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Full text : Appreturmittel und Harzproducte (Stärke und Stärkeproducte, Albumin, Casein, Leim, Hausenblase, dann Lacke, Firnisse, Siegellacke etc.) - (Gruppe III, Section 7), offcieller Ausstellungs-Bericht

Appreturmittel  und  Harzprodudle.  4  [
Man  mag  nicht  mit  Unrecht  tagen,  dafs  die  Methoden  der  Firn  ifsbereitung
auf  kaltem  Wege,  wie  fie  zuerft  Lieb  ig  vorgefchlagen,  fo  lange  man  bei  Bleinrniffen
  bleibt,  nicht  leicht  das  gleiche  Produdt  liefern,  wie  es  die  Kochmethode
liefert,  und  man  mag  auch  zugehen  dafs  die  kalt  bereiteten  Manganfirniffe  nach
alterenVorfchriften  unter  gleichen  Verhältmffen  von  geringerer  Brauchbarkeit  find,
als  die  auf  dem  alten  Wege  der  Kochung  erzeugten.
Nicht  fo  aber  fleht  es  mit  den  neueren  Verfahrungsarten,  und  die  Erfahrung
hat  gelehrt,  dafs  man  bei  richtiger  Manipulation  Manganfirniffe  erhalten  kann,
die  nicht  blos  eben  fo  gut  und  fchnell  trocknen  wie  gekochte,  fondern  auch  die
gleiche  Haltbarkeit  des  Anflriches  erzielen  laffen,  wenn  man  nur  allen  Erforderniffen
  genügend  Rechnung  trägt.
Von  Seiten  vieler  Fabrikanten  gefchieht  diefs  leider  nicht.  So  ift  es  eine
nur  allzu  häufig  vorkommende  irrige  Anficht,  dafs  jedes  beliebige  Leinöl  unter  denfelben
  Verhältniffen  gleich  gute  Produde  liefere,  eine  Anficht,  die  manchen  mifslungenen
  Verfuch  verfchuldet.
Da,  wo  es  fich  um  das  Verfieden  des  Leinöls  unter  Zufatz  der  üblichen
Trockenmittel  handelt,  ift  diefe  Anficht  infoferne  gerechtfertig,  als  man  es  hiebei
in  der  Hand  hat,  durch  die  längere  oder  kürzere  Dauer  des  Kochproceffes  gewiffe
Verfchiedenheiten  des  Rohmateriales  auszugleichen  und  bei  felbft  fehr  verfchiedenem
  Rohmateriale  doch  noch  Produkte  von  ziemlicher  Gleichartigkeit  zu
erhalten.  Nicht  fo  bei  der  Firnifsbereitung  auf  kaltem  Wege,  wo  die  Verfchiedenheiten ­
  des  Rohmateriales  auch  im  Produ&e  noch  fcharf  zu  Tage  treten,  wenn
man  nicht  von  Fall  zu  Fall  von  der  Schablone  abweicht,  die,  weil  fie  einmal  ein
gutes  Refultat  geliefert  hat,  für  alle  Fälle  paffend  erachtet  wird.
Es  kann  in  diefer  Beziehung  nicht  dringend  genug  an  den  Umftand  erinnert
werden,  dafs  namentlich  das  Leinöl,  was  feinen  Gehalt  an  fchleimigen  und  eiweifsartigen ­
  Pflanzenftoffen  betrifft,  fich  fehr  verfchieden  verhält,  je  nach  der  Qualität
der  Samen,  aus  welchen  es  gewonnen  würde,  und  nach  der  Art  feiner  Gewinnung
felbft,  und  es  ift  bekannt,  dafs  gerade  diefe  Gemengtheile  einen  nicht  geringen
Einflufs  auf  die  Qualität  des  erzielten  Firniffes  nehmen,  wenn  man  ihrem  Vorhandenfein ­
  bei  der  Firnifsbereitung  nicht  entfprechend  Rechnung  trägt.
Hat  Wiederho  ld  felbft  für  die  Vorbereitung  des  zu  Kochfirniffen
beftimmten  Oeles  darum  nicht  mit  Unrecht  die  Entfernung  diefer  Stoffe  aus  dem
Leinöle  anempfohlen,  fo  möchte,  namentlich  für  die  Herftellung  von  Mangan
firniffen  auf  kaltem  Wege,  der  Wiederhold’fche  Vorfchlag  ganz  befonders  beher
zigt  werden,  und  wenn  auch  nicht  gefagt  werden  will,  dafs  das  Wiederhold’fche
Verfahren  zu  diefem  Zwecke  ein  für  die  Praxis  durchaus  empfehlenswerthes  fei,  *
fo  liegt  doch  in  feinem  Vorfchlage  eine  Mahnung,  die  um  fo  mehr  beachtet  werden
follte,  als  fie  von  einem  Manne  kommt,  der  auf  dem  Gebiete  der  Firnifsfabrikation
zu  den  Beftbewancterten  zählt.
Aus  gleichem  Grunde  fcheint  das  von  Dullo  (Dingl.  p.  Journ.  CLXXXL,
p.  151)  empfohlene  Verfahren  der  Firnifsbereitung  mittelft  Braunftein-  und  Salzfäure,wie
  fehr  es  auch  von  mancher  Seite  belächelt  worden  fein  mag,  immerhin  einiger
Beachtui  g  werth  zu  fein,  und  die  Verfuche,  die  hie  und  da  mit  diefem  Verfahren
angeftellt  wurden,  lehren,  dafs  es  bei  geeigneter  Handhabung  ganz  brauchbare
Refultate  liefern  könne.
Vielleicht  verdient  auch  das  in  der  neueften  Zeit  vorgefchlagene  Verfahren  der
Firnifsbereitung  mittelft  Kupferfalzen  (A.  Ford.  —-  fein  Patent  f.  Berichte  d.deutfehen
ehern.  Gefellfchaft,  Berlin  1872  pag.  400)  in  diefer  Hinficht  einige  Beachtung.  **
*  Die  von  Wiederhold  (Neue  Gewerbeblätter  für  Kurheflen  1866,  p.  765)  vorgefchlagene
Methode  der  Behandlung  des  Leinöls  mit  wäfferiger  Aetzkalilöfung,  Wafchen  des  Oeles  und
Raftenlaflen  desfelben  durch  lange  Zeit  hat  für  die  Praxis  gewifs  manches  Unangenehme  und
dürfte  unfehwer  durch  ein  anderes  der  bekannten  Verfahren  erietzbar  fein,  ohne  dafs  der  Erfolg
wefentlich  geichnialert  würde.
**  Vergl.  übrigens  auch  das  treffliche  Werk  von  G.  J.  Mulder  „Chemie  der  trocknenden
Oele."  Deutfeh  von  J.  Müller.  Berlin  1867.  Verlg.  v.  J.  Springer.
            
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