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Dr. Wilh. Fried. Gintl.
gantin als ähnlichen Erzeugniffen aus anderen Stärkeforten in nichts nachflehend
bezeichnet werden. Freilich hat die Fabrikation von Dinkelflärke bisher nur eine
völlig locale Bedeutung und es fleht in Frage, ob die Cultur von Dinkel für den
fpeciellen Zweck der Stärkefabrication einer allgemeinen Verbreitung fähig ifl.
Andere Stärkeforten waren von deutfchen Fabrikanten nicht ausgeflellt worden
und bilden thatfächlich in Deutfchland keinen Gegenfland der Fabrikation. Eine
Ausnahme möchte höchflens die Reisflärke machen, deren fabriksmäfsige Dar-
ftellung bekanntlich in neuefler Zeit auch in Deutfchland * aufgenommen worden
ifl. Ob diefe verhältnifsmäfsig noch junge Induflrie fich mit der unter fo günfligen
Bedingungen arbeitenden Reisftärke-Induflrie Englands wird concurrenzfähig
erweifen können, fleht dahin. Es möchte noch bemerkt werden, dafs, foviel über
die Produclionsgröfse der deutfchen Stärkefabriken zu erfahren war, die meiflen
derfelben eine durchschnittliche Jahresproduktion von 3 — 5000 Centner aufzu
weifen haben. Fall alle befaffen fich nur mit der Darftellung von Brocken- und
Strahlenflärke neben Gummaten, und nur einzelne, darunter befonders A. Schön
fel dt in Heiligenhafen (Schleswig), liefern Stärke in Stäbchenform. Im Allge-
gemeinen hält die deutfche Stärkeproduktion dem Eigenbedarfe ziemlich das
Gleichgewicht, und nur einzelne Firmen, beifpielsweife Blumenthal & Krieg,
befaffen fich mit dem Exporte ihrer Produdle, welcher vornehmlich nach England
gerichtet ifl.
Oeflerreich hatte eine der Bedeutung diefes feines Induflriezweiges
völlig würdige Vertretung feiner Stärke-Induftrie aufzuweifen. Diefe fleht aber
auch, zumal feit den letzten Jahren, auf einer hohen Stufe der Entwicklung und
es darf ohne Ueberhebung gefagt werden, dafs fie der gleichen Induflrie Deutfch-
lands entfchieden den erflen Rang flreitig zu machen beginnt. Namentlich hat
Böhmen, wo man feit dem Erblaffen des Glücksflernes der Rübenzucker-Induflrie
der Stärkeprodudlion eine gröfsere Aufmerkfamkeit zuzuwenden beginnt, ein
bedeutendes Contingent an einfchlägigen Ausftellungsobjecten geflellt. Böhmen
ifl überhaupt ein günfliges Terrain für die Entwicklung folcher Induftrien, welche,
wie die Stärke Induflrie, gewiffermafsen ein Supplement der rationellen Landwirth-
fchaft bilden, und feine Stellung als Grenzland begünfligt auch den Abfatz des
Producles, den die öflerreichifche Stärke-Induflrie neueflens in nicht unerheb
lichem Mafse im Auslande findet. In der That betrug der Export in den Jahren
1869 bis 1871 durchfchnittlich 30 000 Centner, während derfelbe in den Jahren
1867 und 1868 nur 13.756 und 15.966 Centner betrug. Die Einfuhr an Stärke-
produdlen bezifferte fich dagegen 1867 auf 19.054 Centner, 1868 auf 17.421 Cent
ner, 1869 auf 13.597 Centner, 1870 auf 7289 Centner, 1871 auf 5204 Centner,
war alfo feit 1869 entfchieden bedeutend geringer als die Ausfuhr, welche z.B.
im Jahre 1871 die Höhe von 37.156 Centner erreicht hatte. Im Jahre 1872
Hellte fich dagegen, theilweife in Folge mittelmäfsiger Ernten, namentlich
aber durch die Bemühungen Amerikas und Englands um den Vertrieb ihrer
Erzeugniffe von Mais- und Reisflärke, der Import wefentlich höher, indem er zu
der Höhe von 19.276 Centner fich erhob, während der Export, bedingt durch die
allenthalben erwachende Concurrenz der Mais- und Reisflärke, auf 20.898 Cent
ner fiel.
Fall alle öfterreichifchen Stärkefabriken arbeiten nach dem Martin’fchen
Verfahren. Bezüglich der Extraktionsmafchinen fleht vorherrfchend das Fesca’fche
Syflem theils in feiner urfprünglichen Geflaltung, theils in wenig veränderter
Form in Anwendung. Auch das Völkner fche Syflem iff vielfach mit Vortheil in
Verwendung, während andere, zumal ältere Syfteme, fall nicht mehr angetroffen
werden. Neueflens beginnt auch das Syflem Markl fich Eingang zu verfchaffen.
* Aufser einer fchon feit einigen Jahren in Altona etablirten gröfseren Fabrik für
Reisftärke ift in neuefler Zeit auch in Ulm eine derartige Fabrik errichtet worden.