Schmiervorrichtungen.
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Noch ift anzuführen, dafs das Bogenrohr, das fortwährend mit Waffer
(Oel) gefüllt fein mufs, beim erden Ingangfetzen des Apparates — ein für alle
Mal — mit diefem angefüllt werden mufs, da, fobald der direkte Dampf in den
Behälter gelangt, alle feine Dichtungen, die, wie bereits bemerkt, aus Leder
beftehen, verderben, und der Apparat deffen Hauptbedingnifs, die durch Leder
fo vorzüglich dauerhaft und leicht beweglich herftellbaren Liederungen, verlie
rend, wirkungslos wird.
B. Schmiervorrichtungen, welche blos beim Leergange der
Mafchinen (ohne Dampf) Fett abgeben.
Es ift die Errungenfchaft verhältnifsmäfsig ganz kurzer Zeit, dafs man (ich
vergewiffert, dafs üch unter Dampfdruck bewegende Mafchinentheile der Loco-
motive auch ohne eine befondere Schmierung mittelft Fettes gut erhalten, dicht
bleiben und gleich hohenEffe(ft erzeugen; Zeugnifs hiefür, dafs eine grofse Anzahl
Locomotive beim Betriebe mittelft Dampfes thatfächlich ohne jede Fettintrodiuftion
funcftioniren und nur obie folche bewirkt wird, wenn dieMafchine gezwungen wird,
vermöge ihrer während des Dampfganges aufgefpeicherten lebendigen Kraft
auch ohne Dampfeinwirkung fich weiter zu bewegen oder ftarke Gefälle zu über
winden e^c.
*Auch die letzte Ausftellung beftärkte uns darin, indem mit ganz geringer
Ausnahme a^e exporftten Locomotive bereits mit derartigen Schmiervorrich
tungen verfehen waren, welche obigem Principe entfprachen.
Unwillkürlich drängt fich uns hier die Frage auf, warum wir nicht des
gleichen mit unferen ftabilenDampfmafchinen thun ? Wefsha.'b find wir für diefelben
in einem fortwährenden Kampfe mit uns felbft, um einen recht „ausgiebigen“
Schmieranparafc von der in unzähligen Variationen auf den Markt gebrachten aus
findig zu machen ?
Freilich läfst fich dem entgegnen, dafs die ftabilen Mafchinen meift mit
trockenem Dampfe arbeiten — oder foljen — und dafs bei Locomotiven ftets
fehr naffer Dampf ’n die Mafchine ftrömt — das Schmiervermögen des Dampfes
jedoch blos in diefem Zuftande in richtigem Mafse befteht.
Dem läfst üch aber, erwidern, dafs einestheils die Anzahl der Mafchinen,
welche mit fatftifch trockenen Dämpfen arbeiten, eine verfchwindend kleine ift,
andererfeits uns auch die Ausftellung die häufigfte Anwendung der alten Schmier
hähne zeigte, welche doch den Kolben die längfte Zeit feines Laufes ohne Fett
laffen, indem derfelbe pen’odifch—von der Laune des Mafchinenwärters abhängig
— geöffnet wird, um euiQuantumFett einzulaffen, von welchem jedoch derCylinder
nach einem bis zwei Kolbenhüben durch den ftark gefpannten Dampf vollftändig
gereinigt wird. Es gehen daher unfere meiften Dampfmafchinen, trotz der kolof-
falen Oelverfchwendung, ohne andere Schmiere als die des Dampfes.
Nur durch die Anwendung folcher Apparate, welche in dem erwähnten
Zuftande des Leergehens den fich trocken reibenden Theilen felbftthätig Fett
zuführen, kann diefer verfchwenderifchen Oelung vorgebeugt werden.
Auf der Ausftellung waren folche Schmiervorrichtungen nach A. Anfchütz,
Kefsler und Zabel.
Der Anfchüt z’fche Apparat, im Pavillon der k. k. ausschl. priv. Kaifer
Ferdinands-Nordbahn und an mehreren in- und ausländifchen Locomotiven aus-
geftellt, beruht, wie in nebenftehender Figur im Vertical- und Horizontalfchnitt in
halberNaturgröfse* gezeigt ift,auf dem Zweiventil-Syftem, wobei,beideVentile derart
Unter Dampfdruck.