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Full text: Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Die Malerei. 
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.2uge Mafaniello’s von Vincenzio Marinelli folgen wollen, fo wären wir 
nach diefer Seite hin mit den malerifchen Gefchichtsfludien der Italiener fo 
ziemlich fertig. 
An die Seite der eigentlichen Gefchichtsmalerei tritt eine erkleckliche 
Anzahl von Bildern, die fich damit begnügen, in der Vorführung bedeutfamer 
Linzeifiguren dem vaterländifchen Heroencult zu huldigen. Oft flehen oder fitzen 
diefe Geflalten blos in finnender Haltung da, ohne jede bjflimmte Situation; fie 
werden ganz einfach vor den Pinfel citirt. Es ifl diefs, ich möchte fagen, die 
malerifche Anwendung von der Redefigur der Apoflrophe. Da hätten wir in diefem 
Sinne einen fehr nachdenklichen „Machiavell“ von dem Mailänder Pier. Cel. 
G i 1 a r d i; zwei „Galilei’s“ von Ponz. Loverini aus Mailand und von Gius 
Boschetto aus Neapel; den ganz unausweichlichen „Dante“ wieder zweimal von 
Aug. Mazzia aus Mailand und Gius. Penfabene aus Palermo; weiter einen 
,.Savonarola“ von Ign. Affanniund einen „Torquato Tasso ' von Fort. Aureggi 
aus Mailand. Da wäre denn fo ziemlich der Kreis der populärflen Geflalten aus 
der Ruhmeszeit Italiens beifammen ; ihnen gefeilt fich noch ein „Alexander Volta“ 
zu, der in dem Bilde des Mailänders R i n a 1 d i neuerdings die Entdeckung der 
Elektricität machen mufs. 
Mit Vorliebe verweilen die italienifchen Maler bei der Gefchichte des 
heixnifchen K u n fl- und Literaturlebens, um da ihre Stoffe fich zu fuchen. 
Die literarifche, fowie die Künflleranekdote mufs wiederholt herhalten, um bald 
nach der pathetifchen Seite, bald in mehr genreartiger Auffaffung benützt zu 
werden. 
Auch da müffen wir uns mit einfacher Nennung begnügen. Hieher 
gehört z. B. Eug. Agneni’s „Domenichino, der vor feinem Nebenbuhler Ribera 
flieht“ ; Teob. P a t i n i ’s geiftreiches und charakteriflifches Bild, das uns das Atelier 
Salvator Rofa’s zeigt; „Die Tochter Tintoretto’s“ von dem Mailänder Eleut. P a- 
gliano; „Michel Angelo bei dem Urbinaten“ von dem Florentiner Preti und 
vielleicht noch einiges Andere diefer Art. Die literarifche Anekdote war in Enr. 
Gamba’s (aus Turin) geiflreich heiterem Bilde aus Goldoni’s Leben im bellen 
Sinne einer anziehenden genreartigen Auffaffung vertreten. Der berühmte Luflfpiel- 
dichter ergötzt fich, in einer Gondel vorüberfahrend, an einer Zankfccne von 
Marktweibern und weifs mit Kennerblick das komifche Motiv der Situation zu 
würdigen. Das Bild ifl von fehr bezeichnender Charakteriflik, dabei fein, elegant 
colorirt und trefflich in der Haltung. Da in den Malergefchichten im Bilde meifl viel 
Pathos und Sentimentalität verbraucht wird, fo war uns diefs erheiternde Stück 
„Wahrheit und Dichtung“ doppelt willkommen. 
Das Alterthum, fagenhaft wie gefchichtlich, hellenifch, aber häufiger 
noch römifch, liegt dem Intereffe der italienifchen Kunfl noch immer nahe genug. 
Es regt fich noch ab und zu im Grunde des claffifchen Bodens und zwifchen den 
Ruinen fteigen die claffifchen Geflalten deutungsvoll empor. Das Belle im Mytho- 
logifchen fchien mir die „Sirenenfage“ von Ed. Dabono aus Neapel, ein 
wirklich poetifches Bild. In der Darftellung von Anakreon’s Tod von dem Nea 
politaner Mich. Tedesco find namentlich die Frauengeflalten weder griechifch 
noch fchön; ein fahler, leichenhafter Ton fcheint fich von der Hauptgeflalt über 
das ganze Bild und die plötzlich erharrende Heiterkeit feiner Gruppen zu ver 
breiten. Es ifl in der Stimmung gut intentionirt, aber nicht malerifch richtig aus 
geführt. Gius. Sciuti aus Mailand brachte aufser einer „pompejanifchen Scene“ 
■einen „Pindar bei den olympifchen Spielen“. Das letztere Gemälde gibt in Anord 
nung und Haltung ein durchaus würdiges Bild einer fefllichen Verfammlung, aller 
dings nicht mit hinreichender Concentration des Vorganges. Dafs auch Frauen als 
Feflgenoffinen bei den olympifchen Spielen Vorkommen, ifl ein archäologifcher 
Schnitzer. Lebhafter als in Hellas geht es auf den Bildern in Rom her. Wir 
erhalten da ein Stück römifcher Gefchichte nach italienifcher Lesart und Inter 
pretation Lod.Muffini aus Siena verfinnlicht uns das Capitel aus Sueton. das 
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