Die Malerei.
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war diefes Bild eines der beftgemalten, coloriftifch glänzendften der italie-
nifchen Ausftellung. Der leuchtende Körper in dem gar trefflich gehaltenen hell-
dunklen Interieur, die neugierig guckenden, glücklich charakterifirten Mädchen
und dazu der Blick durchs Fenfler auf die fchneebedeckten Dächer, das Alles
gab ein fehr gut geflammtes Enfemble. Ein franzöfifcher Zug geht auch durch ein
anderes Bild desfelben Künftlers hindurch, welches eine Illuftration des Nonnen
ballets aus „Robert der Teufel“ verfucht. Wie dort mit der Sonne, operirte er
hiermit dem Monde; nur ift man nicht ganz im Klaren darüber, ob man es mit dem
wirklichen oder dem Theatermonde zu thun hat. Es liegt immer etwas Bedenk
liches darin, Decorationseffedle der grofsen Oper wieder in das Staffeleibild zu
rückzuübertragen, namentlich wie hier, bei einem phantaftifchen Stoffe. Un
willkürlich beeinflufst die Scenerie und künftliche Beleuchtung der Bühne den
Blick des Künftlers; er reproducirt eine Opernreminifcenz, ftatt uns ein frei-
concipirtes malerifches Märchen zu geben Bei alledem hat das Bild die volle
Pikanterie des theatralifch Gefpenftigen und Abenteuerlichen.
Auch in der Neigung zu malerifchen Orientreifen glaube ich eine
franzöfifche Einwirkung wahrzunehmen. Wenn nichts Weiteres dabei erzielt wird,
fo ift doch das Eine erreicht: die Schwelgerei im fonnigen Licht und in refolut hin
gefetzten Localfarben. In diefem Sinne geht nach dem Orient auch die Mekka
fahrt der Coloriften. Profeffor Stefan Uffi aus Florenz macht uns nun geradezu
zu Zeugen des Aufbruches einer grofsen Pilgercarawane nach dem heiligen Mekka.
Es war das farbenberedtefte Bild der italienifchen Kunftfäle, voll Sonnenglanzes,
heifsen Staubes und bunten Menfchengewimmels. Das Ganze kann als eine bril
lante ethnographifche Studie gelten, beiläufig fo, wie der Pyramidenbau von dem
Berliner GuftavRichter; entfcheidend ift dabei der orientalifche Charakter, die gut
getroffenen Typen und nicht das hiftorifche Zeitalter. Ueberhaupt exiftirt der
ganze Orient für unfere Malerei blos ethnographifch, nicht gefchichtlich. St. Uffi
gibt in feinem grofsen Gemälde in der That eine reiche und lebensvolle Zufam-
menftellung typifcher Geftalten. zu einer Monftreproceffion mit allem dazu gehö
rigen Specftakel vereinigt; Derwifche und Fromme, Gaukler und Schlangen-
befchwörer, das treibt ffch bunt und toll durcheinander, und doch behält dabei
das Ganze eine harmonifche Haltung im Colorit und ift auch in jenem Sinne
componirt, wie ihn ein fo weit gehender Realismus eben verträgt. Ganz in das-
felbe Orientgenre, trotz des Hinweifes auf eine gefchichtliche Thatfache, gehört
des Mailänders Tullus Maffarani anfpruchsvolles Bild, das uns die Verbren
nung der Alexandrinifchen Bibliothek verfmnlichen Toll. Ich mufs fagen , dafs es
mir in der ausfchweifenden Willkür feiner Zufammenftellung, in feiner malerifchen
wie hiftorifchen Buntfeheckigkeit , die das Fremdartigfte durcheinanderwirft,
geradezu unbegreiflich war. Das ift ja ein Rendezvous von Masken aus ganz
verfchiedenen Zeitaltern, und fonft auch nichts Anderes ! Da fehen wir im Vorder
gründe die Saraftro-artige Geftalt wohl des letzten Alexandrinifchen Bibliothekars,
ganz Opernfigur; daneben einen halbnackten Kerl mit dem altegyptifchen Schurz
und dem Kopffchmuck der Uräusfchlange, aus einem alten Wandbild von Theben
herabgeftiegen; in nächfter Nachbarfchaft ein paar gebräunte kriegerifche Ge
ftalten mit tartarifchen Phyfiognomien und ähnlicher Ausrüftung und Bewaffnung.
Die Schätze der Alexandrinifchen Bibliothek, mit denen die Bäder Omar’s ge
heizt werden follen, find mittelalterliche Codices, in Schweinsleder gebunden,
ftatt antiker Schriftrollen. Ohne allen denkbaren Grund wird im Hintergründe
eine nackte, nur mäfsig verfchleierteDame auf einer Tragbahre von einigen robuften
Kerlen hereingetragen, der mehrere Frauen in jenem Theatercoftüme folgen, das
wir bei dem Wartburger Sängerfeft in Wagners „Tannhäufer“ zu fehen gewohnt
find. Dazu lehnt fleh rechts über eine Ambonenbrüftung mit Mofaikmuftern im
altchriftlichen Bafllikenftil irgend ein Jude oder Araber, indefs weiter vorn eine
völlig unbefchäftigte Odaliske auf einen Teppich fleh hinftreckt, in deren Nähe
der Maler, um die tolle Buntheit voll zu machen, noch ein epifodifches Frucht-