MAK

Full text: Die Motoren (Gruppe XIII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

274 
J. F. Radinger. 
Die Mafchine erhitzt (ich auch nicht, wenn man durch Oeffnen der Kette 
den Strom unterbricht, was, da weder Elektricität noch Wärme auftritt, beweift, 
dafs auch kein Aufwand an mechanifcher Arbeit ftattfindet. 
Wenn aber gerade fo viel Arbeit in die Mafchine kommt als zur Einhaltung 
der beftimmten Umdrehungszahl hinreicht und man unterbricht den Strom, fo 
fteigt die Gefchwindigkeit und gegentheils, erhöht man den Widerftand, fo ver 
zögert fich ihr Gang. (Ich bemerkte dann ftets das Pfeifen der durch kurze Zeit 
gleitenden Riemen.) Beides fpricht wieder dafür, dafs fich Elektricität und Arbeit 
ziemlich vollkommen in der Mafchine umfetzen. 
Wie hier nun aber mittelft einer aufgewendeten Arbeitsgröfse Elektricität 
erzeugt wird, fo würde diefelbe oder eine andere ähnliche Mafchine (z. B. jene 
von Kravogl in Innsbruck, welche in Paris 1867 ausgeftellt war, und von welcher 
vielleicht Gramme den rotirenden Eifenkern entlehnte) wieder Elektricität in 
Arbeit umfetzen, indem lieh die Fadloren einfach vertaufchen. Dadurch wäre aber 
die Möglichkeit einer bequemen und billigen Ferntransmiffion gefchaffen, welche 
die Wafferkräfte der Gebirge und der fluthenden Meere weit in die kohlenarmen 
Phäler, und die ober Tage erzeugten motorifchen Effedte in das Innere der Berg 
werke leiten könnte, indem das ifolirte Legen eines verbindenden Kupferdrahtes 
von circa vier Millimeter Dicke per Pferdekraft fo viel wie gar keine Schwierig 
keiten macht. 
Nun ift es mir allerdings noch nicht gelungen, den diredten Verfuch über 
das Güteverhältnifs folch einer Transmiffion, refpedlive folch eines Motors anzu- 
ftellen. indem diefe neue Gramme’fche Mafchine (noch nicht in gleich grofsen 
Doppelexemplaren exiftirt. Aber aus den Ergebniffen der Bremfung einer 
Kravogl’fchen Mafchine (durch Prof. Dr. Pierre in Wien), deren kleine Dirnen- 
honen und verfchwindende Effedte von circa 0 01 Pferdekraft allerdings für den 
Mafchinenbauer keinen Werth haben und den Schlufs ins Grofse nicht diredt 
zulaffen, mag angeführt werden, dafs bei der Umfetzung von Strömen, welche mit 
Bunfen-Elementen erzeugt wurden, in Arbeit, bis 15 Procent Nutzeffedlnachgewiefen 
wurde. Nimmt man nun an, dafs der Nutzeffedl folch eines Motors ähnlich dem 
einer Dampfmafchine mit zunehmender Gröfse fteigt, fo klingt die Behauptung 
Grammes, dafs feine Mafchinen auf über 50 Percent Nutzeffedl gebracht werden 
können, durchaus nicht unwahrfcheinlich, und da die Umfetzung zweimal vor fich 
geht, fo würde eine durch elektrifche Transmiffion übermittelte Arbeit zu circa 
20 bis 25 Percent in ziemliche Fernen übertragen werden können, wobei der 
Leitungswiderftand fchon berückfichtigt ift. 
Allerdings fcheinen folche Transmiffionen heute noch nicht an der Zeit und 
ob fie uns in der Zukunft dienen können, hängt noch von Manchem und unter 
Anderem auch davon ab, ob folche Mafchinen dauernd wirkfam bleiben. Bis jetzt 
fcheinen fie nämlich nach längerem Gebrauche an Kraft zu verlieren, weil fich 
: nach Pierre) die Contadle und die Ifolirungen in der Mafchine durch Abreiben 
iles Kupfers etc. verfchlechtern. Eine neuere Kravogl’fche Mafchine enthält 
Contadlrollen ftatt der Bürften, um diefem Abreiben zu begegnen. 
Die Petroleum-Kraft mafchinen. 
Diefe Mafchinen waren in den Räumen der Ausftellung nicht vertreten, was 
einzig und allein dadurch begründet ift, dafs fie im Frühlinge 1873 noch nicht 
erfunden waren. Nachdem fie aber während der Zeit der Ausftellung oder kurz 
nachher auftraten und ich eine derfelben mitlndicator und Bremfe zu unterfuchen 
und die andere doch wenigftens arbeitend zu fehen in die Lage kam, fo fcheinen 
einige Angaben darüber am Platz. 
Der Petroleum-Motor von E. Hock in Wien. Die Wirkungs 
weife diefer Mafchine ift aus den unterdeffen in den technifchen Zeitfchriften 
erfchienenen Befchreibungen und Zeichnungen bekannt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.