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Full text: Bildende Kunst der Gegenwart (Gruppe XXV), officieller Ausstellungs-Bericht

Die -Malerei. 
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Bildern von Cecrope B a r i 11 i in Rom, von R u b b i o in Florenz, von Alex. Zezzos 
in Venedig. 
Die heitere Kinderexiftenz, mit der lieh die neuitalienifche Salonfculptur 
io viel zu fchaffen gibt, nimmt in der Genremalerei einen befchränkteren Raum 
ein; Einzelnes diefer Art, wie „Das Bad“ von Caj. Chierici aus Reggio, ift von 
herzgewinnender, lachender Lebensluft. Das bäuerliche Genre und die Volks 
typen finden merkwürdigerweife weniger Pflege, obgleich fie für charakteriftifche 
Aufladung, ja felbft für eine rein malerifche Behandlung fo dankbar wären: die 
„Bauernfamilie“ von Enr. B artezago in Mailand, das „bäuerliche Nationalfpiel“ 
von Alfr. d’A n d r a d e in Genua, die „lombardifchen Bäuerinnen“ von 
Raph. C asn e di in Mailand und dergleichen find fpärlich vertretene Beifpiele 
diefer Art. Die „junge römifche Gärtnerin“ von Arth. Moradei in Ravenna welche 
eben ihre Waare ausfehreit, ein prächtiges Halbfigurenbild, ift ein rechtes Kind 
aus dem Volke, wie man deren auf der italienifchen Ausftellung gern mehrere 
gefehen hätte. Dagegen fanden wir gelegentlich den keuchenden Arbeiter dort 
vor, mit dem echten mürrifch-focialiftifchen Zuge. Narc. Malatefta in Modena 
läfst in feiner „Familie des Ueberläufers“ die düfteren Schlagfchatten eines auf 
regenden Ereigniffes in die Bauernftube fallen; die italienil'che Malerei liebt ein 
mal in der Wahl der Sujets diefe ftärkeren Reizmittel. Geronimo Induno, 
deflen Bauernfamilie lieh um den Kram eines Heiligenbilder-Haufirers drängt, 
zeigt uns in diefem technifch meifterhaften Bilde das heimifche Bauernleben in 
einem andern Sinne, als wir es von unfern deutfehen Genremalern gewohnt find. 
Der italienifche Pittore verhält ficli entfehieden als Städter und beobachtet 
gelegentlich, aber mehr nur in äufseriieher Weife das Landvolk, ohne fich in 
feine Exiftenz tiefer einzuleben; die gemalte Dorfgefchichte fleht ihm noch 
ziemlich fern, die im Augenblicke fogar die bezeichnendfte Specialität unferer 
deutfehen Kunft bildet. Der deutfeh - gemüthlichen und innigen Auffaffung im 
Genre nähert fich am meiften noch Ant. Ro tt a in Venedig an, aber auch wieder 
mit einem merklichen Zufatze von Sentimentalität. In der Hauptfache befchäftigt 
fich das italienifche Genrebild mehr mit der fogenannten guten Gefellfchaft und 
mit dem malerifch hiftorifchen Coftumbild aus früheren Zeiten, dem namentlich 
das Venedig des XVI. Jahrhundertes mit feinen Gondelfahrten, feinen Mando- 
linenftändchen und Carnevalsfcenen eine willkommene Ausbeute bietet. 
Auch für die malerifche Entfaltung des gegenwärtigen italienifchen Lebens, 
nie es fich bei öffentlichen Felten, bei Aufzügen und dergleichen kund gibt, 
haben die Italienier den richtigen allgemeinen Blick, der hier vollkommen genügt, 
fo fein- ihnen an anderer Stelle der Sinn für das im Einzelnen Bezeichnende ge 
brechen mag. Ich hebe ftatt mancher Beifpiele „die Kreuzweg-Proceffion im 
Coloffeum“ von Anatol Scifoni in Rom hervor, die Alles, was ein folcher Auf 
zug an Farbenwerth und malerifch wirkfamer Sonderung der Gruppen darbietet, 
fehr glücklich benützt. 
Das Thierftiick und die Landfchaft, welche in der nordifchen Malerei eine 
fo eminente Pflege finden, treten in Italien auffallend zurück. Es gäbe da nur 
eine mäfsige Anzahl des Guten, noch eine geringere des Bezeichnenden, das 
befonders hervorzuheben wäre. Carl Pittara aus Rom brachte in dem Gefpann 
eines „piemontefifchen Pfluges“ und des „Marchigianer Karrens“ ganz treffliches 
Rind in gut durchempfundener landfchaftlicher Umgebung; von Carl Mancini 
in Mailand verdienen einige Landfchaften rühmliche Erwähnung, und Achill V er- 
tuni’s „Anfichten des Agro Romano“ und fein „Blick von der Hphe der Apen- 
ninen“ erregten durch ihre energifche Naturauffaffung felbft allgemeinere Auf- 
merkfamkeit. Zwifchendurch gab es noch manches Tüchtige undBeachtenswerthe, 
das aber unter dem Andrange der Eindrücke fchwer im Gedächtniffe haften bleibt. 
Von einer ausgefprochenen landfchaftlichen Kunftrichtung, einer im umfaffen- 
deren Mafse durchgebildeten Naturbeobachtung der fo unerfchöpflichen Motive 
des herrlichften Landes kann in Italien, fo wie es den Anfchein hat, noch nicht 
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