Appreturmittel und Harzproducte.
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Arrowroot. Wir können an diefer Stelle auf die Aufzählung der einzelnen
Nummern diefer übrigens fehr intereffanten Sammlung nicht weiter eingehen, da
diefelbe wefentlich den Charakter eines Unterrichtsmittels hatte und keinerlei
Anhaltspunkte über die Quellen der ausgeflellten Proben bot.
Die englifchen Colonien hatten zahlreiche Proben von Arrowroot zur
Ausflellung gebracht, von welchen befonders die von F. A. Hagen au er, Lake
Wellington, Victoria ausgeflellten von trefflicher Qualität waren.
Stärkegummi oder ähnliche Prodmfle aus Stärkemehl hatten weder Südame
rika noch England zur Ausflellung gebracht.
Spanien war durch zwei Firmen repräfentirt. Die bedeutendere derfelben
D. Ramon Monroig, Barcelona, hatte neben Kartoffelflärke die Röflprodudle
derfelben, und zwar ein ziemlich dunkles und ein blafsgelbes Röflgummi, erfleres
unter dem Namen Leogomme, letzteres Gommalin genannt, zur Ausflellung
gebracht. Beide Produdle, deren Handelspreis per ioo Kilo zu 250 Realen notiit
war, flanden ähnlichen Erzeugniffen unferer Induflriellen nur infoferne nach, als
lieh die Röflung als nicht fehr gleichmäfsig erwies, was wohl feinen Grund in der
Darflellungsmethode hat, die eine ziemlich primitive fein foll. Antonio Tato &
Comp, in Salamanca hatten die Ausflellung mit Müllern von völlig vorwurfsfreier
Kartoffelflärke befchickt.
Portugal hatte zwei Ausfleller von Kartoffelflärke aufzuweifen, von
denen jedoch nur das Erzeugnifs von Ant. J. Alve in Redondo ein unferen Be
griffen von guter Qualität entfprechendes genannt werden konnte.
F rankreich war, wie fchon erwähnt, auf dem Gebiete der Stärke Indu-
flrie auffallend ärmlich vertreten und nur eine einzige Firma, Leconte Dupond
fils in Paris, hatte die Ausflellung mit ihrem Erzeugniffe befchickt. Diefe brachte
prachtvolle Proben von Maisflärke, welche den bellen amerikanifchen Erzeugniffen
nicht nur völlig gleichkamen, fondern diefelben in Hinficht auf die vollendete
Weifsetheilweife noch übertrafen. Diefe Firma betreibt die Maisflärke-Fabrika-
tion in ziemlich grofsartigem Mafsflabe, und hat diefer Stärkeforte in Frankreich
bereits allgemeinen Eingang verfchafft, fo dafs auch von diefer Seite der Ein
führung der Maisflärke-Fabrikation am Continente, die zweifellos eine bedeutende
Zukunft vor fich hat, vorgearbeitet wird.
Aufser der genannten Firma fcheinen fich keine anderen Induflriellen
Frankreichs derzeit mit der Maisflärke-Erzeugung zu befaffen, dagegen leiflet
Frankreich bekanntlich fehr Lobenswerthes auf dem Gebiete der Weizen- und
Kartoffelflärke-Induflrie, fowie namentlich in der Fabrikation künfllicher Gum
mate, und es war entfehieden zu bedauern, dafs diefe Induftriezweige Frankreichs,
von welchen zumal der letztere muflergiltige Produdle liefert, gar nicht vertreten
waren.
Algier hatte eine Serie von drei durch Dr. E. Bertherand eingefand
ten Sorten der Stärke von Aru??i italicum zur Ausflellung gebracht. Leider war
nichts darüber zu erfahren, ob die Fabrikation diefes fehr fchönen Stärkemehles
einen entwickelten Induflriezweig bilde und ob dasfelbe überhaupt eine mehr als
locale Bedeutung habe. Angeblich wird dasfelbe in Algier fowohl als Nahrungs
mittel als auch für Appreturzwecke verwendet. *
* Von den indifchen Colonien Frankreichs wurden neue Rohmaterialien für Stärke
gewinnung in den Knollen von Amorphophallus fativus, Hipoxis curculioides und Typhoniuvi
minutum vorgeführt Das angeblich fehr weilse Stäikemehl der letzteren Pflanze (Karani-
kotti) foll fich zu dem Preife von 1 Franc per Kilogramm herftellen laflen, was gegenüber
unferen heimifchen Stärkeforten nicht fehr günftig ift, es wäre denn, dafs bei rationeller
Fabrikation fich eine Preiserniedrigung erreichen liefse. Stärkemehl-Proben aus diefen Roh
materialien fanden fich leider nicht vor.