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J. F. Radinger.
Um die Triebkraft zu verftärken, will Siemens fpecififch fchwerere Flüffig-
keiten, etwa Queckfilber verwenden, und um diefs zuzulaffen, find fammtliche
Theile der Mafchine aus Eifen. Will man den Dampf des Queckfilbers hintanhalten,
fo bedeckt man dasfelbe mit einer Wafferfchichte.
Das von einer Gasflamme geheizte und im Gange befindliche eine der
beiden ausgeftellten Modelle konnte mit einem Finger der Hand aufgehalten
werden. Beim gröfseren der beiden Modelle war die äufserfte Schalenfläche nach
einer Halbkugel von 700 Millimeter Radius gekrümmt, auf welche fleh noch eine
125 Millimeter hohe Cylinderfläche anfetzte. Der Halbmeffer der innerften Wand
mafs 390 Millimeter. Der Gefammtrauminhalt der heifsen Schale betrug 330, der
der kalten Schale 140 und der mittlere Inhalt der Verdrängflüffigkeit 240 Liter.
Magneto-elektrifche Mafchine, Syftem Gramme.
Diefe Mafchine gehört nicht in den Rahmen diefes Berichtes und fle wurde
von ihrem Erfinder nur als zur Erzeugung continuirlicher Ströme für die Galva-
noplaftik, des elektrifchen Lichtes, zur Entzündung von Minen und für medicinifche
und chemifche Zwecke geeignet erklärt.
Da fle jedoch die elektrifchen Ströme durch äufsere Arbeit erzeugt, und
umgekehrt durch elektrifche Ströme Arbeit zurückzugeben im Stande ift, fo
fcheint fle vielleicht mehr als eine andere Mafchine zur Ferntransmiffion von
Arbeit geeignet, und da ich nicht nur mit der kleinen in der Ausftellung gewefenen.
fondern auch fpäter mit einer bedeutend gröfseren folchen Mafchine Verfuche
vornahm, fo mag Folgendes darüber bemerkt werden:
Die Gramme’fche Mafchine befteht im Wefentlichen aus einem Magnet,
zwifchen deflen beiden Polen ein Elektromagnet von einer neuen Form durch
eine Riemenfeheibe betrieben rotirt.
Diefer Elektromagnet befleht nun aus einem ringförmigen Kern von weichem
Eifen, um den herum ein ifolirter endlofer Kupferdraht gewunden ift. Man kann
diefenTheil alfo auch aus einem gewöhnlichen geraden Elektromagnete entftanden
denken, den man kreisförmig zufammengebogen und dann nicht nur an beiden
Enden des Eifenkernes, fondern auch an beiden Drahtenden verlöthet hat.
Man erhält fo einen Elektromagnet ohne Ende, da fowohl der Eifenkern
als auch der ihn umhüllende Draht keine Unterbrechung erleiden.
Diefer Draht ift wohl ohne Ende, indeffen in z. B. 40 Setflionen oder Ele
mente eingetheilt, von denen jedes 100 Windungen haben mag, fo zwar, dafs das
Ende des einen der betrachteten Elemente zugleich der Anfang der Windungen
des folgenden ift.
Denkt man fleh nun ein einzelnes Element (ideell) aus der Verbindung mit
den anderen durch einen Schnitt getrennt und dreht man die Scheibe zwifchen
den Polen des natürlichen Magnetes, zwifchen welchen diefer Elementenring
gelagert ift, fo wird der Eifenkern bei der Annäherung an einen der Pole magne-
tifch und folglich entlieht (wie fchon Faraday 1831 entdeckte) in dem ihn umwin
denden Drahte ein inducirter elektrifcher Strom.
Diefer Strom wird feine Richtung ändern, wenn fleh der Eifenkern von
dem betrachteten Pole entfernt und fleh dem entgegengefetzten nähert.
Denkt man fleh nun wieder das Element, wie es wirklich befteht, mit all
feinen Nachbarn verbunden, fo leuchtet es ein, dafs in dem Drahte des rotirenden
Ringes zwei Ströme von entgegengefetzter Richtung entliehen, indem der Vor
gang des einen Elementes in allen übrigen wiederkehrt.
In irgend einem Durchmeffer (es ift jener, welcher fenkrecht auf die Ver
bindungslinie der beiden Pole lieht) wird die Umkehrung der Ströme erfolgen
und es ift klar, dafs, wenn auch die Stromftärke in den einzelnen Elementen je
nach ihrer augenblicklichen Entfernung vom Pole des Magnetes verfchieden ift,
doch ihre Summe ftets diefelbe bleibt, denn in dem Mafse, als ein Element unter