Appreturmittel und Harzprodudle. 4 [
Man mag nicht mit Unrecht tagen, dafs die Methoden der Firn ifsbereitung
auf kaltem Wege, wie fie zuerft Lieb ig vorgefchlagen, fo lange man bei Bleinrniffen
bleibt, nicht leicht das gleiche Produdt liefern, wie es die Kochmethode
liefert, und man mag auch zugehen dafs die kalt bereiteten Manganfirniffe nach
alterenVorfchriften unter gleichen Verhältmffen von geringerer Brauchbarkeit find,
als die auf dem alten Wege der Kochung erzeugten.
Nicht fo aber fleht es mit den neueren Verfahrungsarten, und die Erfahrung
hat gelehrt, dafs man bei richtiger Manipulation Manganfirniffe erhalten kann,
die nicht blos eben fo gut und fchnell trocknen wie gekochte, fondern auch die
gleiche Haltbarkeit des Anflriches erzielen laffen, wenn man nur allen Erforderniffen
genügend Rechnung trägt.
Von Seiten vieler Fabrikanten gefchieht diefs leider nicht. So ift es eine
nur allzu häufig vorkommende irrige Anficht, dafs jedes beliebige Leinöl unter denfelben
Verhältniffen gleich gute Produde liefere, eine Anficht, die manchen mifslungenen
Verfuch verfchuldet.
Da, wo es fich um das Verfieden des Leinöls unter Zufatz der üblichen
Trockenmittel handelt, ift diefe Anficht infoferne gerechtfertig, als man es hiebei
in der Hand hat, durch die längere oder kürzere Dauer des Kochproceffes gewiffe
Verfchiedenheiten des Rohmateriales auszugleichen und bei felbft fehr verfchiedenem
Rohmateriale doch noch Produkte von ziemlicher Gleichartigkeit zu
erhalten. Nicht fo bei der Firnifsbereitung auf kaltem Wege, wo die Verfchiedenheiten
des Rohmateriales auch im Produ&e noch fcharf zu Tage treten, wenn
man nicht von Fall zu Fall von der Schablone abweicht, die, weil fie einmal ein
gutes Refultat geliefert hat, für alle Fälle paffend erachtet wird.
Es kann in diefer Beziehung nicht dringend genug an den Umftand erinnert
werden, dafs namentlich das Leinöl, was feinen Gehalt an fchleimigen und eiweifsartigen
Pflanzenftoffen betrifft, fich fehr verfchieden verhält, je nach der Qualität
der Samen, aus welchen es gewonnen würde, und nach der Art feiner Gewinnung
felbft, und es ift bekannt, dafs gerade diefe Gemengtheile einen nicht geringen
Einflufs auf die Qualität des erzielten Firniffes nehmen, wenn man ihrem Vorhandenfein
bei der Firnifsbereitung nicht entfprechend Rechnung trägt.
Hat Wiederho ld felbft für die Vorbereitung des zu Kochfirniffen
beftimmten Oeles darum nicht mit Unrecht die Entfernung diefer Stoffe aus dem
Leinöle anempfohlen, fo möchte, namentlich für die Herftellung von Mangan
firniffen auf kaltem Wege, der Wiederhold’fche Vorfchlag ganz befonders beher
zigt werden, und wenn auch nicht gefagt werden will, dafs das Wiederhold’fche
Verfahren zu diefem Zwecke ein für die Praxis durchaus empfehlenswerthes fei, *
fo liegt doch in feinem Vorfchlage eine Mahnung, die um fo mehr beachtet werden
follte, als fie von einem Manne kommt, der auf dem Gebiete der Firnifsfabrikation
zu den Beftbewancterten zählt.
Aus gleichem Grunde fcheint das von Dullo (Dingl. p. Journ. CLXXXL,
p. 151) empfohlene Verfahren der Firnifsbereitung mittelft Braunftein- und Salzfäure,wie
fehr es auch von mancher Seite belächelt worden fein mag, immerhin einiger
Beachtui g werth zu fein, und die Verfuche, die hie und da mit diefem Verfahren
angeftellt wurden, lehren, dafs es bei geeigneter Handhabung ganz brauchbare
Refultate liefern könne.
Vielleicht verdient auch das in der neueften Zeit vorgefchlagene Verfahren der
Firnifsbereitung mittelft Kupferfalzen (A. Ford. —- fein Patent f. Berichte d.deutfehen
ehern. Gefellfchaft, Berlin 1872 pag. 400) in diefer Hinficht einige Beachtung. **
* Die von Wiederhold (Neue Gewerbeblätter für Kurheflen 1866, p. 765) vorgefchlagene
Methode der Behandlung des Leinöls mit wäfferiger Aetzkalilöfung, Wafchen des Oeles und
Raftenlaflen desfelben durch lange Zeit hat für die Praxis gewifs manches Unangenehme und
dürfte unfehwer durch ein anderes der bekannten Verfahren erietzbar fein, ohne dafs der Erfolg
wefentlich geichnialert würde.
** Vergl. übrigens auch das treffliche Werk von G. J. Mulder „Chemie der trocknenden
Oele." Deutfeh von J. Müller. Berlin 1867. Verlg. v. J. Springer.