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Full text: Appreturmittel und Harzproducte (Stärke und Stärkeproducte, Albumin, Casein, Leim, Hausenblase, dann Lacke, Firnisse, Siegellacke etc.) - (Gruppe III, Section 7), offcieller Ausstellungs-Bericht

Appreturmittel und Harzprodu<5te. 
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Krzeugniffe, welche durch Tropfen und übermäfsiges Erweichen uns verrathen 
dafs bei ihrer Herftellung mit Schellack forgfältig gefpart worden fei. 
Ohne auf eine Befprechung einzelner Vorfchriften für Siegellack-Fabri. 
kation, deren Zahl Legion ift (da faft jeder Siegellack Fabrikant eigene, wo 
möglich forgfältig geheim gehaltene Recepte für fein unübertreffliches Fabrikat 
hat), eingehen zu wollen, fei uns geftattet kurz zu erwähnen, dafs faft durchwegs 
das Colophonium, dann das weiche Fichtenharz, der Terpentin, weiters aber als 
härtende Zufätze Maftix und Copal, neben Schellack, endlich als Parfüm, Benzoe 
Perubalfam, Storax u. f. w. in Verwendung ftehen, wobei jedoch gegenwärtig 
Siegellacke, die mehr als 30 Percent Schellack enthalten, nur feiten mehr aime 
troffen werden.* ö 
Als körpergebende und für fchellackarme Siegellacke behufs der Ver 
meidung des Tropfens durchaus notwendige Zufätze, werden Magnefia, Kreide 
Gyps, Kaolin, dann aber auch fchwefelfaueres Baryum (Permanentweifs) und 
fchwefelfaures Blei verwendet, und ift neuerlich nach einem Vorfchlage von 
C. Pufeher Kiefelguhr verwendet worden. Infoferne dem Fabrikanten, der fein 
Fabrikat nach dem Gewichte verkauft, die Frage nach dem Gewinne wie begreif 
lich zunächft nahe geht, wird das fpecififch fchwere Permanentweifs und der 
Kaolin, der leichten und fchon in geringer Menge fehr ausgiebigen Magnefia in 
der Regel vorgezogen, wiewohl keineswegs zum Vortheile des Produaes.° Schwe 
felfaures Blei ift als körpergebender Zufatz entfehieden zu verwerfen. Gyps 
wenn nicht gebrannt, und Kreide geben beim Schmelzen des Siegellackes fchäu- 
mende Maffen und werden nur in geringer Menge oder nur für ordinäre Sorten 
mit Vortheil verwendet. 
In Bezug auf Farbe ift durchwegs die rothe Farbe die herrfchende, und 
es hat die fonfl Alles beeinfluffende Mode die Vorliebe für rothe Siegellacke 
unberührt gelaffen. Andere Farben, mit Ausnahme der Trauerfarbe find wenig 
begehrt und meift nur in feinen Sorten zu finden. Als Farbftoffe finden Zinnober 
dann Englifchroth und Bolus für feine und ordinäre Rothlacke, daneben Flamm- 
rufs, Spodiummehl und Schwarzpech oder Afphaltfür fchwarze Siegellacke die bei 
weitem überwiegende Verwendung und die Verfuche, namentlich für Roth auch 
organifche Farblacke heranzuziehen, haben fich bisher refultatlos erwiefen. 
Für Grün wird als das geeignetfte Farbmaterial Chromgrün und Zinkgrün (Rin 
man’fches Grün) für Blau, Smalte, Kobaltblau, feltenerBerliner Blau und Ultramarin 
empfohlen, während für Weifs, am häufigften das Permanentweifs und Zinkweifs, 
für Gelb, das übrigens nicht ganz empfehlenswerthe Bleichromat, dann auch 
Zinkgelb fowie Ocker in Verwendung ftehen. 
Die eine Zeit lang fehr beliebten Flitter-Siegellacke, die bekannt 
lich durch Zumifchung von gefchnittenem meift unechtem Blattgold oder Blatt- 
filber zur Schmelze hergeftellt wurden, find ebenfo, wie die mit Bronzepulver 
verletzten Lacke ziemlich aufser Mode gekommen. 
Was Flafchenlacke anbelangt, fo haben diefe, die faft durchwegs nur aus 
Colophonium und Terpentin oft unter Zufatz von etwas Wachs, Parrafin odei 
neueftens auch Harzöl hergeftellt werden, in den letzten Jahren fich allgemein 
eingebürgert und werden von einzelnen Fabrikanten ziemliche Maffen davon 
producirt. 
Dagegen hat die Verwendung der Harze zur Herftellung von Kitten für 
Glas, 1 honwaaren, Metalle, Holz u dgl. erheblich abgenommen, und nur ver 
einzelt werden dergleichen, für welche es bekanntlich an Vorfchriften oft der 
barockften Art nicht mangelt, zumal für wafferdichte Kittungen noch gebraucht 
Bei dem Umftande, als wir in den Leim-, Cafeln-, Guttapercha- und Kautfchuk, 
. * Die Anwendung von Carnaubawachs als Zufatz zu Siegellacken ift trotz der Vorzüge 
die ein mafsiger Zufatz davon dem Siegellacke ertheilt, von vielen Fabrikanten gar nicht 
ge k ann t.
	        
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