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Dr. Wilh. Fried. Gintl.
Vorbereitung der Rohknochen durch Maceration mit Salzfäure (deren durch
J u 11 i o n und P i r i e imjahre 1859 vorgefchlagene Variation mit Anwendung des
Vacuums jedoch nicht durchgegriffen hat), fowie die voriGerland (1864) und
Bobierre (1869) vorgefchlagene Extraktion der Knochen mit fchwefiiger Säure,
die wefentlich auch auf eine glatte Gewinnung der Phosphate hinzielten, immer
feltener geworden und haben allenthalben der Maceration mit Kalkwaffer Platz
gemacht, während nur für beftimmte Zwecke, zumal zur Erzielung befonderer
Reimqualitäten, die Anwendung von Säuren meid neben jener von Bleichmitteln
im Gebrauche fleht.
Die Leimausbeuten aus Knochen find, abgefehen davon, dafs fie bekannt
lieh mit dem Alter der Knochen fehr fchwanken, überhaupt fehr verfchieden,
und mufs da, wo die Spodiumfabrikation nebenher gehen foll, im Allgemeinen
mit geringerer Leimausbeute fürlieb genommen werden, foll die erzielte Spo-
diumqualität nicht allzu arm an Stickfloffkohle und alfo geringwerthig * werden.
Während man für die Zwecke der Gewinnung von ordinären Leimforten
fich der Anwendung von Säuren entfchlagen und die diredle Extradlion des
Leims ausführen kann, wird für die Gewinnung hellen Leims, immer aber für
Gelatinefabrikation die Maceration mit Salzfäure angewendet. Als ein fehr
brauchbares Verfahren für Gelatinegewinnung dürfte das von C. Simeons &
Comp. (1867) angewendete bezeichnet werden können, welches bekanntlich
dahin geht, die an der Sonne gebleichten Knochen vorerft fo lange mit Salz
fäure zu maceriren, bis der gröfste Theil der Phosphate gelöft ift, die rückftändige
Knochengallerte dann zu wafchen, hierauf mit Kalkmilch zu digeriren und
nach abermaligem Wafchen zu trocknen, um die fo gewonnene Rohgelatine
dann nochmals einem Bleichproceffe (Luftbleiche) zu unterziehen. Der beim
Verfieden der völlig gebleichten Gallerte übliche Zufatz von Alaun, fowie die
Einwirkung von fchwefeliger Säure auf die Leimfuppe, find für die Erzielung
möglichft blaffer Gelatine befonders vortheilhaft.
Von andeien Rohmaterialien für Leimgewinnung haben neuerdings die
Abfälle lohgarer Leder, wenn auch keineswegs allgemein verwendet, mehrfach
Verwendung gefunden, und find für die Entgerbung derfelben, neben der im
Jahre 1856 von O. R e i c h angegebenen Methode der Behandlung mit Natron
lauge, mehrfach neue Entgerbungsmethoden empfohlen worden. Namentlich
möchte unter diefen jene erwähnt werden, welche die Entgerbung durch
Digeftion mit Oxalfäurelöfung, Verletzen des hiebei refultirenden Breies mit
Kalk und Verwitternlaffen der Maile durch Einwirkung der Luft zu erreichen
fucht, wobei diefelben nach endlicher Entfernung des Kalkes mit Salzfäure ein
diredt verfiedbares Leimgut liefert.
Betreffend die weitere Verarbeitung der gewonnenen Leimfuppen, deren
Klärung, namentlich bei Anwendung von Knochen als Rohmateriale, den Leim
fabrikanten noch manche Schwierigkeit bereitet,** ift die Praxis des Schneidens
der Leimgallerte und Trocknens der gefchnittenen Gallerte auf Netzhorden
noch immer am häufigften in Uebung. Für das Trocknen der gefchnittenen
Leimgallerte haben fich offene Schupfen , wiewohl die Benützung folcher
wefentlich von Witterungsverhältniffen abhängig ift, vorherrfchend erhalten,
und die künftliche Trocknung der Gallerte in geheizten Trockenkammern ift
meift nur bei gröfseren Unternehmungen eingeführt worden. Das T u c k e r’fche Ver
fahren der Vortrocknung des Leims ift unferes Wiffens ebenfalls nur fehr ver
einzelt im Gebrauche.
* Die Anficht, dafs der Gehalt an Stickftoffkohle den Wirkungswerth des Spodiums
ganz wefentlich bedingen hilft, dürfte trotz der gegentheiligen Meinungen Einzelner kaum
unberechtigt erfcheinen.
, v Vortheil wendet man mehrfach zur Erzielung klarer Leimfuppen aus Knochen
. n Kunltgrm an, dafs man bei der Extradlion der Knochen, gleichzeitig Gerbereiabfälle
mitverfiedet. Namentlich dürften Weifslederabfälle für diefe Zwecke vermöge ihres Thon-
erdegehaltes befonders wirkfam fein.