gret 
chen mit dem Blutftreifen um den Hais, die junge, frühverblühte Dame von fehl- 
zweifelhaftem Rufe, die nach dem Balle entkleidet im fahlen Frühdämmerfchein auf 
dem Bette fitzt, gehören der malerifchen Grundftimmung nach in dasfelbe 
Gefchlecht; krank find fie eben Alle. Auch fein „Mädchen im Frühlingsgrün“ ift 
nicht gefund und felbft der Mai, der fie fproffend umgibt, fcheint uns hektifch 
angehaucht zu fein. Max ift ein bedeutendes, ernft ftrebendes Talent, aber die 
höchfte Göttergunft der Begabung, die freiathmende Gefundheit fcheint ihm nicht 
verliehen zu fein. 
Die deutfcheKunft fcheint fich deffen bewufst zu fein, dafs fie der fortgefetz 
ten Auffrifchung durch das Volksleben bedarf. Sie begibt fich auf das Land, 
wenn fie das Bedürfnifs der gründlichen Genefung fo recht dringend fühlt. Was 
die Dorfgefchichte in unferer Literatur, das ift das Bauerngenre in der modernen
	        
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