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Dr. Wilh. Fried. Gintl.
Fabrikate der Mainzer Firma C. Me 11 in ge r zuzuerkennen war, diefem doch
entfchieden vollkommen gleichftanden.
Auch P. P oit el ing in St. Petersburg, welcher Mufter von Spiritus
lacken zur Ausftellung brachte , hatte vollen Anfpruch darauf, feine Fabri
kate den betten Erzeugniffen deutfcher und felbtt franzöfifcher Firmen gleich
gehalten zu feilen.
Vorzüglich erfchienen ferner die von Ch. Berg in Odetfa ausgeftellten
Proben von Lacken und angeriebenen Antlrichfarben, welche letzteren fowohl
vollendete Vertheilung des Farbkörpers, als insbefondere auch fehr frifche und
feurige Nuancen zeigten, wie nicht minder die von L. Spiefs in Warfchau aus
geftellten Mufter von Damar- und Copallack, die fich durch vollendete Klarheit
und Blätfe hervorthaten, fehr bemerkenswerth erfchienen, umfomehr, als nament
lich auch die ordinäreren Sorten diefer Fabrikate noch von untadelhaftem Aus-
fehen waren. Einen befonders bemerkenswerthen Leinölfirnifs fanden wir auch
unter den Ausftellungsobjecten der Firma Otto & Scheller in Warfchau,
welche nebltbei von Harzprodukten namentlich Brauerpech ausgeftellt hatte und
fiel derfelbe insbefondere durch feine bei ziemlich dicker Confittenz vollkommene
Klarheit auf. Auch die Comp, induttr. etcommerc. d’Ouladovka, Vinitsa
in Podolien, hatte völlig befriedigende Proben von Politurlacken zur Ausftellung
gebracht, während dagegen die von der Fabrique technicochemique
de Tourenguis, Janakala, neben Proben einer Lederfchmiere ausgeftellten
Mutter von Firniffen wohl nicht als hervorragend bezeichnet werden konnten.
Durchaus vorzüglich waren die von ruffifchen Fabrikanten ausgeftell
ten Siegellackmufter. Namentlich liefsen die von G. Thalheim in Riga aus
geftellten Proben von rothen, fowie von andersfarbigen Siegellacken nichts zu
wünfchen übrig und kamen dem Erzeugnifle franzöfifcher Fabriken fall völlig
gleich. Nicht minder befriedigend waren die rothen und bunten Siegellacke,
welche J. IC a d iffo n in Warfchau ausftellte und auch die Mufter von rothem
Siegellack des A. L e 1 j a n o w in St. Petersburg waren zum minderten als fehr
befriedigend zu bezeichnen.
Andere europäifche Länder hatten von Harzprodukten nichts aufzuweifen
und von den übrigen aufsereuropäifchen hatten nur China und Japan Mufter
ihrer intereffanten und vielbefprochenen Lacke zur Ausftellung gebracht, für
deren vortreffliche Eigenfchaften fich in den von diefen Ländern zu Markte
gebrachten Erzeugniffen der Kurzwaaren-Induftrie herrliche Belege fanden.
Wie bekannt, verdanken die chinefifchen fowohl wie die japanefifchen
Lacke ihre, vielleicht nicht mit Recht in jeder Hinficht fo angeftaunten Vorzüge
vornehmlich der Eigenartigkeit des Rohmateriales, aus welchem fle auf metft
fehr primitive Weife hergeftellt werden, und der Umftand, dafs man andern Orts
über diefes Rohmateriale nicht verfügt, läfst es begreiflich erfcheinen, dafs all’
die verfchiedenen Verfuche, die chinefifchen Lacke zu imitiren, bisher noch
wenig günftige Refultate geliefert haben. Wenn, was wir nicht unbedingt zuge-
ftehen möchten, unfere Copal- und Damarlacke in ihrer vollendeten Qualität
den chinefifchen und japanefifchen Lacken nicht gleichkommend erachtet werden
können, dann wird Alles darauf ankommen, dafs man fich das gleiche Rohmaterial
zu verfchaffen fucht, welchem die Firniffe der Chinefen und Japanefen unftreitig
allein ihre Vorzüge verdanken. Ob es thunlich wäre, das Rohprodukt zu bezie
hen, oder etwa möglich fei, die Pflanzen felbft zu cultiviren, deren Saft die
Hauptrolle bei den fraglichen Lackfirniffen fpielt, darüber müfsten erft Verfuche
entfcheiden; der Bezug fertiger Firniffe aus Japan oder China dürfte jedoch
keineswegs rentiren, denn die Preife diefer Produkte find an Ort und Stelle
fchon fo hohe, dafs fie die Transportkoften nicht vertragen würden, füllen fie
fich nicht wefentlich höher im Preife ftellen, als die bellen europäifchen Copal-
oder Bernfteinlacke.