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Full text: Appreturmittel und Harzproducte (Stärke und Stärkeproducte, Albumin, Casein, Leim, Hausenblase, dann Lacke, Firnisse, Siegellacke etc.) - (Gruppe III, Section 7), offcieller Ausstellungs-Bericht

Appreturmittel und Harzprodufte. 
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Deutfchland, deffen Stärke-Induftrie auf einer bekanntlich fehr hohen 
Stufe fleht, war zwar durch eine gröfsere Zahl von Firmen vertreten, aber die Art 
der Ausftellung trug fo fehr den Stempel deutfcher Nüchternheit, * dafs gegen 
über der effedlvollen Ausflellungsmanier der Engländer und Franzofen diefer 
bedeutende Induflriezweig Deutfchlands nicht in jenem Lichte erfchien, in wel 
chem er hätte erfcheinen müffen, wenn man der äufseren Form der Ausftellung 
etwas mehr Aufmerkfamkeit zugewendet haben würde. Es waren im Ganzen 
etwa 16 Firmen, welche die Ausftellung befchickt hatten. Die ältefte derfelben ift 
wohl W. Krufe in Stralfund, welche feit 1729 arbeitet. Sie erzeugt blos 
Weizenftärke, wie es fcheint, nach älterem Verfahren. Das Produkt läfst nichts 
zu wünfchen übrig. Ein tadellofes Produdl hatten auch J. Mack in Ulm (Inhaber 
C. Laible) und Wilh. Janfen in Duisburg (Rheinprovinz), dann auch A. Ber 
liner in Mittel-Neuland bei Neiffe, endlich Baffermann, Herfchel & 
Diffenbacher in Mannheim ausgeftellt. Sämmtlich genannte Fabrikanten 
hatten fehr fchöne Proben von Weizenftärke, meift nach den Martin’fchen Ver 
fahren gewonnen, ausgeftellt und nur A. Berliner, deffen Etabliffement bereits 
feit 1845 befteht, und Baffermann & Comp, brachten auch Proben von fehr 
fchöner Kartoffelftärke. 
Die meiften derfelben hatten auch trockenen Kleber zur Ausftellung 
gebracht und war derfelbe faft durchwegs von trefflicher Qualität. Kartoffelftärke 
hatten übrigens auch in tadellofer Qualität H. Engelhart in Lauban und Max 
F r i e d e 1 in Dahfau, dann Fr. Krieg in Alt-Tfchan, endlich Th. Blumenthal 
& Krieg in Denkwitz (fämmtlich in Schleflen) ausgeftellt. Die letztgenannte 
Firma, deren Produktion eine fehr erhebliche ift (170.000 Centner Kartoffelver 
brauch pro 1871) hatte auch muftergiltige Proben von Dextrin und Leiogomme und 
als befonders bemerkenswert!! fogenanntes kryftallifirtes Stärkegummi (Kryftall- 
gummi),** gelbe und weifse Waare, ausgeftellt. Die letztere ftand zwar dem glei 
chen Erzeugniffe einer öfterreichifchen Firma etwas nach, war aber immerhin gut 
zu nennen. Auch Fr. Krieg hatte neben Kartoffelftärke, die er auch gefärbt 
(violett und roth) zur Ausftellung brachte, Mufter von Dextrin aufzuweifen, von 
welchen namentlich die lichten Qualitäten eine vorzügliche Waare darftellten. 
Erwähnenswerth ift auch die Ausftellung von FI. Ho chftätte r in Langen, 
welcher vier Sorten von Kunftgummi (vegetabilifches Leimpulver) für Zwecke 
von Farbanftrichem, dann für Appretur, für Zündwaarenfabrikation und endlich 
für Filzhut-Fabrikation zur Ausftellung brachte, Erzeugniffe die fowohl in Hin 
ficht auf Qualität als auch auf Billigkeit alle Anerkennung verdienten, und ebenfo 
jene von E. Reimann und Gebrüder Renz, Durlach (Baden), welche Proben 
von tadellofem Gommelin, dann Dextrin und gebrannter Stärke enthielt. Auch Ed. 
Pommier in Neufchönfeld bei Leipzig hatte Gommelin, Dextrin, und ein „Adra- 
gantin u genanntes Kunftgummi, fämmtlich von guter Qualität, ausgeftellt. Endlich 
möchte noch befonders die Ausftellung von A. Beftelmayer & Comp, in Lan 
genau (Würtemberg) hervorgehoben werden, eine Firma, welche fchon feit der 
letzten Ausftellung zu Paris durch ihre Bemühungen um die Verwerthung des 
Dinkels (Tnticum spelta) zur Stärkefabrication vortheilhaft bekannt ift. Die aus- 
geftellten Proben von Dinkelftärke waren durchwegs vorwurfsfrei, und nicht 
minder konnten die aus Dinkelftärke gewonnenen Gummate, befonders das Adra- 
* Es war derfelbe Fehler, an welchem auch die fo reichhaltige Ausftellung Deutfch 
lands in den übrigen Sektionen der Gruppe III überhaupt laborirte. Zufammengepfercht in 
einem Schranke, der zudem keines guten Lichtes fich erfreute, ftanden die grofsentheils 
vorzüglichen Waarenmufter da, und die Befcheidenheit des Arrangements ging fo weit, das 
hie und da nicht einmal leferlich gefchriebene Signaturen fich vorfanden. So gewifs das 
übermäfsige Prunken in der Wahl der Ausftellungsweife zwecklos, ja oft geradezu verwerflich 
1 ft» fo ift doch auch das andere Extrem forgfäftig zu vermeiden, und das ausgeftellte 
Objedl in einer dem Zwecke einer Ausftellung entfprechenden Weife vorzuführen. 
** Ein derartiges Produft wurde von keinem anderen Fabrikanten Deutfchlands aus 
geftellt.
	        
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