Die Malerei.
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den lieben Nummern, mit denen er vertreten war, war das früher erwähnte Bild
„Gladiateurs“ wohl das bedeutendfte und überhaupt eines der glänzendften Kunft-
werke der Weltausllellung; die Mofcheethüre in Cairo, an der die abgefchlagenen
Köpfe hingerichteter Beys gar niedlich aufgefchichtet find — abgefehen von
diefer fcheufslichen Staffage des Vordergrundes mit einem malerifch bezaubernden
Blicke in das Interieur — ill fchon von dem Salon 1866 her bekannt.
AnGerome fchliefst fich nun die ganze Gruppe derO rientmaler und Der
jenigen, die das Alterthum für Genrezwecke benützen, unmittelbar an. Theils
liehen fie unter feinem Einfluffe, theils begegnen fie ihm, wenn ihre Schulherkunft
eiwa fchon eine frühere ill, auf demfelben Wege. B oulanger geht in feinen
reizenden Genrebildern aus Pompeji (Nr. 78 und 79) n icht auf den fchärferen
Sinnenreiz los, fondern begnügt fich da mit jener coketten Grazie, die jenen fran-
zöfifchen Römerinen ganz zierlich lieht. ..Die llerbende Kleopatra“ vonGiboux
ill fchon ein älteres Bild; es gehört einfach in die Claffe der Nuditätenmalerei
mit Benützung einer bellimmten hiftorifch gegebenen Situation. Im antikifirenden
Genre- und Studienbild, treten fonll noch Alboy-Rebout (Nr. 3) und
J.Dehaufsy (Nr. 79) hinzu. Vidlor Gi r au d , ein Schüler Picot s, fchlägt mit
feinem „Sclavenhändler“ gleichwohl ganz in die Art Geröme’s. Das in Frankreich
vielfach gemalte Thema des Weiberverkaufes auf offenem Markt ill llatt des fonll
üblichen orientalifchen Schauplatzes in die antike Scenerie verletzt, wieder nur
eine Variation von Gerome’s: A’Vendre. Die grofse Meillerfchaft in der Farben
bravour und Modellirung des Nackten verdeutlicht aber die Widerlichkeit des
Gegenllandes, ftatt fie zu mindern.
Und nun noch zu den Orientmalern.
Da, wo fie die fremde Stammesart mit energifchem Pinfel in ihrer Eigen-
thümlichkeit fchildern, wirken fie künftlerifcham bedeutfamften : fo abermals Bou-
langer in feiner „Erinnerung an die Sahara“ (Nr. 80) und in der „Flucht der Ka-
bylen“ (Nr. 81). Befonders auf dem letzteren Bilde find die nackten, dunkelfarbigen
Körper in ihrem hageren, fehnigen Bau vortrefflich gezeichnet; die Aufregung in den
Köpfen und der ganzen Bewegung, das Drängende der Flucht, die einen Beig
hinab gerade auf den Befchauer losgeht, erfcheint meifterhaft erfafst. Auch Leon
Bonnat begegnen wir im Orient mit feiner „Strafse in Jerufalem“ und den
„Sheiks von Allabah“ (Nr. 61 und 62); ebenfo L. Aug. Belly mit feinen bereits
lang bekannten „Pilgern nach Mecca“ (von 1861). Der Letztere ging, wie man
weifs, von der Landfchaft aus, verlieht es aber auch, das volle Sonnenlicht und
den wolkenlofen Himmel für die orientalifche Staffage wirkfam zu verwerthen.
Felix Clement, von dem im Centralfaale der „Tod Cäfar’s“ ausgeftellt war, ill
feiner vorwiegenden malerifchen Gewohnheit nach gleichfalls Orientmaler; er ill in
dem Strafsenleben Cairo’s zu Haufe, wie fein älteres Bild : „h etes au Caiie u (N1.14°)
zeigt, und liebt es, uns ebenfo Typen und Einzellludien aus Egypten, Nordafrika
und der Levante vorzuführen: fo einen Berberknaben, der einen kleinen Hund
kneift (Nr. 137), eine WafferVerkäuferin aus Caferzaiak (Nr. 138), eine ägyptifche
Pomeranzenhändlerin (Nr. 139).
G. Guillaumet ftudirt wieder mit Vorliebe die Landbevölkerung Nord
afrikas zufammt der landfchaftlichen Wirkung der ausgebrannten Natur mit ihrem
trockenen Sonnenglanze, den fcharfen, grell bellimmten Localfarben („Weiber von
Douar am Fluffe“, Nr. 311; „Feldarbeiter an der Grenze von Marokko“, Nr. 312) ;
ein eigenthümlich gedämmtes Bild bringt er zudem in feinem „Abendgebet in der
Sahara“ (Nr. 312). Auch darum pilgern die franzöfifchen Maler fo häufig nach dem
Orient, weil fie für ihre brillante, immer noch nach einer Ueberlteigerung des
Effektes ftrebende Technik des heifsen Sonnenfcheines und der blendenden Farbe
nie genug haben können, die man dort eben aus erller Hand bezieht. Wiedei
nur einzelne Volkstypen und Halbfiguren, vergröfserte malerifche Abfchriften aus
der Studienmappe, aber von vorzüglichller Ausführung, brachte die bewährte
Künlllerhand Charles Landelle’s: ein Fellahweib (Nr. 383), eine Jüdin von