Apparate der Leuchtgasfabrication.
35
der Ofenwand an der vorderen Seite der Retorte in einem Rohre in die Höhe
und mündet dann in eine Vorlage oberhalb des Ofens. Hier wird der
fich condenfirende Theer gefammelt und kann zur Feuerung verwendet werden.
Aus diefer Vorlage gelangt das Gas in vier hohe cylindrifche mit Coaks gefüllte
Scrubber und aus diefen in den Gafometer.
Neben diefem Apparate hatten K. Drefcher & Küchler in Chemnitz
ebenfalls einen Mineralöl Gasapparat ausgeftellt, deffen Retorten in einem eifer
nen Ofen lagen und bei welchen das Gas durch einen Wafchapparat, durch
Scrubber und Kalkreiniger ging, bevor es in den Gafometer gelangte.
Beide Firmen haben ihre Apparate an mehreren Orten und Etabliffements
eingeführt und brachten günftige Zeugniffe für ihre Gaserzeugungs-Apparate.
Hirzel war übrigens der Erfte, der rationell und ökonomifch Petroleum
und Petroleumrückflände zur Leuchtgasfabrication verwendete. Er liefs fich
fchon 1866 einen Apparat hiezu patentiren, der allen derartigen Apparaten als
Vorbild diente.
Dr. H. Grothe gibt in einer ausführlicheren Arbeit* über Leuchtgas-
Erzeugungsmethoden, über das Petroleumgas, welches nach Profeffor H. Kolbe
der Hauptfache nach aus Acetylen befteht und beinahe fchwefelfrei ift, fol
gende Daten: Das fpecififche Gewicht des Petroleumgafes beträgt 0698 und
feine Leuchtkraft ift 5 Vs mal gröfser als die des gewöhnlichen Gafes.
Aufser den hier befchriebenen und erwähnten Apparaten gibt es noch
viele derartige Vorrichtungen zur Erzeugung von Leuchtgas, jedoch bei den
meiden derfelben findet man nur ganz unwefentliche Aenderungen der für ein
beftimmtes Rohmaterial urfprünglich ausgeführten Apparate.
Wir wenden uns nun zu jenen Apparaten der Leuchtgasinduftrie, die zur
Regulirung, zur Meffung, zur Prüfung u. f. w. des zum Verbrauche
tauglichen, alfo gereinigten Gafes, in den Strom des Leuchtgafes eingefchaltet
werden. Es find diefs äufserft wichtige Apparate von finnreicher und präcifer
Conftrudtion, die in vielen Fällen wahre wiffenfchaftl i che Inftrumente
find und die für eine richtige und ökonomifche Verwendung des Leuchtgafes
abfolut unentbehrlich find. Hieher gehören Gasuhren, Druckregulatoren, Photo
meter, Manometer, regiftrirende Druckmeffer, Kerzenwagen, Signalapparate für
Gasanftalten, Apparate zur Kohlenfäurebeftimmung im Leuchtgafe u. f. w.
Alle diefe Apparate waren durch mehrere Firmen zur Anfchauung
gebiacht. Die reichhaltigfte Colledtion diefer Art war die der Firma S. Elfter
in Berlin, Neue Königftrafse. Es gelangten zur Ausftellung: 1. Gasmeffer,
fovvohl naffe als trockene ; ein naffer E x p e r i m e n t i r - G a s m e ff e r, deffen
Zifferbla t das Ablefen von y i20 Liter Gas geftattete; ferner ein Inftructions-
Gasmeffer für Schulen zur Beobachtung der inneren Einrichtung. Alle diefe
Gasmeffer waren genau gearbeitet und fehr empfindlich. 2. Prüfungsappa-
ra te für Gasanftalten, als: Multiplicirende Druckmeffer nach El ft er und nach
k* n S> graphifche Druckmelfer nach Crowsley und nachWrigh, Allarm-
Diuckmeffer nach Profeffor Heeren. Diefer Apparat gibt beim Ueberfchreiten
des zuläffigen Gasdruckes ein andauerndes Glockenfignal.
Intereffant ift der trockene Regulator für 10 Flammen (logenannter
Cafernenbrenner, da er in allen gröfseren Cafernen des deutfchen Reiches
eingeführt ift). Diefer Regulator in Verbindung mit den zehn Brennern gibt
einen conftanten Gasverbrauch. Die Einrichtung diefes Regulators ift folgende
1 3) '■ Durch E gelangt das Gas an dem Kegelventile c vorbei in der Richtung
der Pfeile in einen mit einer elaftifchen Membrane b gefchloffenen Raum, die
Membrane enthält in ihrer Mitte die Stange g befeftigt; an diefer Stange fitzt
das Kegelventil c. Wird nun der Gasdruck ein gröfserer, fo wird die Membrane b
gehoben mit ihr die Stange^ und das Ventil c und der Gasweg bei f verengt,
Wagner’s Jahresbericht 1867, Seite 751.