Spritzen und Pumpen.
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.auf der Ausflellung war, fland die Mafchine vertical und flatt der kleinen vorer*
wähnten Kurbel war ein kleines Excenter angebracht, welches fowohl die Steue
rung des Hauptfchiebers als auch die Hilfswirkung auf die Welle zu beforgen
hatte.
Bei den Mafchinen mit zwei und drei Hauptcylindern fällt felbflverftänd-
lich diefe Einrichtung weg, denn diefelben haben keinen todten Punkt mehr.
Solche eincylindrige Mafchinen find im Befitze der Städte Wien und Peil, und
follen fehr zufriedenftellende Refultate geben.
Die fämmtlichen Pumpen von Shand find mit Speifepumpen fowohl als
Injektorenverfehen, welches von grofser Vorficht zeigt. Diefe Beflandtheile, fowie
fämmtliche Keffelarmaturen find von Kanonenmetall, und die Ein- und Aus-
ftrömmungsrohre find Kupfer, beide für die grofsen Cylinder gemeinfchaftlich.
Die Mafchinen können 30 bis 200 Touren machen.
Ziehen wir aus den Betrachtungen über diefe Pumpen einen Schlufs, fo
müffen wir uns geliehen, dafs durch die Kurbeln, Excenter mit ihren Lagern und
Büchfen ein gewifs nicht unbeträchtlicher Theil der aufgewendeten Dampfarbeit
durch Reibungswiderflände verloren geht. Jedenfalls aber haben diefe den Vor
theil, dafs man eine genaue Hubbegrenzung hat und, falls etwas an der Mafchine
in Unordnung fein follte, auch durch Drehung der Achfe von Hand die Pumpen
leicht in Gang bringen kan»: was bei den direkt wirkenden Pumpen faft
unmöglich ifl.
Ift bei den Spritzen ohne rotirende Bewegung etwas fefl geworden, fo ift
es fchwer, dem Uebel ohne Dampf abzuhelfen, und dann gehört grofse Vorficht
dazu. Doch dürfte bei ordentlicher Wartung diefer Unfall nicht oft Vorkommen.
Vergleichen wir nun die beiden Syfteme gegeneinander, fo finden wir, dafs
jedes derfelben feine Vorzüge hat, welche eben nach Umftänden höher oder
geringer anzufchlagen find. Je nachdem man alfo gröfsere Sicherheit gegen
das Feflfetzen der einzelnen Theile und durch genaue Hubbegrenzung und
geringere fchädliche Räume geringeren Dampf, refpektive Kohlenverbrauch ver
langt, (ich dagegen das Unangenehme, was die gröfsere Complicirtheit diefer
Pumpen mit fich bringt, gefallen laffen will, fo verdient die Spritze von Shand
Mafon & Co. den Vorzug; will man Einfachheit im Mechanismus, wie diefe
bei den Spritzen von Merryweather geboten wird und durch fleifsiges Nacli-
fehen der Kolben ein Feflfetzen derfelben vermeiden, dagegen einen etwas
gröfseren Dampfverbrauch (derfelbe ift nur nach Percenten zu meffen), fo wähle
man das Syflem von Merryweather & Sons.
Noch einer Dampf-Feuerfpritze haben wir zu gedenken, welche im deut-
fchen Annex fland, und von Lange & Gehrckens in Ottenfen ausgeflellt war Es
ifl diefs eine dreicylindrige horizontale Spritze mit rotirender Bewegung. Die
Schwierigkeit, die Schwungradachfe in die Mitte zwifchen Dampf- und Waffer-
cylinder zu legen, ifl durch Anwendung von Kurbelrahmen behoben.
Die Anordnung der übrigen Theile ifl fehr ähnlich der Spritze von Shand
Mafon & Comp. Die Belaflung durch den Keffel fällt direkt auf die hintere Achfe.
Feuerthüre und Kohlenbehälter find felbflverfländlich hinten angebracht, um
von dem Fufsbret aus die Feuerung zu beforgen. Diefs find die ausgeflellten
Syfleme von Dampffpritzen mit Kolbenpumpen. Wir werden fpäter noch einer
Dampffpritze begegnen, welche nach ganz anderen neuen Principien conflruirt
ifl, und fchliefsen hiemit den Theil über Kolbenpumpen ab.
Die fchon bei der Cameron’fchen Pumpe erwähnte Firma Whitley Partner
hatte ein fehr intereffantes Pumpendetail ausgeflellt, die Field’fchen Lippenventile.
Diefelben beflehen aus zwei runden Kautfchuktrichtern, welche aus ziemlich flarken
Platten gefchnitten werden und an dem inneren Umfang durch z/förmige Ringe
umfafst werden. Die Kautfchukklappen haben flets die Neigung, ihre conifche
Form einzunehmen. Daran find fie dadurch verhindert, dafs man beide gleich