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Dr. Wilh. Fried. Gintl.
hatte blos die als fehr ftrebfam bekannte Firma Jofef Nowak in Prag ein Albu
min fu b ft i t u t zur Ausftellung gebracht. Diefes Präparat foll nach Mittheilung des
Herrn Erfinders aus reinem Eiweifs, einer ätherifchen Harzlöfung und Oel
beftehen und ftellt eine breiige weifse Maffe von ziemlich deutlichem Terpentinöl-
geruche dar. Die Manipulation mit diefem Präparate ift eine ziemlich einfache,
da es lediglich durch Anrühren mit lauwarmem Waffer zur fofortigen Verwendung
bereitgeftellt werden kann. Als Vorzüge diefes Präparates, das gleichwohl für
Zwecke der Cattun- als auch der Wolldruckerei verwendet werden kann, werden
namentlich der bedeutend billigere und kaum fchwankende Preis, bei gleicher
Brauchbarkeit und gleicher Ausgiebigkeit wie Albumin, gerühmt. Die mit Anwen
dung diefes Präparates gedruckten Mufter, welche wir zu fehen Gelegenheit
hatten, fprechen fehr zu Gunften diefes neuen Surrogates.
Es fcheint uns endlich hier am Platze, einiger Ausftellungsobjedte zu geden
ken, die fich ihrer Natur nach den im Vorhergehenden befprochenen Induftrie-
Erzeugniffen am natürlichften anfchliefsen. Es war diefs einerfeits das von
Traugott Brunnfchweiler in St. Gallen ausgeftellte Leimpulver aus Cafein,
andererfeits der Cafeinfirnifs von M. Kittary in St. Petersburg.
Die Verwendung des Cafeins für die Herftellung von Kitten fowie zu
Anftrichen ift bekanntlich nicht neu, und namentlich findet die Mifchung von
Cafein und Kalk vielfach Anwendung als Klebemittel, zumal für die Zwecke der
Tifchlerei, als fogenannter kalter Leim. Bei dem ausgeftellten Präparate nun foll,
wie der Ausfteller angibt, die Anwendung des Aetzkalkes völlig vermieden und
hiedurch namentlich ein gut haltbares Präparat erzielt fein. Welcher Erfatz für
den Kalk in diefem neuen Leimpulver gewählt ift, und ob es nicht namentlich
eines der bereits bekannten Mittel, wie Kaliumcarbonat, Borax, Magnefia o. dgl.
ift, mufs vorläufig unentfchieden bleiben. Das Bindevermögen diefes neuen
Leimpulvers fcheint in der That ein vorzügliches zu fein, wenigftens hielt ein
angeblich mit diefem Leimpulver aus dünnen Bretchen geleimtes Käftchen,
welches fich in der Ausftellung befand, den Zug eines erheblichen Gewichtes aus’
ohne dafs eine Trennung der geleimten Flächen erfolgt wäre.
Der von M. K i tt a r y ausgeftellte Cafeinfirnifs, von welchem eine Reihe
von Anftrichproben Vorlagen, fcheint aller Wahrfcheinlichkeit nach nichts weiter
als eine alkalifche Cafei'nlöfung zu fein, wie folche feit Langem als Bindemittel für
Anftrichfarben verwendet werden. Ohne Zweifel kommt auch diefem angeblich
neuen Präparate keine gröfsere Beftändigkeit der damit erzielten Anftriche zu,
als fie fich z. B. bezüglich der Löfungen von Cafein in Soda, Borax oder Ammo
niak erwiefen hat.
Leim und Gelatine.
Es ift wohl kaum ein Induftriezweig fo alt, wie jener der Gewinnung von
Leim; aber auch kein Induftriezweig hat im Laufe der Zeiten fo wenig fich geän-
dett, als gerade diefer, fo dafs die im deutfchen Volksmunde eingebürgerte, in
nicht gerade fchmeichelhaftem Sinne gebräuchliche Bezeichnung „Leimfieder“ zur
Zeit noch wohl begründet erfcheint.
In den letzten Decennien ift zwar das fich aller Orten rührende Streben
nach Fortfehritt auch auf die Leimfabrikation nicht ohne Einflufs geblieben, aber
es gibt noch fo Manches auf diefem Gebiete, das nicht fo ift, wie es fein könnte.
Freilich ift daran viel das ängftliche, fich jeglicher Neuerung verfchlie-
fsende Wefen jener Kleininduftriellen fchuld, in deren Händen fich grofsentheils
diefer Induftriezweig noch findet, und es ift nur von der allmälig fich auch auf
diefem Gebiete entwickelnden Umwandlung des fchleppenden Kleingewerbes in
auf gefunde Bafis geftellte Fabriksunternehmungen ein Befferwerden zu erwarten;
aber es darfauch nicht verkannt werden, dafs das Gefchäft der Leimfabrikation