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Full text: Die Motoren (Gruppe XIII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

Mafchinen- und Waggonbau-Fabriks-Acliengefellfchaft in Simmering. 
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meffer und deren Kolben 0-63 Meter Hub befafs und mit 65 Umdrehungen per 
Minute gehen foll, war mit einer 1869 von mir erdachten Steuerung verfehen, 
deren Zweck hauptfächlich der ift, für fchnellgehende Mafchinen zu paffen. 
Ich befchäftigte mich zu jener Zeit mit einer Studie über die Grenzen der 
Kolbengefchwindigkeit und fand bei diefer Gelegenheit nicht nur deren Abhängig 
keit von Anfangsdruck und Füllung, fondern auch eine Reihe einfacher Bedin 
gungen, unter welchen der.Gleichgang einer Mafchine bei einer mittelhohen 
Gefchwindigkeit wefentlich erhöht werden kann *. 
Die hin- und hergehenden Maffen der Kolben,Kolbenftangen. Führungen etc. 
miiffen nämlich bei jedem Hub in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit auf ihre höchfte 
Gefchwindigkeit gebracht werden, um gleich darauf durch den Zwang der 
Kurbelbewegung wieder zur Gefchwindigkeit Null zurückzukehren. 
Zur Gefchwindigkeits-Erzeugung gehört Arbeit und diefe wird der Arbeit 
des Dampfes in der erden Hubhälfte derart entnommen, dafs nur der Red zwifchen 
der auftretenden und der zur Bewegung der Maffe nöthigen Arbeit auf die Kurbel 
hinauskommt. 
Diefe Arbeit wird durch die bewegten Maffen aufgefpart und in die zweite 
Schubhälfte hinüber getragen, wo de durch die Verzögerung der geradlinigen 
Gefchwindigkeit bis Null völlig an den Kurbelzapfen abgegeben wird. In der 
zweiten Hubhälfte wirkt nun aufserdem nur der ermattende Druck des expan- 
direnden Dampfes und zu deffen Arbeit addirt fich jene des Maffendrucks. 
Die hin- und hergehenden Maffen miiffen alfo bei einer gewiffen Gefchwin 
digkeit einen Theil der Ueberfchufsarbeit für die Zeit des Mangels auffparen 
und fo die Wirkung des Schwungrades unterftützen. Bei einer beftimmten 
Gefchwindigkeit, welche fich leicht berechnen läfst, und wenn auch höher 
als die heutig normale doch immer noch fo mäfsig ift, dafs ihr keine anderen 
unbefiegbaren Hinderniffe entgegentreten, läfst fich dann die tangential auf die 
Kurbel wirkende Gefammt-Kraftcomponente durch einen grofsen Theil der Zeit 
völlig conftant erhalten, und fo ein befferer weil ungezwungener Gleichgang der 
Mafchine bei einem kleinftgewordenen Schwungrad erzeugen. 
Ich will noch erwähnen, dafs felbftverftändlich von der Arbeit des Dampfes 
hiebei nichts verloren geht, und dafs diefe wohl nicht nach dem Bild des Dampf 
diagramms, fondern eben gleicher Gröfse, aber nach einem andern durch die 
Maffen beeinflufsten Gefetze und gleichmäfsiger vertheilt auf dem Kurbelzapfen 
gelangt. 
Diefe höhere Kolbengefchwindigkeit, welche alfo autser billigeren auch 
noch beffere Dampfmafchinen geben kann, wird nur dann zuläffig, wenn noch 
andere Bedingungen erfüllt werden, welche hier von Einflufs find. So müffen die 
Zapfendrücke klein bleiben oder vielmehr die fpecififchen Reibungsarbeiten der 
Laufflächen dürfen nicht gröfser werden, als fie bis heute bewährt find (die 
Grenzen dafür feftzuftellen, dient mit diefer Bericht), die Kurbel muls mit Balance 
gewichten verfehen fein, die Ausführung mufs durchbildeter fein als bis heute 
üblich etc. etc. 
Hauptbedingungen für fchneller gehende Mafchinen find weitere Damp - 
wege und Folge deifen gröfsere Steuerungsmechanismenundhöherer Dampfdruck. 
Beide Faiftoren vergröfsern aber die Reibung und den Widerftand während der 
Bewegung, wefshalb der Gedanke, einen entlafteten Schieber zu verwenden, nahe 
liegt. Da aber bei gröfserer Kolbengefchwindigkeit das alternirende Hin- und 
Herfchleudern gröfserer Schiebermaffen gleichfalls wieder Kräfte weckt, welche 
als Reaktionen der Befchleunigungsdrücke das ganze Mafchinenfyftem durch 
rütteln, fo ward ein rotirender Schieber, der völlig entlaftet und balancirt werden 
kann und keine unruhige Bewegung mit fich bringt, geplant 
* Ueber Dampfmafchinen mit hoher Kolbengefchwindigkeit von J. F. Radinger. 2. Auflage , 
1872, Wien, Carl Gerold.
	        
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