Bronzegalanterie-, Ledergalanterie- und Tafchnerwaaren.
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aus Mangel an billigen und guten Einrichtungsftücken nicht im verdienten Mafse
gepflegt wird.
F. W. Bofsert in Offenbach verwendete grofsen Fleifs auf das Montiren
feiner Muflkwerke, mit denen er auch anfehnliche Erfolge erzielte, obwohl man
feinen Ideen keinen befonders guten Gefchmack abgewinnen kann.
Ueberhaupt weifs Offenbach feine Erzeugniffe dem Welthandel anzupaffen
und dadurch einen den auswärtigen Abfatz der Wiener Fabrikate weit überragen
den Export zu erzielen.
Nach Offenbach folgen im Range Berlin, Stuttgart und Frankfurt a. M.,
welche, obwohl nicht in gleicher Qualität, das Wiener Genre ftark cultiviren.
Zu bedauern war es, dafs fleh gerade die bedeutenden Fabrikanten Berlins von
der Ausftellung ferne gehalten haben.
Aus München war C. Efchenbach der einzige Fabrikant, welcher
Luxusartikel ausgeftellt hatte. Sein Schreibtifch war eine meifterhafte Leiftung
und trug fammt den Albums für Bilder das Moment der Gediegenheit an fleh.
J. G. Kugier in Nürnberg verfolgt, im Ganzen betrachtet, die praktifche
Richtung der Deutfchen.
Frankreich war in der eigentlichen Ledergalanteriewaaren-Induftrie
nicht vertreten. Was wir fanden, waren meid Neceffaires, bei welchen die in Paris
fo gut und viel erzeugten Einrichtungsftücke die Hauptrolle fpielten. W. Marx
brachte Photographie Albums und einige Portefeuille-Artikel, welche in die
Gattung der Offenbacher Waaren einzureihen find. Ebenfo (teilten Midocq &fils
und Schultz in Paris eingerichtete Caffetten aus, die aber unferer Anfleht nach
weder durch Qualität noch durch Zweckmäfsigkeit mit der feinen Wiener Waare
concurriren können und als billige Artikel im Vergleiche mit den vorerwähnten
Fabrikaten von Riederer & Mader zu theuer find. W a 1 c k e r’s Koffer find
gut, ihr Glanzpunkt ift jedoch ebenfalls die Einrichtung.
In derfelben Seitenrippe fanden wir in einem Wandkaften prachtvolle Ein
bände mit reicher Handvergoldung ausgeftellt. Sie flammen aus verfchiedenen
Zeiten und waren zumeift von den jetzigen Privateigenthümern exponirt.
Eben folche nicht minder fchöne Arbeiten in Handvergoldung fanden wir
in der englifchen Abtheilung. Aufserdem war die Lederwaaren-Induftrie dort
nur noch durch einige Sohlleder-Koffer von altbekannter Solidität und mehrere
Säcke primitiver Natur vertreten.
Italien und Rufs 1 and, wie die übrigen Länder, zeigten Nichts oder
doch nichts Nennenswerthes.
In den Abtheilungen China und Japan gewahrte man keine eigentliche
Lederwaaren-Induftrie. Der Befucher wurde jedoch an diefe erinnert durch ein
zelne fackartig zufammengenähte Täfchchen, gewöhnlich mit einem höchft ein
fachen Verfchluffe verfehen, die als Tabaktafchen dienen. Sie find blofs aus dem
fehr zähen, feften, lederartig gekörnten japanifchen Papier verfertigt.