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J. F. Radinger.
Hange ftützte ficli ein kleiner Augenftänder mit fchiefenFufsplatten auf die Fifch-
bauchform der Haupt-Geradführungsfchienen.
Ueber die getrennten Schieber ging der Schieberkaften gemeinfam hin
weg. Seine Decke war oben angegoffen mit Ausnahme zweier ober denSchiebern
befindlichen Deckel. Mitten des Schieberkaftens feitlich mündete der grofse
Dampfhahn, während die Ausftrömung in einem angegoffenen Ringe um den
Cylinder führte und zum Condenfator kam.
Zum Zwecke einer von der Regulatorfteilung abhängigen veränderlichen
Expanfion waren nun jeder der zwei Vertheilfchieber mit einem fünffpaltigen
Dampfwege verfehen, über welchem eine gleichfalls fünffpaltige Deckplatte
öffnend und fchliefsend hin und wieder rückte.
Um aber das Oeffnen und Schliefsen der Dampf.Durchlafsfpalten der
Gröfse und Gefchwindigkeit nach unabhängig von der jeweiligen Lage des Ver-
theilsfchiebers zu erreichen, fo erfolgte die Bewegung der Deckplatten in einem
Sinne fenkrecht auf die Bewegungsrichtung der Grundfchieber und mit Woolf fchen
Dreiecken. Nach diefem Plane wmrde allerdings der Nachtheil der verfchiedenen
relativen Entfernungen und Gefchwindigkeiten, welchen die zufammenarbeiten-
den Kanten gewöhnlicher Zweifchieber-Steuerungen bei verfchiedenen Füllungen
unterworfen find, faft gänzlich umgangen. Das Woolf’fche Dreieck öffnet die Ein-
lafsfpalten fchon lange vor dem todten Punkte gänzlich, und läfst fie fo, wo
immer der Abfchlufs durch fie fpäter erfolgen wird.
Anderorts z. B. bei der Meyer-Steuerungift diefs nicht der Fall. Da fteht
für kleine Füllungen die Durchlafsfpalte am todten Punkte oben nur wenig offen,
und ihr Schlufs beginnt fofort und zögernd, weil die beiden Excenter in gleicher
Richtung gehen, und das Deckexcenter die Lage feiner langfamften Bewegung
paffirt. Aehnlich würde, es fich auch mit Schleifbogen-Steuerung verhalten, wo
beim Einwärtsdrücken des Gleitbalkens gleichfam ein kleineres Excenter mit
gröfserem VoreilwinkelzurWirkung kommt, welches alfo auch nur kleine Eröff
nung geben kann.
Hier aber wirkt je ein Woolffches Dreieck, alfo immer diefelbe Excentri-
cität, und nun handelt es fich nur noch um den Schlufs. Dafs derfelbe überall
gleich fchnell (wenn auch mit verfchiedener Gefchwindigkeit im Vergleich zum
Dampfkolben) erfolgt, wenn feine von der Schwungradwelle mit Rädern ange
triebene Welle fich gleichfchnell dreht, ift bekannt, und nun braucht man nur
den Voreilwinkel des Dreiecks zu ändern, oder deffen Antriebsräder zu verdrehen,
fo wird diefer Schlufs gleichfalls erfolgen können, wo immer die Kurbel fteht.
Derham ändert nun den Voreilwinkel durch die Verdrehung der Antriebs
räder und zwar durch ein Rädergehänge vom Regulator aus.
Jenes freigetragene Stirnrad an der Querwelle im Regulatorfockei, wovon
oben die Sprache war, treibt nämlich ein Zwifchenrad, um deffen Achfe zwei
Horizontalarme pendeln können, welche an ihrer Spitze eine Welle tragen.
Diefe Welle wird mit einem aufgekeilten Zahnrad gedreht, deffen Zähne in jene
des Zwifchenrades greifen, und treibt dann wieder mit einem Stirnrad-Paar eine
rohrförmig aufgefteckte Nabe der Zwifchenachfe zurück.
Die Bewegung wird daher immer richtig erfolgen, wie immer die Trag
arme ftehen, indem die Räder übereinander rollen. Aber der Voreilwinkel der
Rohrwelle wird gegen das Zwifchenrad, auf deffen Welle er fteckt, alfo weil
alles fernere fteif ift, gegen die Hauptkurbel um fo bedeutender abweichen, als
die Ueberfetzung durch die armgetragene Welle doppelt ins Schnelle gefchieht.
Diefe letztere Welle hängt nun mit einem balancirenden und ftark überfetzten
Hebel an der Manchette des Regulators, deffen Stellung dem Voreilwinkel der
Rohrwelle und des nun kommenden Antriebes der Steuerdreiecke ftellt.
Das Rohr treibt nämlich mit einem Kegelrad-Paar eine zweite Transmif-
fionswelle längs dem Cylinder, und diefe vor jeder Schiebermitte mit letzten
Kegelrädern die zwei Verticalwellen der Woolf fchen Dreiecke.