Appreturmittel und Harzprodudte.
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als könnte ein guter Copal- oder Bernfteinfirnifs nicht anders als durch das von
altersher übliche Schmoren der Harze erzeugt werden, gefallen, und die Mög
lichkeit ift erwiefen, dafs auf bequemere und weit rationellere Art brauchbare
Harzfirniffe zu erzielen find. Bietet nun auch das Violette’fche Verfahren der
Schmelzung unter Hochdruck mancherlei Schwierigkeiten, die feiner allgemei
neren Einführung in die Praxis vorläufig noch im Wege flehen, fo ift doch der
Weg gezeigt, der einzufchlagen ift, um auch hier zum Befferen zu gelangen.
Sehr empfehlenswert!! kann auch das verbefferte Verfahren der Copal-
lackbereitung von G. Hoedfield (Mon. fcient. 1870, p. 127; auch Dingl. pol.
Journal CXCVI, p. 483) genannt werden, fowie auch der fchon oben genannte,
von G. Feichtinger befchriebene Apparat zur Lackfiederei unter allen Umfländen
den üblichen Schmelzhafen vorzuziehen ift.
Dafs endlich namentlich bei Copal- und Bernflein-, fowie Damarlacken
auf längeres Lagern der Waare einiges Gewicht zu legen ift, bedarf für jeden
Praktiker keiner befonderen Erörterung.
Haben wir im Vorflehenden ein flüchtiges Bild der in den jüngflen Jahren
angebahnten, wenn auch leider von der Mehrzahl der Induflriellen noch nicht zu
gute gemachten Fortfehritte auf dem Gebiete der Lack- und Firnifsfabrikation
entrollt , fo würde uns nur noch erübrigen, einiger anderer fortfchrittlicher
Beflrebungen zu gedenken, die diefes Gebiet betreffen.
Hierher gehören zunächft die Verfuche der Anwendung anderer Lofungs
mittel, namentlich für Copal und Bernfleinharz, behufs der Herftellung rafch
trocknender Lacke. In diefer Hinficht ift bekanntlich der fchon zu Anfang der
60er Jahre von Wiederhol d gemachte Vorfchlag Aceton als Löfungsmittel für
Copal zu verwenden, bisher nicht recht in die Praxis übergegangen, wiewohl der
Aceton unflreitig für diefen Zweck fich befonders geeignet erweifl. Es trägt
offenbar der immerhin verhältnifsmäfsig hohe Handelspreis diefes Körpers oder
richtiger der Umfland daran Schuld, dafs fich bisher Niemand gefunden hat, der
die Kaflanien aus dem Feuer holen und den Verfuch wagen will, fich ohne
genügend fichere Garantien auf eine Maffenprodudlion des Acetons einzurichten.
Die fpäter namentlich von Violette (Compt. rend. LIII, pag. 461 auch Dingl.
p. Journ. CLXXXII, pag. 64) gemachten Vorfchläge zur Herftellung von ätherifchen
Copallacken dürften bezüglich des Aethers ebenfowenig wie die vorgefchlagene,
aber fchon aus Rückficht auf die Bedenken, die fich der Einführung folcher
Löfungsmittel in die Werkftätte des Lackirers entgegenftellen, zu verwerfende
Anwendung von Chloroform, Schwefelkohlenftoff etc. in der Praxis Anklang
finden.
Lediglich für die Erzielung möglichft blaffer Vignetten- oder Emaillacke
könnten folche Löfungsmittel Anwendung finden, und das Gleiche gilt wohl auch
von der Vorfchrift R. Böttger’s (polyt. Notizblatt 1867, pag. 209), welcher fich
der Vermittlung des Kamphers zur Herftellung eines weingeiftig-ätherifchen Copal-
lackes bedient.
Beflrebungen, Firnifs- und Lackfurrogate zu erzeugen find mehrfach zu
Tage getreten. So hat F. Capitaine zu diefem Zwecke die Herftellung einer
Löfung von Colophonium in Benzin und C. Pufcher die Löfung, der bereits
früher von V arrentrapp für Kitte empfohlenen Thonerdeoleinate in Terpentinöl
vorgefchlagen.
Weit bemerkenswerther und für die Praxis entfehieden wichtiger ift aber
die in der jüngflen Zeit von der Firma A. Lemme & Comp, in Stolp (derzeit
Berliner Harzöl-Farbenfabrik, Berlin Chauffeeftrafse 39) in die Praxis eingeführte
Verwendung von Harzölen zur Firnifsfabrikation. Die Heranziehung der Harzöle
zur Herftellung von Firniffen ift unbedingt eine fehr glückliche Idee und geftattet
nicht allein ein relativ fehr billiges (der Centner Harzölfirnifs wird zu 10 Thaler
notirt), fondern auch ein in feiner Eigenartigkeit ganz vorzügliches Erfatzmittel
eigentlicher Firnifle zu befchaffen.